Dirty Bistro ist der Titel und das Cover zeigt Max Strohe ähnlich provokativ. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen, denn sein erstes Kochbuch ist spannend und innovativ und gehört zu dem besten, was in den letzten Jahren von Spitzenköchen erschienen ist.
Zum Buch haben sich auch zwei Blogger-Freundinnen Gedanken gemacht und ihre Rezensionen veröffentlicht:
Eine große Sammlung von Kochbuch-Rezensionen, sortiert nach Themen, habe ich
hier veröffentlicht.
Max Strohe wuchs an der Ahr auf und machte dort seine Ausbildung als Koch. In den Lehr- und Wanderjahren verschlug es ihn nach Kreta und dann nach Berlin, wo er seit 2007 lebt und arbeitet. Im Jahr 2015 machte er sich mit dem Restaurant Tulus Lotrek selbständig. Bereits ein Jahr später erhielt er die Auszeichnung als "Aufsteiger des Jahres" und schon 2017 wurde er mit dem ersten Stern vom Guide Michelin ausgezeichnet.
In der Corona-Krise engagierte er sich mit der Aktion "Kochen für Helden" und dafür wurde er vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Einem größeren Publikum wurde er durch seine Teilnahmen bei der Fernsehsendung "Kitchen Impossible" bekannt.
Letztes Jahr veranstaltete er ein temporäres Bistro-Pop-Up, Sonntag mittags in den Räumen des Tulus Lotrek, mit dem Titel "Dirty Bistro". Und dieses Konzept hat er nun für sein erstes Kochbuch verwendet. Die Gerichte sind also keine typische Sterneküche, sondern typische Bistro-Gerichte, aber mit Witz und durchaus anspruchsvoll. Ich bezeichne das gerne als gepflegte Alltagsküche und das ist meine Lieblingskategorie bei Kochbüchern.
Max Strohe hat eine Haltung zum Kochen und zu Gerichten und die ist sehr klar. Es geht um Produktqualität, anständiges Kochen und ein Essen das schmeckt. Dies macht er in den eingestreuten Essays deutlich und die sind interessant zu lesen. Man merkt dem Kochbuch an, dass es sein Konzept und seine Philosophie auf den Punkt bringt.
Dabei bleibt der Witz nicht auf der Strecke, was man den Rezeptkapiteln durchaus anmerkt. Sie lauten:
- Streetfood
- Classics not Classic
- Classics
- Guilty Pleasure
- Sweets
- Grundrezept
Somit gibt es keine strenge Einteilung nach Vorspeise oder Hauptgericht oder nach Saison oder nach Gemüse, Fisch, Fleisch. Sondern es geht um Essen auf das man Lust hat. Bei mir hat das sehr gut geklappt. Bereits beim ersten Durchblättern, habe ich mich sofort entschieden, was ich ausprobieren will.
Die Rezepte sind klar strukturiert und gut beschrieben. Man weiß also genau, was zu tun ist und kann einiges sogar vorbereiten. Für manche Rezepte muss man den Einkauf im Delikatessenhandel, beim Fischhändler oder im asiatischen Supermarkt erledigen. Ein ganz normal sortierter Supermarkt reicht da nicht. Das Ergebnis hat uns jedesmal begeistert. Der Kochaufwand war übersichtlich und der Geschmack ausgezeichnet.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Mengen passen. Das ist leider selten, dass die einzelnen Komponenten wirklich zusammenpassen und nicht von einer eine große Menge übrig bleibt. Kleinere Reste können problemlos in den Alltag integriert und mit anderen Zutaten zu einem neuen Gericht werden. Details dazu habe ich bei den einzelnen Gerichten beschrieben.
Und endlich hat es einer geschafft, das beliebte Kräuteröl ohne Thermomix herzustellen. Das Problem ist nicht der Thermomix, der steht ja bald in jedem Haushalt, das Problem ist die Menge. Kleine Mengen kann er nicht verarbeiten und im Privathaushalt ist ein Liter Schnittlauchöl kaum aufzubrauchen. Hier wird perfekt beschrieben, wie man das in einem Topf macht und da kann man kleinste Mengen herstellen.
Auch das Zitronenöl aus den Grundrezepten ist perfekt, wenn man Saft von Zitrusfrüchten braucht und für die Schale keine Verwendung hat. So kann man das Aroma schnell und in kleinen Mengen konservieren. Eine tolle Lösung ist auch die Beschreibung, wie man das Carpaccio vorbereitet, um es mit dem Messer, statt mit der Aufschnittmaschine, zu schneiden.
Lachs-Ceviche mit Kumquat und Estragon(Link folgt)
Rindercarpaccio mit Haselnuss und Räucheraal-Mayonnaise(Link folgt)
Brie brûlée(Link folgt)
Um dem Hobbykoch möglichst umfassende Informationen zu geben, gibt es drei Glossare: Küchentechniken, Küchengeräte und Zutaten. Dort werden Fachbegriffe verständlich erläutert. Auch an das Register wurde gedacht. Es listet alphabetisch Rezepttitel und Zutaten auf.
Fazit:Dirty Bistro von Max Strohe hat mich bereits nach dem Aufschlagen begeistert und diese Begeisterung ist geblieben. Besonders gefällt mir, wie stimmig es bei der Auswahl der Gerichte und der Umsetzung in Rezepte ist. Es macht Spaß darin zu blättern und es macht Spaß daraus zu kochen. Auf den ersten Blick wirkt manches Rezept einfach, aber es hat immer auch einen gewissen Anspruch. Wer Freude an einem ungewöhnlichen und auch mutigen Kochbuch hat, für den ist es ideal. Es sollte schon etwas Erfahrung beim Hobbykoch vorhanden sein. Für blutige Anfänger ist eher ein schwieriger Einstieg. Außerdem sollte man passende Einkaufsmöglichkeiten für hochwertige Zutaten haben.
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5. Wenn Du das nicht willst, nimm' einfach die Finger von der Tastatur.
6. Ich verkaufe keine Daten, ich mache keine Auswertungen damit und ich lösche nichts. Ich lebe ein ganz normales Leben und habe Freude am Kochen und am Teilen meiner Erfahrungen. Für alles andere habe ich keine Zeit, keine Nerven und keine Erfahrung.