Sonntag, 2. August 2015

Spürbare Liebe und Verantwortung:
Juffing Hotel & Spa in Hinterthiersee, Tirol

Hinterthiersee in Tirol liegt kurz hinter Kufstein und gehört damit zu den Zielen, die von München aus unkompliziert zu erreichen sind. Trotzdem war ich noch nie da und habe mich über die Einladung zu dieser kleinen Reise sehr gefreut. Die Zugfahrt dauert gerade mal eine gute Stunde und dann geht es für 15 Minuten mit dem Auto weiter durch eine sehr schöne Alpenlandschaft. Schon von weitem sieht man den spitzen Kirchturm von Hinterthiersee. Der Ort liegt malerisch zwischen den Bergen und dort, gleich neben der Kirche ist das Juffing Hotel & Spa, in dem ich die nächsten zwei Tage verbringen darf.



Schon auf der Fahrt stellte sich das schöne Gefühl ein, anzukommen und abschalten zu können. Das verstärkte sich noch bei der herzlichen Begrüßung der Familie Juffinger-Konzett und beim Betreten meines Zimmers. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass das eines der schönsten Hotelzimmer ist, in dem ich jemals war. Die einladende Sitzgelegenheit, die so perfekt in den Erker eingebaut ist, ermöglicht einen wunderbaren Blick auf den Wilden Kaiser. Der offene Badbereich mit der Badewanne und der gegenüberliegenden gleichgroßen Dusche ist sehr elegant und klar gestaltet. Trotzdem wirkt das Zimmer nicht kühl, sondern sehr gemütlich. Auch auf liebevolle Details wurde geachtet, wie die kleine Bibliothek und die Teebar mit hochwertigem Bio-Tee im Zimmer. Die Liebe zu Büchern und zur Literatur zieht sich wie ein roter Faden durch das Haus. Auf dem Teppich im Gang ist ein Gedicht von Raoul Schrott zu lesen und die Wände zieren nachdenkenswerte Zitate. Unter dem Motto "Literatur am Kirchturm" findet jeden Monat eine Lesung mit Autoren statt.


Die Chefin des Hauses, Sonja Juffinger-Konzett, legt großen Wert auf eine gepflegte Weinkarte mit österreichischen Weinen. Dazu hält sie einen engen Kontakt zu den Winzern und veranstaltet regelmäßig Winzerdinner, die für die Hotelgäste im Rahmen der 3/4 Pension enthalten sind. Lediglich die Weinbegleitung wird in Rechnung gestellt. Die Höhe finde ich sehr angemessen, für den Abend, an dem wir teilnehmen durften, betrug die Weinbegleitung 19.-- EUR.

Das Menü startete auf der Terrasse mit "Bruschetta mit Kirschtomaten" und dem Rosé von Ludwig Hiedler aus dem Kamptal. Das Familienweingut besteht schon seit über 100 Jahren und wird in der vierten Generation von Ludwig Hiedler sen. geführt. Mit Ludwig Hiedler jun. steht die fünfte Generation bereits in den Startlöchern. Die Weinberge liegen rund um Langenlois und profitieren vom außergewöhnlichen Klima im Kamptal, das von der warmen Luft aus der südlichen Donauebene und der kalten Luft aus dem Waldviertel geprägt wird. Vor dem alten Weinkeller, der acht Meter tief im Löss eingebettet ist, stehen zwei Eulen und sind das Sinnbild des Weinguts. Im Keller findet modernste Kellertechnik Anwendung. Die Begrüßungs-Reden der Chefin und des Winzers auf der Terrasse mit Herz und Verstand vermittelten viel Wissenswertes und schafften eine ganz besondere Atmosphäre.


Im Restaurant warteten schon festlich gedeckte Tische und das Amuse bouche "Quinoa mit Erdbeeren und Ziegenfrischkäse", auf uns. Dazu gab es hausgemachte Gemüsechips, deren Zubereitung uns der Küchenchef am nächsten Tag verraten hat. Er salzt die Gemüse vorher ein und gart sie damit kalt vor. Dann werden sie abgetrocknet und danach erst frittiert. Sie waren sehr knusprig und das ist bei Gemüse schwieriger, als bei Kartoffeln.

Der Menü-Auftakt war leicht und frisch mit "Grapefruitsalat mit Koriander und Mango" und einer "sommerlichen Minestrone". Ludwig Hiedler stellte die begleitenden Weine, Riesling zum Salat und Grüner Veltliner zur Suppe, vor. Dabei spürte man seine Freude und Begeisterung für das, was er tut.


Zu meinen Lieblings-Rebsorten gehört der Grüne Veltliner und ich trinke ihn in Österreich bevorzugt. Zu meiner großen Freude gab es zum "Blauen Forellenfilet auf Fenchel mit Kartoffelwürfeln" gleich den nächsten davon. Die beiden, und genau in dieser Kombination, waren mein Favorit an diesem Abend.

Der Hauptgang war optisch eine Augenweide und schmeckte auch so. Zum rosa gebratenen Kalbsfilet gab es gefüllte Kringelkartoffeln, Eierschwammerl und Karotten. Ins Glas kam ein 2013 Weißburgunder Maximum, dies bedeutet die Trauben stammen aus einer Top-Lage.


Die "mit Blauschimmel gratinierte Birne" wurde in Wahrheit gebunst und ist eine großartige Idee für einen würzig-aromatischen Käsegang. Begleitet wurde dieser von einem ebenbürtigen Wein, Riesling Maximum, aus der Magnumflasche. Für den süßen Ausklang sorgten ein "Marillenknödel nach Langenloiser Rezept" und eine Beerenauslese vom Weißburgunder. Alle am Tisch waren sich einig, dass das der beste Marillenknödel war, den wir jemals gegessen hatten. Sogar Ludwig Hiedler, der aus dem Marillenland kommt, teilte diese Meinung. Unsere Fröhlichkeit an diesem Abend zog sich durch, wie ein roter Faden und so entstand das schöne Foto von Sonja Juffinger-Konzett und Ludwig Hiedler mit dem Line-up der Weine.


Der nächste Morgen begrüßte mich wieder mit strahlendem Sonnenschein und dieser klaren Luft. Alles war so ruhig und entspannt. Am Pool vor dem Haus schwammen die ersten Gäste schon ein paar Runden und genossen den Anblick der Landschaft. Ich nutzte die Zeit um ein paar Fotos vom Restaurant und dem Lobby/Bar-Bereich zu machen. Der Stil entspricht dem meines Zimmers, modern, elegant und doch wohlfühlend gemütlich. Da schaut man gerne ein zweites Mal hin und erfraut sich daran. 


Nach einem ausgiebigen Frühstück stand ein Besuch der Glasmanufaktur Riedel in Kufstein auf dem Programm. Die Weingläser von Riedel sind jedem Wein-Liebhaber ein Begriff und ich war schon sehr gespannt auf die Glasbläserei. Auch Riedel ist ein familiengeführtes Unternehmen und macht dies bereits am Eingang deutlich. Dort steht eine Glas-Pyramide, die genauso viele Fenster hat, wie das Unternehmen alt ist - 250 Jahre. Auf jede Scheibe ist eine andere Jahreszahl graviert. Wurde in diesem Jahr ein Sohn geboren, so ist auch noch ein Stern angebracht. Der Storch im Vordergrund weist stolz darauf hin, dass auch heuer ein Sohn zur Welt gekommen ist. Die Mädchen verschweigt man uns leider. Die letzte Bastion gegen die weibliche "Thronfolge" scheinen nicht die Königshäuser, sondern Riedel zu sein. :-)


Wir hatten eine sehr gute Führung, bei der uns der gesamte Prozess der Glasfertigung genau erklärt wurde. Mit einem Video und den Erläuterungen zu den alten Gerätschaften konnten wir danach die Arbeiten der Männer im Werk besser verstehen. Es ist eine schwere Arbeit und für ein Glas sind mehrere Arbeitsschritte notwendig, die auch von verschiedenen Arbeitern ausgeführt werden. Nur einer besitzt die Fertigkeit, den Stiel zu formen. Dafür wird eine 10-jährige Ausbildung benötigt und er wird der Meister genannt. 


Wir waren froh, dass wir die heiße Halle verlassen konnten. Weiter ging es mit einer Multi-Media-Show, die alle unsere Sinne angesprochen hat und so manche Überraschung in petto hatte. Unser Geruchssinn hatte noch eine besondere Prüfung zu bestehen. In schwarzen, blickdichten, Riedel-Gläsern befanden sich unterschiedliche Lebensmittel, Gewürze und Kräuter. Wir sollten nur riechen und herausfinden, was im Glas ist. Vieles war einfach zu erkennen, aber manches doch sehr kniffelig. Zur Belohnung durften wir noch einen Wein aus der neuen Glasserie Super Leggerio verkosten. Die Gläser sind hauchdünn und haben mir sehr gut gefallen, da ich einen dünnen Glasrand bevorzuge.


Es ging zurück ins Juffing und wir haben Hunger mitgebracht von unserem kleinen Ausflug. Da kam der Kochkurs mit Ernst Spreitzer gerade richtig. Er hat schöne Kräuter, Gurken, Wassermelone und Zander mitgebracht.

Es war gleich zu spüren, dass da ein Koch am Herd steht, der das Herz am richtigen Fleck hat und seinen Beruf liebt. Viel Erfahrung bringt er mit, war in guten Hotels, in der Spitzengastronomie und auch auf einem Kreuzfahrtschiff als Koch tätig. Hier im Juffing ist er angekommen und kann mit seiner Kompetenz und seinem Engagement die Gäste kulinarisch verwöhnen. Mit seinem kleinen Team kocht er alles frisch und mit Bio-Zutaten. Dafür ist er auch mit der "Grünen Haube" ausgezeichnet worden. Für das Küchenteam ist es selbstverständlich auch vegetarische Menüs anzubieten und auf die Bedürfnisse von Allergikern einzugehen. Mich interessieren immer glutenfreie Gerichte und war sehr angetan davon, welche Gedanken sich Ernst Spreitzer macht und bin schon sehr gespannt, was ihm noch alles einfällt.

In unserem kleinen Kochkurs hat er uns als erstes den V-Schnitt gezeigt, mit dem man die Gräten blitzschnell aus dem Fischfilet schneiden kann. Dieser wurde dann in Portionen geschnitten und mit Kartoffelscheiben schuppenartig belegt.


Mit seinen neuen Kartoffelschuppen nach unten kam der Fisch in die Pfanne und danach standen die Sauce und das Gurkengemüse auf dem Programm. Mit routinierten Griffen zauberte Ernst diese beiden Komponenten unseres Hauptgangs im Handumdrehen. Und wir bewunderten die Technik von Madeleine, die die Zucchini-Spaghetti für das Abendessen blitzschnell von Hand schnitt. Da wurde mir klar, wie wunderbar das Essen ist, das aus dieser Küche kommt. Nicht nur die hohe Qualität der Zutaten ist dafür verantwortlich, sondern ganz besonders das engagierte Handwerk des kleinen Küchenteams. 



Viel kochen hat er uns nicht lassen, der Ernst, aber fotografieren durften wir alles :-). Ich glaube der wollte uns einfach nur verwöhnen. Und so durften wir auf der Terrasse Platz nehmen und das feine und leichte Mittagsmenü geniessen. Zum Dessert gab es noch eine gegrillte Wassermelone mit Orangen-Sauerrahm-Eis. Im Rahmen der 3/4-Pension stehen für die Hotelgäste jeden Mittag ein schönes Salatbuffet, eine Eis- und Kuchenauswahl, beides selbstgemacht, bereit. 


Ich genoss den Nachmittag mit entspanntem Nichtstun und meine Kolleginnen nutzten das Freizeit und Spa-Angebot des Juffing. Gabi schwang sich auf ein E-Mountainbike und erkundete die Gegend. Katja ließ sich im Spa-Bereich verwöhnen. Ihre Erfahrungen könnt Ihr in den Blogs Toureal und WellSpa-Portal nachlesen.

Am frühen Abend trafen wir uns wieder und besuchten mit Elmar Konzett den Schnapsbrenner Hans Stix, genannt "der Onkel Hans". Ursprünglich stammt er aus der Steiermark und war Obstfahrer. Er ist in der Thiersee-Region hängen geblieben und hat die Tante von Sonja Juffinger-Konzett geheiratet. Er entdeckte seine Liebe für das Schnapsbrennen und hat sich viel Wissen angeeignet. Heute brennt er leidenschaftlich ausgezeichnete Schnäpse, für die er auch viele Auszeichnungen erhalten hat. Sein neuestes Projekt ist ein Berg-Gin, der sehr schöne Zitrus- und Wacholderaromen hat. Es fiel schwer, bei den vielen guten Obstbränden den besten herauszufinden. Unter meinen Lieblingen waren Marille, Kirsche und ein Traubenbrand.



Zum Abendessen waren wir rechtzeitig zurück und freuten uns auf einen weiteren schönen Abend auf der Terrasse. Zum Anstoßen entschied ich mich für einen Lillet Rosé aus der umfangreichen Aperitifkarte. Auf das 6-Gang-Menü freuten wir uns sehr. Dieses Menü ist das normale Abendmenü, das allen Gästen im Rahmen der 3/4-Pension serviert wird. Zwei Damen unserer Tischrunde wählten das Fleisch und die beiden anderen den Fisch. Es hätte auch noch einen vegetarischen Hauptgang gegeben und damit wäre das Menü komplett vegetarisch gewesen. 

Die Vorspeisen und Zwischengänge des Menüs waren vegetarisch und schöpften aus dem Vollen des sommerlichen Gemüseangebots. Los ging es mit einer "Broccoliterrine mit Paprika und Birnen-Walnusssalat". Darauf folgten eine "Samtsuppe von Rucola und Schwarzbrotchips" und ein "Lauch-Karottenküchlein mit Schnittlauch-Crème fraîche". Zu diesem feinen Menü entschieden wir uns für einen Grünen Veltliner von Jurtschitsch.

Auch zum "Gebratenen Eglifilet auf Rote Rüben-Tagliatelle an Kräutersauce mit Zucchinispaghetti" (die Madeleine mittags mit so viel Liebe geschnitten hatte) passte der Wein perfekt. Ich hatte mich für die "Tranchen von rosa gebratenem Lammrücken unter der Kürbiskernkruste mit Bohnencassoulet und Erdäpfelschupfnudeln" entschieden und habe gerne die Regeln gebrochen und den Weißwein dazu getrunken. Bei der reichhaltigen Auswahl an österreichischen Käse-Spezialitäten mit frischem Obst, Senfsaucen und Chutneys musste ich leider passen, damit ich die "Zitrus-Topfenschaumnockerl auf Fruchtspiegel und Sesamhippe" noch mit viel Genuss verspeisen konnte.

Das hat für mich ganz wunderbar gepasst und ich war so glücklich über die selbstgemachten Schupfnudeln. Die bekommt man kaum mehr und sie waren ein Hochgenuss. 


"Manchmal

Kriegst du alles zurück
An einem einzigen Tag"

Das stand da einfach so im Gang zu meinem Zimmer. Es hat mich sehr nachdenklich gemacht, weil ich drei so wundervolle Tage im Juffing verbringen durfte. Hatte ich so viel Glück und Genuss in kurzer Zeit verdient? 2015 hat für mich persönlich bereits am 1. Januar sehr schlecht gestartet und die ersten 6 Monate waren von unglücklichen Zeiten geprägt. Ich habe diesen Spruch mitgenommen und als Start in die nächsten 6 schönen Monate gesehen.

Gleichzeitig wünsche ich das der Familie Juffinger-Konzett, die mit so viel Liebe, Verantwortung und Engagement ihr Hotel führen. Von morgens beim Frühstück, bis spät in die Nacht sind sie immer präsent und ansprechbar. Das gilt auch für die das kleine und sehr kompetente Mitarbeiter-Team. Man spürt, wie aufmerksam alle um das Wohl der Gäste bemüht sind. Ich habe in diesen Tagen viel Kraft geschöpft und wünsche dem gesamten Juffing-Team, dass sie alles zurück bekommen, egal, wie lange der Zeitraum ist.

Zum Abschied am nächsten Tag haben wir uns das Frühstücksbuffet nochmal so richtig schmecken lassen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein großer Frühstücksmuffel bin. Aber hier konnte auch ich nicht widerstehen.


Schon mal ein Kresse-Buffet gehabt? Nein? Ich bisher auch nicht, aber es war ein Highlight für mich. Die Auswahl an Wurst- und Schinkenspezialitäten, geräuchertem Fisch, Obst- und Gemüse stand dem in nichts nach. Eine besondere Attraktion war auch die gute Butter aus dem Zillertal.



Als Teetrinkerin erfreute mich die Auswahl der hochwertigen Bio-Tees sehr und ich habe immer ein Auge für Gluten-Allergiker. Die Auswahl an glutenfreien Müslis kann ich als vorbildlich bezeichnen.


Für mich muss das Frühstück pikant sein und mit Bratwürstel, Bacon und Ei bin ich sehr gut bedient. Zusätzlich konnte man sich auch noch Eierspeisen bestellen. Am ersten Tag entschied ich mich für ein Omelett und am zweiten für Spiegeleier. Beides war genau nach meiner Vorstellung. Leider gibt es auf den Frühstück-Buffets viel zu selten Saftpressen. Nicht so im Juffing, da standen zwei davon und eine schöne Auswahl an Obst und Gemüse. So kam ich in den Genuss meines Lieblingssafts Karotte-Apfel-Ingwer.

Der Abschied ist mir schwer gefallen, aber ich denke gerne an die schöne Zeit zurück und frage mich im Sinne des Spruchs, ob ich es verdient habe. Vielen Dank für die Einladung.

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