Freitag, 4. Oktober 2013

Ein Klassiker: Helmut Thieltges im Waldhotel Sonnora

Helmut Thieltges ist vermutlich der zurückhaltendste und beständigste Drei-Sterne-Koch in Deutschland. Seit 1978 existiert das Waldhotel Sonnora in Dreis als Familienbetrieb. Das Haus liegt sehr idyllisch in einem Wald und das Interior ist in klassischem Design gehalten. Nach unserem eigentlichen Ziel der Moselreise (Weingut Stein in Alf) war dies die erste Station unserer Heimreise.

Ich schätze die klassische Spitzengastronomie sehr, da wo noch ein solides Kochhandwerk und viel Erfahrung dahinter steckt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Besonderes Highlight sind in solchen Restaurants immer die Saucen, so war es auch hier. Überhaupt gefiel mir der feine Geschmack des Menüs besonders gut. Ich kann das schwer beschreiben, aber so ähnlich habe ich das auch bei Heinz Winkler in Aschau erlebt.

Der aufmerksame Leser erinnert sich an die Geburtstagsparty bei Nelson Müller. Im Sonnora gab es ebenfalls eine Familienfeier. Das Publikum gediegen, sehr gediegen, nicht mal halb soviel Personen, aber laut, unglaublich laut.

Weshalb erzähle ich jetzt das? Es kann immer sein, daß irgendetwas passiert, was den Genuss in so einem Restaurant schmälert. Oft können die Mitarbeiter gar nichts dafür oder es liegt an der eigenen "Tagesform". Bei mir war es sicher eine Kombination aus beidem. Auf jeden Fall saß ich in der Schallwelle einer Dame, die bei jedem Gang (und jedem Glas Wein...) lauter und schriller wurde. Irgendwann war es mir einfach zu viel. Wir haben um einen anderen Tisch gebeten und dieser Bitte ist man sehr liebenswürdig und aufmerksam nachgekommen. In einem anderen Bereich des Restaurants konnten wir dann das Menü zu Ende geniessen.

Ich kann nie verstehen, wenn ich im Internet wilde Kritiken lese. Bitte gebt dem Service einen Hinweis, erklärt was Euch stört und man wird Euch helfen. Damit haben wir nur die allerbesten Erfahrungen gemacht.

Den Digestif nahmen wir in der schönen Bar des Hauses und als die Sirene auch auftauchte, mittlerweile war sie allerdings zur Heulboje mutiert (wilder Familienstreit am Tisch.....), gingen wir rundum zufrieden und glücklich auf unser Zimmer.

Da lobe ich mir doch junge Leute, vielleicht noch etwas unbeholfen und vielleicht nicht perfekt gekleidet, aber viel angenehmer.

Weißes Tomatenmousse mit Garnelen
Auster und Thunfisch-Variation

Getrüffelte Galantine von Perigord Gänsestopfleber in Gelee von altem Portwein mit geeistem Feigenconfit

Medaillons vom Hummer auf Spargelsalat in Koriander-Limonen-Marinade

Atlantik Steinbutt auf sommerlicher Gemüsemelange mit Poulardenjus und Sauce Bearnaise

Gebratenes Kalbsbries mit Pfifferlingen auf Petersilienmus 

Eifler Rehrücken mit Macadamianuss-Kruste auf Preiselbeer-Sauce

Auswahl vom Käsewagen

Exotic mit Kokos und Ananas
Degustation von Café Arabica und Mascarpone mit Kakaobohneneis und Karamellpraline

Petits Fours

Kleiner Schokokuchen

Einblick in den Garten von Helmut Thieltges findet Ihr hier:



Kommentare:

  1. Das Menu sieht hinreissend aus. Fast noch besser gefallen mir aber Deine menschlichen Anmerkungen - höflich miteinander reden bringt meist recht viel, nicht nur im Gastrobereich....und manchmal denke ich, es ist auch der Mode.....

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    1. Danke Dir, liebe Susanne. Ich beschreibe gerne solche Situationen, um zu zeigen, dass nicht immer alles glatt läuft und man trotzdem einen schönen Abend haben kann.

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  2. Das Sonnora steht schon lange auf meiner Liste, ehrlich gesagt schon seit vielen Jahren, es wurde mir schon so häufig von lieben Freunden empfohlen. Gerade weil Herr Thieltges so ein zurückhaltender unaufgeregter Koch ist, der wenig Wesen um sich macht, wurde es wahrscheinlich immer wieder von anderen 'Effekt-Haschern" zurück gedrängt. Jetzt sollte ich doch mal ......

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    1. Ja, das sehe ich auch so und versuche immer eine Mischung von prominenten Köchen und weniger bekannten Köchen, die oft eine bessere Leistung bringen, hinzubekommen.

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  3. Wie schön, dass der Klassiker ein Klassiker geblieben ist. Deine schöne ,anschauliche Beschreibung hat bei uns Erinnerungen an einen Besuch vor vielen Jahren dort geweckt.

    Gruß vom Tölzer Feuerkopf

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    1. Das freut mich, dass ich bei Dir schöne Erinnerungen wecken konnte.

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  4. Um ein Haar habe ich diese tollen Köstlichkeiten übersehen. Ich fühle mich sofort inspiriert von den leckeren Desserts.

    Liebe Grüße
    Anna

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    1. Da bin ich froh, liebe Anna, dass Du es nicht übersehen hast.

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