Montag, 14. Juli 2014

Besuch bei der weißen Koludzka-Gans in Polen

Anfang Juli hatte ich die Gelegenheit an einer Studienreise nach Polen teilzunehmen. Im Rahmen eines EU-Projekts waren wir eingeladen uns über das QAFP-Siegel und die damit verbundene neue Qualität in der Geflügelbranche zu informieren.

Zu meiner großen Freude gehörten zu unserer bunt gemischten Reisegruppe aus Journalisten auch ein Küchenchef, ein deutscher Gänsezüchter und meine beiden Bloggerfreundinnen Astrid von Arthurs Tochter kocht und Petra von Der Mut Anderer.




Unser Programm startete kurz nach der Ankunft in Posen mit einer kleinen Stadtführung durch die Altstadt, die mit vielen schönen Geschichten zu den Sehenswürdigkeiten gespickt war. Und sie endete am Alten Markt, einem unbeschreiblich schönen Platz im Herzen der Stadt. Das goldene Abendlicht und der weiß-blaue Himmel (fast wie daheim) unterstrichen natürlich die Attraktivität der Atmosphäre.



Besonders positiv ist mir natürlich aufgefallen, dass es überall freien Internet-Zugang gibt, wenn man eine polnische Telefonnummer hat. Davon sind wir in Deutschland leider noch weit entfernt. Auch das WLAN im sehr attraktiven Hotel Andersia funktionierte perfekt. In dieser Qualität erlebe ich das selten auf unseren Reisen daheim.



Rund um den Platz gibt es viele Restaurants und Cafés, die alle eine Terasse haben. Die einheitlichen Sonnenschirme verleihen dem Platz einen hübschen Markt-Charakter. Überall waren fröhliche Menschen, die den lauen Sommerabend genossen. Posen ist keine Touristenstadt, trotzdem gibt es sehr viel junges und internationales Publikum, da jeder fünfte Einwohner Student ist.



Im Restaurant "Le Palais du Jardin", einem der besten Restaurants der Stadt, waren wir zum festlichen Abendessen eingeladen. Ich habe es sehr genossen, an diesem schönen Abend im Freien zu sitzen, die tolle Kulisse zu erleben und ein feines Menü zu essen. Aus der Menüauswahl entschied ich mich für:

  • Wildfasanbrühe mit Fasanenfleisch-Wan-Tans und jungen Steinpilzen
  • Hähnchenleber in einer Portwein-Orangen-Sauce
  • Hähnchenbrust vom Grill mit Mozzarella-Basilikum-Füllung, Tomatencreme und Nudeln
  • Eiscreme im Karamellkörbchen.


Am nächsten Tag mussten wir früh raus und es ging mit dem Bus nach Koluda ins Staatliche Forschungsinstitut / Versuchsbetrieb, die exklusiver Züchter der weißen Koludzka-Gans sind. Auf der Fahrt waren einige Störche zu sehen und es ist mir aufgefallen, wie anders dort die Felder aussehen. Es gibt viele kleine Felder mit unterschiedlichen Getreidesorten und Gemüseanbau. Zwischen dem Getreide blitzen jede Menge Korn- und Mohnblumen hervor und geben der Landschaft eine hübsche Farbe.


In Koluda Wielka wurden wir sehr herzlich mit selbstgebackenem Kuchen und aromatisiertem Wasser empfangen. Eigentlich ist es so doch viel attraktiver, als immer diese Flaschen und das leichte Zitronen- und Minzaroma schmeckt auch besser.

Wir lernten Frau Dr. Halina Bielińska, die stellvertretende Direktorin des Instituts kennen. Sie ist eine ausgezeichnete Spezialistin für die Zucht der Hafermastgans und leitet auch die nationale Gänseforschungs- und Zuchteinrichtung. In ihrem sehr interessanten Vortrag erläuterte sie, dass die weiße Koludzka-Gans aus der weißen italienischen Gans gezüchtet wurde, die 1962 aus Dänemark kam. Diese Gans war eine sog. primitive Gans und für die Zucht nicht besonders gut geeignet, da sie wenig Nachwuchs bekam.
Es dauerte 50 Jahre, bis die weiße Koludzka-Gans den Status als eigene Geflügelart bekam. Sie ist nicht nur für die Zucht sehr gut geeignet, sondern auch eine hervorragende Mastgans, die im Alter von über 100 Tagen geschlachtet wird.

Für die Gänse mit dem QAFP-Siegel gelten strenge Normen bezüglich ihrer Herkunft, ihrer Haltung, ihrer Fütterung und der Hafermast. Die Gänse des Instituts werden so gehalten und das Institut prüft andere Gänsezüchter, ob sie diese Regeln einhalten. Weitere Informationen über das QAFP-Siegel findet ihr auf dieser deutschsprachigen Webseite.


Anschließend ging es hinaus zu den Gänsen. Das Institut ist eine sehr großzügige Anlage, die mich an ein Gut erinnerte. Auf dem weitläufigen Gelände stehen mehrere Gebäude, in denen die 2.520 Gänse des Institus in kleinen Herden leben. Jeweils sechs Gänse-Damen und ein Gänserich teilen sich einen Stall. Im Inneren befinden sich die Brutkästen und im Aussenbereich gibt es auch ein Wasserbecken. Die Gänse dürfen auch auf die großen Wiesen. Das ist ein sehr schöner, fast altmodisch anmutender Anblick. Die friedliche Ruhe auf dem Areal und in der gesamten, sehr ländlich geprägten Gegend, war richtig wohltuend.


Auch das schönste Leben einer Gans dauert nicht ewig und die Tiere werden nach der Mast in einem Schlachthaus auf dem Grundstück geschlachtet. Die Mast erfolgt niemals unter Zwang. Das Futter wird in den richtigen Mengen bereit gestellt und die Gans frisst so viel sie will. Da die Gänse einer natürlichen Futtergier unterliegen nehmen sie auch reichlich, wenn viel da ist.


Im Hofladen des Institus kann man Gänseprodukte wie Gänseleberpastete, geräucherte Gänsebrust, eingemachtes Gänsefleisch und Wurst kaufen. Da auch Schafe gehalten werden, gibt es verschiedene Schafskäse und Schafsfrischkäse. In dem Moment haben wir drei Foodblogger-Damen uns natürlich nichts sehnsüchtiger gewünscht, als eine riesige Kühlbox. In unserer Verzweiflung kauften wir dann Nudeln, die mit Wachteleiern gemacht wurden.

Nach einem kleinen Abstecher beim Gänse-Denkmal ging es zurück in den Konferenzraum.



Dort war der Tisch schon reich gedeckt mit den Köstlichkeiten aus der Schafsmilch. Es gab zwei Sorten Frischkäse, von denen der eine so seidig und wunderbar im Geschmack war, dass ich am liebsten nochmal nachgenommen hätte. Auch der Hartkäse und der geräucherte Käse schmeckten mir sehr gut. Dazu wurde selbstgemachtes Preiselbeer-Kompott gereicht.

Gut, dass ich vorsichtig war, denn der Koch servierte nun eine sehr gehaltvolle Suppe. Es ist eine polnische Nationalspeise mit dem Namen Zurek und wird aus Sauerteig gemacht. Sie ist sehr sättigend und hat noch jede Menge Wurst- und Ei-Einlage. Geschmeckt hat sie ausgezeichnet, eine richtig gute selbstgemachte Brühe, völlig frei von Glutamat.

Nun wurde es Zeit für die Hauptdarstellerin: die Gans nach dem Rezept von Frau Dr. Halina Bielińska und sie wurde auch von ihr persönlich tranchiert. Beim ersten Anblick dachte ich, sie wäre etwas dunkel geraten. Aber nichts davon, sie war perfekt. Ich habe noch nie so eine gute Gans gegessen. Das Fleisch war ganz zart, das konnte man am Gaumen zerdrücken und sie war so gut gewürzt, dass der gute Fleischgeschmack optimal herauskam. Begleitet wurde sie von einem feinen Kartoffelpüree mit viel guter Butter und Dill und einem Blaukraut. Bei der Gans und dem Püree wurde ich schwach und habe mir nochmal eine kleine Portion genommen.



Als ob unsere Gastgeber es geahnt hätten, bekamen wir noch Nudeln, geräucherte Gänsebrust, Gänseleberpastete und zwei Sorten Schafskäse mit nach Hause. Die kamen nach unserer Rückfahrt mit dem Bus gleich in den Kühlschrank der Minibar und sind auch wunderbar im Koffer daheim angekommen. So konnte ich Herrn bushcook nicht nur viel erzählen und Fotos zeigen, sondern ihn auch noch teilhaben lassen an den feinen Köstlichkeiten.

Wer glaubt, dass nach so einem opulenten Mittagessen jetzt etwas kürzer getreten wird, der kennt die polnische Gastfreundschaft nicht.



In einem Konferenzraum des Hotels erwartete uns Tomasz Jakubiak, sozusagen der polnische Steffen Henssler. Er ist als Koch und kulinarischer Journalist in Polen durch seine Fernsehshows bekannt. Vor unseren Augen zauberte er mit seinem Assistenten unser Abend-Menü. Seine Spezialität ist es, klassische polnische Rezepte modern zu interpretieren. Dabei verwendet er gerne Obst in pikanten Gerichten.

Sein Menü bestand aus:

  • Gebratene Piroggen Großpolnische Art mit gebratener Ente, Birnensuppe und Sauerkirschen
  • Kaltschale aus geschmolzenen Tomaten und Koriander, Sanddorn-Pesto und Frischkäse
  • Hähnchenbrust mit Kohl-Pfifferlings-Gemüse und jungen Bratkartoffeln


Das Dessert steuerte der Küchenchef des Hauses bei. Ich habe mich für das Überraschungsdessert entschieden und würde es als dekonstruierte Philadelphia-Torte :-) bezeichnen.




Damit die geschätzten Gäste nach einem mehrgängigen Mittags- und Abendmenü auf keinen Fall verhungern, hatte die Küche des Hotels noch ein kleines Buffet vorbereitet.



Es gab kleine kalte Kanapees mit Ei und Kaviar, mit Salami und Oliven, mit Tatar aus Rinderlende, mit Hering und Apfel und warmes Fingerfood wie Pfannkuchen mit Gemüse und Schafskäse, Mini-Pizza, Pflaume im Speckmantel und Fleischbällchen.

Die Liebhaber von süßen Speisen kamen mit Kirschen in Schokolade, Empanadas mit Banane und einem weißen Schoko-Rum-Mousse nicht zu kurz.



Lange sind wir gesessen und haben uns ausgezeichnet unterhalten und viel gelacht. Die armen Service-Mitarbeiter des Hotels hatten schon Angst, dass wir niemals schlafen gehen. Irgendwann war dann doch Schluß. Auch wenn es keiner glaubt, am nächsten Tag hat uns das große und vielfältige Frühstücksbuffet wieder geschmeckt.

Wir drei Mädels fühlten uns jetzt wieder gestärkt, um das tolle Gebäude gegenüber dem Hotel zu erkunden. Eine alte Brauerei wurde von einer Investoren-Familie renoviert und in ein sehr chices Einkaufszentrum mit attraktiven Restaurants umgewandelt. In dem Gebäude gibt es auch Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. Gleich dahinter schließt sich ein kleiner Park an, der zum Verweilen einlädt.



Ein kleiner Abstecher zum Marktplatz musste noch sein und dann ging es zurück zum Flughafen und nach Hause. Wir waren ein bisserl wehmütig beim Abschied, weil wir so herzlich aufgenommen wurden und wunderbare Tage in Polen verbracht haben.

Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei den Organisatoren der Reise, Frau Gray und Herrn Blavius von icf, Frau Dr. Halina Bielińska und unserem liebenswürdigen und ständig simultan dolmetschenden Simultan-Dolmetscher Michal Scheuer.

Bald sollen in den Edeka- und Lidl-Märkte solche Gänse oder Gänseteile mit dem Siegel erhältlich sein. Ich werde Ausschau halten, weil ich sehr gerne so eine Gans selbst zubereiten möchte. Es wäre für mich wichtig, mich darauf verlassen zu können, dass ich kein steinhartes Fleisch bekomme. Gerade bei Gänsen besteht die Gefahr, dass sie - auch bei bester Zubereitung - hartes, zähes Fleisch haben. Mich haben die Gänseprodukte in Koluda Wielka überzeugt und ich würde mich freuen Gänsefleisch in dieser Qualität kaufen zu können.


Berichte der Kollegen:
Fotos eines polnischen Bloggers zu einem Blog-Event
Petra von Der Mut Anderer

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