Mittwoch, 10. Februar 2016

Viel dal Pan, das Gourmet-Restaurant für Skifahrer
auf 2.500 Meter Höhe

Welche Ansprüche hat der Gourmet unter den Skifahrern? Ehrlich gesagt, habe ich mir diese Frage noch nie gestellt. Ich versuche Berge eher zu vermeiden und im Winter versuche ich Schnee zu vermeiden. Eine Kombination aus beidem versuche ich ganz besonders zu vermeiden. Seit ich letztes Jahr in Sölden war und mich die Landschaft und das kulinarische Angebot bei Wein am Berg sehr begeisterte, habe ich zumindest die Einsicht, dass ich mit dieser Haltung etwas versäume.


In Südtirol wartete eine Einladung des Gourmet-Restaurants "Viel dal Pan" auf 2.500 Meter Höhe. Das Restaurant befindet sich direkt neben der Bergstation der Gondel in das Skigebiet Porta Vescovo Dolomiti. Damit ist es für Skifahrer genauso gut erreichbar, wie für Nicht-Skifahrer mit normalen Winterschuhen. Es hat nur im Winter über Mittags geöffnet und jeden Mittwoch Abend für ein Menü unter dem Sternenhimmel.


Das Viel dal Pan befindet sich am äußersten Ende der gastronomischen Betriebe an der Bergstation. Im großen Mittelbau ist das Selbstbedienungs-Restaurant. Dort gibt es italienische Nudelgerichte (sogar glutenfrei) und venezianische Spezialitäten. Davor ist eine große Sonnenterrasse, die sich am Tag unseres Besuches leider nicht so sonnig präsentierte. Trotzdem war der Ausblick auf Sellaronda, Marmolada und die anderen Berge der Dolomiten grandios. Diesen Blick hat man auch aus den Fenstern des kleinen Restaurants, das mit seiner geschmackvollen und sehr natürlichen Einrichtung an eine Luxus-Schutzhütte erinnert.


Viel dal Pan ist kein Kompromiss. Es ist ein Gourmet-Restaurant mit edlem Porzellan, hauchdünnen Gläsern und feiner Tischwäsche. Trotzdem ist der Skifahrer in typischer Bekleidung und Skischuhen gerne gesehen und es kommt kein unangenehmes Gefühl auf. Wir waren sozusagen ein "Mixed-Team", da Herr bushcook direkt von der Piste kam und ich mit der Gondel in normaler Kleidung unterwegs war. Beides ist möglich und niemand wundert sich über den Anderen. Damit die Skifahrer keine zu lange Pause benötigen, wird sogar ein 38-Minuten-Menü angeboten. Wir konnten es öfters beobachten, wie schnell die Teller aus der Küche kamen und die Gäste wieder zurück auf die Piste konnten. Die Gäste in Straßenkleidung nahmen sich mehr Zeit für den kulinarischen Genuss, genauso wie wir auch.

Brotkorb mit Speckbutter

Zum Auftakt kam ein variantenreicher Brotkorb auf den Tisch. Alles wurde von den Köchen selbst gebacken. Das ist in dieser Höhe nicht so einfach, da sich der Teig anders verhält und auch die Temperatur anders gewählt werden muss. Im Moment experimentieren die Köche noch mit glutenfreien Brot. Die bewährten Rezepte, die sie in geringerer Höhe bereits erarbeitet haben, funktionieren hier nicht.


Die charmante und tolle Bedienung hat unseren Besuch noch mehr zu einem Highlight gemacht. Sachkundig präsentierte sie auch die Weinbegleitung mit besonderen italienischen Weinen.

Onsenei mit Trüffelsauce und Kartoffel-Sesam-Chip

Die Küche verantwortet Ivan Matarese. Der junge Sizilianer hat vor vier Jahren das Meer mit den Bergen getauscht, da ihm der Ort egal ist. Wichtig ist es ihm, seine Ideen und seinen Küchenstil zu verwirklichen. Er stammt aus einer Köche-Dynastie und vertritt bereits die dritte Generation von Profi-Köchen. Nach seiner Ausbildung war er in einem **-Restaurant in der Toskana und möchte bei seiner ersten Küchenchef-Position das Gelernte umsetzen. Er begeistert sich für die traditionelle italienische Küche und den puristischen Stil der nordischen Küche. Diese beiden Elemente will er innovativ kombinieren und das gelingt ihm ausgezeichnet.


Sepia mit Paprikacreme und gebranntem Topinambur

glutenfreie Safran-Graupen mit Steinpilzcreme

Ravioli mit Rote Bete und Graukäse und Steinpilzcreme

geräuchertes Schweinefilet auf Wirsing mit gebackenem Sellerie und Espuma

Studel mit Vanilleeis

Kaffee-Schoko-Mousse

Ivan Matarese (Mitte) mit seinen beiden Kollegen,
die in ihrer kleinen Küche wirklich großen Genuss zaubern.

Für mich ist es sehr stimmig, wenn man gerne zum Skifahren geht und dabei Schnee und Landschaft geniesst. Ebenbürtig sollte der kulinarische Genuss sein. Vermutlich ist diese Sichtweise ungewöhnlich und es gibt wenig Angebote beides zu kombinieren. Im Restaurant "Viel dal Pan" und im Skigebiet "Porta Vescovo" ist eine perfekte Symbiose gelungen.


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