Montag, 6. Juli 2015

Holunderblütenöl 2.0

Jedes Jahr freue ich mich auf die Holunderblüte und versuche mir diesen feinen Geschmack für das restliche Jahr zu bewahren. Was sonst unproblematisch war, wurde heuer zu einer Suchaufgabe. In meiner Nähe gab es eine riesige Holunderhecke. Sie war bestimmt 300 Meter lang und sie wurde im Rahmen einer Baustelle jetzt einfach entfernt. Die Holunderbüsche standen dort schon einige Jahrzehnte und ich empfinde es als Barberei, dass man so etwas zerstört.

Ich wusste noch einen kleinen Holunder in der Nähe und habe heuer so richtig gemerkt, wie schwer es ist, sie zu finden. Der Zeitpunkt der Blüte ändert sich schließlich witterungsbedingt immer etwas. So bin ich einige Wochen mit offenen Augen unterwegs gewesen und dachte mir immer, welcher der Büsche in dem grünen Dickicht wohl ein Holunder ist. Eines Tages änderte sich alles schlagartig: der Holunder blühte überall. Es war wirklich spannend zu entdecken, wo überall welche stehen. Alleine auf dem Weg in die Arbeit habe ich bestimmt 30 verschiedene Büsche entdeckt. Mit ihren großen weißen Blütendolden sind sie jetzt ganz einfach zu sehen.

Endlich konnte ich mein Experiment starten. Ich wollte wieder Holunderblütenöl machen. Daran habe ich mich schon einmal versucht. Dazu wurde das Öl auf eine bestimmte Temperatur gebracht und die Holunderblüten durften darin ziehen. Im Topf war das Ergebnis nie zufriedenstellend und mittlerweile glaube ich, dass man es besser im Thermomix machen sollte. Bei mir wurden die Blüten gerne mal zu warm und schnell braun. Dann schmeckt das Öl eher nach Stroh, als nach Holunderblüte.

Jetzt habe ich eine bessere Methode entdeckt, den Rapid Infusion von iSi. Das ist ein Aufsatz auf die normale Espumaflasche und wurde in Zusammenarbeit mit einem Bartender entwickelt. Er wollte Flüssigkeiten schnell aromatisieren, ohne sie lange mazerieren zu lassen. Die Flüssigkeit (das kann Alkohol, Öl, Essig, etc. sein) und das Aroma werden in die Flasche gegeben, die üblichen Stickstoffkapseln eingedreht und etwas stehen gelassen, um zu ziehen. Durch den Druck verbinden sich Flüssigkeit und Aroma. Danach wird das Gas abgelassen und die Flüssigkeit kann abgesiebt werden. Zum Rapid Infusion gehört ein kleines Sieb. Dies verhindert, dass die kleinen Teile des Aromas (wie Kräuter, Gewürze oder eben Blüten) in das Ventil dringen und es verstopfen. Der lange Auslass ist nur für den Austritt des Gas vorgesehen und die Flasche kann danach problemlos geöffnet und die Flüssigkeit durch ein Sieb abgegossen werden.

Mit dieser Methode wollte ich das Holunderöl herstellen und es hat sehr gut geklappt. Nächstes Jahr wede ich noch mit Menge der Blüten und der Standzeit experimentieren. Für den ersten Versuch war ich schon sehr zufrieden. Die Farbe des Öls ist gelblicher geworden und den Geschmack der Holunderblüten hat es auch angenommen. Ich möchte es für zarte Blatt- und Kräutersalate und zum Aromatisieren von Fisch verwenden.




3 große voll aufgeblühte Holunderdolden
250 ml Rapsöl
2 Kapseln Stickstoff
500 ml iSi-Flasche
Rapid Infusion

Von den Holunderdolden nur die Blüten abzupfen und in die Flasche geben.

2 Kapseln Stickstoff hintereinander eindrehen und jedesmal sanft schütteln. Für 15 Minuten stehen lassen und dann das Gas ablassen. Den Kopf abschrauben und das Öl durch ein engmaschiges Sieb gießen. Das Öl in einer dunklen Flasche aufbewahren.








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