Donnerstag, 25. Mai 2017

Lehrreiches Fleisch-Tasting im Little London in München

Für was soll ein Fleischtasting gut sein, mag sich der Eine oder Andere fragen. Schließlich weiß man doch, wie Fleisch schmeckt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Fleisch sehr unterschiedlich schmecken kann und das kommt nicht nur darauf an, von welchem Teil des Tieres das Fleischstück ist. Auch die Fütterung ist wichtig. Rinder, die auf einer Weide stehen und Gras fressen, schmecken ganz anders, als Tiere die mit Mais gefüttert werden. Denken wir einmal an das bekannte Salzwiesenlamm von der Insel Sylt. Durch die Gezeiten werden die Wiesen mit Salzwasser getränkt und es wachsen dort andere Pflanzen. Das ist deutlich zu schmecken.

Am einfachsten kann man solche Unterschiede herausfinden, wenn man unterschiedliche Fleischstücke parallel probiert. Ich nehme an solchen "geführten" Verkostungen sehr gerne teil. Sie sind lehrreich, ich kann meine eigenen Vorlieben herausfinden und in der Gruppe mit Gleichgesinnten macht auch noch viel Spaß.

Das Steakhouse "Little London" in der Münchner Altstadt bietet regelmäßig solche Fleischtastings an. Mit viel Herzblut und Engagement stellt der Gastgeber Mario Pargger die Fleischgänge vor, Als ausgebildeter Sommelier und Weinakademiker gibt es dazu auch noch den perfekten Wein ins Glas. Er ist sehr qualitätsbewusst und ihm ist die Diskussion mit den Gästen sehr wichtig. Deshalb führt er diese Tastings auch so gerne durch und serviert bei jeder Veranstaltung andere Fleischteile, um im Dialog mit dem Gast zu bleiben.



Am festlich gedeckten Tisch stand schon alles für ein schönes Tasting, einschließlich einer kleinen Überraschung zum Mitnehmen, bereit. Zu jeder Verkostung bekam man eine kleine Karte, auf der das Fleisch genau beschrieben war. Das hat mir sehr gut gefallen, da man dann nicht ständig überlegen musste, was ist links und was ist rechts. Im ersten Flight gab es Tatar, einmal vom Bison aus Deutschland und einmal vom Rind aus Australien. Auf dem Foto sehen beide fast gleich aus, aber geschmacklich war es ein großer Unterschied. Mein Favorit war das Bisontatar.


Bei der zweiten Runde unterschied sich das Roastbeef gleich durch drei Merkmale. Links ein Roastbeef - Wet Aged vom Black Angus aus USA und rechts ein Roastbeef - Dry Aged vom Galicien Beef aus Spanien. Hier kann man auf dem Foto bereits Unterschiede in der Struktur sehen. Beide waren, wie alle Fleischstücke, perfekt gegrillt. Dafür steht der Küche ein hochwertiger Montague-Grill zur Verfügung, der besonders heiß wird. Sehr angetan war ich davon, dass es zu jedem Fleischgang eine andere Beilage gab. So konnte man ganz nebenbei auch noch das sehr gute Angebot der Beilagen kennen lernen.

Weiter ging es mit einem Entrecote vom Black Angus aus den USA und einem vom Simmenthaler Rind. Meine Fleischstücke sehen sehr unterschiedlich aus, da ich mir extra ein Stück habe geben lassen, dass gut von Fett durchzogen war und grandios schmeckte.


Bei der vierten Runde stand das Tomahawk-Steak im Fokus. Die beiden Varianten waren Hereford Beef aus Irland und Black Angus aus Australien. Von meinen Irland-Besuchen weiß ich, dass die Tiere fast das ganze Jahr im Freien stehen. Irisches Rind profitiert vom Grasgeschmack und auch vom Salz des Meeres, da die Tiere nahe an der Küste sind. Fleisch hat, aus meiner Sicht, nur einen Nachteil, es macht satt. Das kleine Sorbet, das zur Erfrischung gereicht wurde, kam da genau richtig.


Gut erfrischt, widmeten wir uns dem Filet vom Wagyu Beef. Die beiden Fleischstücke waren aus Australien (1. Blutlinie vom japanischen Koberind) und aus Chile (3. Blutlinie vom japanischen Koberind). Hier wurde mir wieder klar, dass Filet das langweiligste Fleisch ist, dass es gibt. Keine Frage, es war sehr hochwertig und hat gut geschmeckt. Alle vorherigen Fleischgänge fand ich interessanter und geschmackvoller.

Zum Abschluss gab es zwei Überraschungsstücke und wir durften raten, was es ist. Das war schwierig, wenn man etwas vergleichbares noch nicht gegessen hatte. Oben links ist Wasserbüffel zu sehen und unten rechts Zebra. Es war interessant, es zu verkosten, aber ich müsste es nicht unbedingt haben.

Die großen Fleischstücke wurden am Tisch präsentiert und dann frisch aufgeschnitten.

Die sehr gute und passende Weinbegleitung des gesamten Abends.

Es war so ein schöner und launiger Abend. Am Tisch hatte man sehr schnell netten Kontakt zu den Nachbarn und es ergaben sich gute Gespräche. Und weil es gar so nett und schön war, hat Mario Pargger noch einen kleinen Einblick in das Gin-Tasting gegeben, das er auch anbietet. Zu jedem Gin hatte er, dem Aroma des Gins entsprechenden Zutaten ins Glas gegeben und wir konnten uns einen Lieblings-Gin aussuchen. Ich war überrascht, wie unterschiedlich der Geruch war und schön der Gin kombiniert werden kann. Das macht Lust darauf, mehr zu erfahren und auch einmal ein Gin-Tasting zu besuchen.





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