Dienstag, 30. Oktober 2012

Jenseits von Grinzing - Heuriger im 10er Marie

Grinzing, Weinseeligkeit, das kennt der Tourist. A Stückerl von Wien, aber muß der Tourist es unbedingt erlebt haben. Mit 16 war ich mit der Schule auf Abschlußfahrt in Wien und in Grinzig. Lustig wars, die Lehrerin war nervös und viel mehr Erinnerung habe ich nicht mehr. Deshalb wollte ich es unbedingt noch einmal erleben.

Der von mir sehr geschätze Beppo Beyerl schreibt in seinem mehr als empfehlenswerten Wien-Führer, daß in Grinzing die Piefke laut schmettern: "Warum ist es am Rhein so schön?". Davor fürchte ich mich schon im Rheinland - in Wien brauche ich das noch weniger.

Aus taktischen Gründen sind wir an einem Wochentag Mittags mit der Bim nach Grinzing gefahren. Eigentlich ist es sehr schön und hat viel Charme. Das gastronomische Angebot entspricht nicht so unserem Geschmack.  Aber, oben auf dem Cobenzl, da verschlägt es dem Tourist den Atem. Ganz Wien liegt ihm zu Füßen. Für mich ein ganz wichtiger Programmpunkt.

Das war jetzt Grinzing in alternativ, aber ein Heuriger wäre doch noch schön. Dem braven Tourist hilft da immer der Zufall und die Bim bringt ihn einfach hin. Das ist überhaupt mein ultimativer Tip für Städtereisen aller Art. Wenn man müde ist und nicht mehr laufen mag, einfach in eine Straßenbahn einsteigen. Da kann man sich ein bisserl ausruhen und sieht trotzdem was. Auf dieser Fahrten haben wir die 10er Marie entdeckt. Die hat von außen schon so entzückend ausgesehen, da muß man einfach einkehren.


Auf dem Platz davor gibt es viele Bänke und ganz viele ältere Menschen sind da gesessen und haben sich unterhalten. Da dachte ich noch, toll, ein Platz der Begegnung. Die 10er Marie öffnete ihr grünes Tor und schlagartig sprangen alle auf und stürmten in den hübschen Innenhof. Das wollten wir doch genauer wissen.

Fast alle Tische sind reserviert, der Profi findet jetzt heraus, wo die Tische mit den spätesten Reservierungszeiten sind. Besonders begehrt sind die mit 3 bis 3 1/2 Stunden Zeit. Zwei Stunden geht so zur Not....


Man beachte die Weinkrügerl mit den eingesteckten Zetteln - da steht die Reservierungszeit drauf. Nachmittags findet sich ein Plätzchen. Wer abends hingehen will, bitte reservieren....

Für den Hunger gibt es eine Theke mit diversem Gebratenem und Frittiertem und Salaten. Da kann man sich holen, worauf man einfach Lust hat. Und es schmeckt!

Schweinebraten mit Kartoffelsalat

 Kümmelbraten mit Gurkensalat

Als Münchnerin, die die Biergarten-Tradition liebt und nur das Bier nicht mag, ist die 10er Marie mein persönlicher Nockerberg. Auch wenn das jetzt keiner versteht :-).

Wer Wien ungezwungen und so erleben möchte, wie es für ihn passend ist, dem empfehle ich nochmals den Wien-Führer von Beppo. Und ich bin sehr glücklich darüber, daß er sich Zeit genommen hat und uns über den Zentralfriedhof geführt hat. Ein Wien-Besuch ohne Zentralfriedhof, ist wie ein Wien-Besuch ohne Heurigen. Und mit Beppo in Fleisch und Blut oder in Wort und Bild wird's gleich noch a bisserl spezieller.




Kommentare:

  1. Jetzt hast Du mal einen wunden Punkt bei mir getroffen ;-). Ich bin kein Fan von Grinzing und prinzipiell auch kein Freund von Heurigen in Wien. Wenn man so wie ich zwar in Wien geboren ist, aber doch einen Großteil der Jugend "am Land" verbracht hat und somit den Vergleich eines für mich "richtigen" Heurigens mit den "Abzocke" Heurigen in Wien hat, dann ist man meistens verärgert ;-). In Wien sind es auch vielfach ja schon Gaststätten, da wie man auf Deinen Bildern sieht auch warme Gerichte serviert werden, was ein Heurigenbetieb ohne Gastgewerbelizenz ja nicht darf. Bei den Heurigen rund um Wien und bevorzugt von mir - auch am Wagram, bekommt man wirklich noch sein Jägerbrot, Bratenfettbrot, den Rindfleischsalat vom der hauseigene Zucht, die Blutwurst, das Sulz von den Schweinen und Co. In Wien wird das Fleisch meistens zugekauft und grad der Wein kommt vielleicht aus der hauseigenen Produktion. Ich muss Dich unbedingt mal zu einem richtigen Heurigen mitnehmen!!!! Aber ich gebe zu, dass ein Ausblick von der Himmelwiese, vom Cobenzl, vom Kahlenberg schon was für sich hat. Und es gibt auch den einen oder anderen Heurigen, wo man gern astronomische Preise zahlt. Ich bin zB. ein Fan vom Fuhrgassl-Huber in Neustift am Walde. Man sitzt mitten in den Weinbergern und genießt wirklich gutes Essen. Und als Tourist muss man das auf jeden Fall mal gesehen haben... Aber ich besuche lieber meinen Mangalitza-Heurigen am Riederberg, wo die Woll-Schweine in Sichtweite den Acker umgraben und sich im Dreck sulen. Was mich halt in Wien ärgert ist, dass man für jedes kleine Ding extra zahlt. Schweinsbraten wird genau gewogen. Der Saft ebenfalls... da macht es einfach keinen Spaß. Liebe Grüße, Bine

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    1. Dann hoffe ich sehr, daß Du uns das nächste Mal an die Hand nimmst :-)

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  2. Bei diesem Bild werden bei mir schöne Erinnerungen wach... mein erster Kuss bei der 10 Marie von meinem Mann und das vor über 45 Jahren.
    Als echtes Wienerkind meidet man die Touristen Heurigen in Grinzing u.s.w.
    Auch in den Außenbezirken z.B. im 18. Bezirk ( Pötzleinsdorf), Stammersdorf und Strebersdorf gibt es noch viele urige Heurige. Meine speziellen Heurigen Favoriten sind aber etwas ausserhalb von Wien in Hagenbrunn.da sind die Heurigenwirte auch noch Bauern, daher haben nicht immer alle zur gleichen Zeit öffen, aber 5 Heurigenwirte sind es immer.
    Lieben Gruss
    Carola


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    1. Liebe Carola,
      das freut mich, daß ich Deine Erinnerungen so wecken konnte. Mir ist schon klar, daß die Heurigen ein Reizthema für die Wiener sind. Und jetzt habe ich ja so viele gute Tips bekommen. Beim nächsten Mal wird alles besser :-).

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  3. Die 10er Marie, toll, war schon lang nicht dort. Jetzt muss ich auch noch meinen persönlichen Heurigentipp anbringen, natürlich abseits von Grinzing (wo eigentlich kein Wiener hingeht): die urige Dorfschenke in Neustift mit dem besten Kümmelbraten mit Knusperschwarte! Für eure nächsten anstrengenden Recherchen ;-)

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    1. So langsam werde ich fast traurig, wenn die Wien-Berichte zu Ende sind und ich nicht mehr die vielen tollen Tips und Rückmeldungen von Euch Wienern habe :-(.

      Danke für den Tip. Zumindest bin ich mit der 10er Marie nicht völlig ins Fettnäpfchen getreten.

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    2. Dann musst Du schnell wieder kommen, damit Du wieder viel neues Material sammeln kannst :-)!!! Und nein mit der 10er Marie bist Du auf jeden Fall nicht ins Fettnäpfchen getreten.

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  4. na, da hab ich ja einiges verpasst, seit ich vorbeigeschaut hab. Das Cobenzl ist einer der Lieblingsplätze in 'meinem' Wien. Die 10er Marie hat mich persönlich dagegen nicht so sonderlich beeindruckt. Neustift am Walde kann ich da auch empfehlen, da sind meine Lieblingsheurigen zuhause.
    Und ein Besuch am Zentralfriedhof muss sein, da hast du recht!

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    1. So lange kann ich ja gar nicht kommen, bis ich Eure ganzen Heurigen "abgearbeitet" habe. Bin aber froh, daß ich noch lange nicht alles gesehen und erlebt habe. Da bleibt immer der Reiz nochmal nach Wien zu kommen.

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