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Dienstag, 26. Februar 2019

Menü von Heiko Nieder - The Restaurant Dolder Grand in Zürich

Nach dem wunderbaren kulinarischen Abend in der Bauernschänke (Link zum Bericht) haben wir für den Abend danach eine Steigerung eingebaut und einen Tisch im "The Restaurant" des Hotels "Dolder Grand" reserviert. Dort kocht der deutsche Spitzenkoch Heiko Nieder seit Jahren auf hohem Niveau und mit 2 Michelin-Sternen und 19 Punkten Gault Millau ausgezeichnet.

Üblicherweise nehmen wir dann die Dolderbahn, um den Zürichberg hinaufzufahren. Bei unserer Ankunft gab es keine Spur von Schnee in Zürich und am Nachmittag begann es zu schneien. Bis zum Abend war es im Vergleich zu den Schneemassen in München immer noch moderat aber ich war von dem kleinen Spaziergang zwischen Endstation der Bahn und dem Hotel in guten Schuhen nicht begeistert. Also ging es mit dem Taxi hinauf und das hat nicht annähernd den gleichen Charme, wie mit der Bahn. Entschädigt wurden wir dafür mit einem grandiosen Blick auf das weiße Zürich unter uns.

Wir freuten uns sehr auf dieses kulinarische Highlight und wurden nicht enttäuscht. Im Gegenteil, nicht nur das Essen war großartig, ganz besonders war auch die Weinbegleitung. Wir erlebten zum ersten Mal, dass zwei Weinbegleitungen angeboten wurden. Wir entschieden uns für die Variante, in der besondere Weine wie Große Gewächse geöffnet wurden. Es ist selten, dass solche Weine offen ausgeschenkt werden und wenn man die Gelegenheit bekommt, sollte man sie auch wahrnehmen. Zum Gelingen dieses wunderbaren Abends trug ganz besonders der Service bei. Soviel Herzlichkeit und Natürlichkeit kann man lange suchen. Die Nachwuchsförderung stand ganz weit oben und so etwas unterstützen wir ganz besonders. An diesem Abend bediente uns auch ein sehr junger Mann, mit so viel Liebe und leuchtenden Augen. Der Teenager wurde für gute Leistungen bei seiner Ausbildung mit einem zweitägigen Praktikum im Gourmet-Restaurant belohnt. Da kann man auch als Gast mithelfen und ein Extra-Lob aussprechen, das sehr dankbar aufgenommen wurde. Diese kleinen Geschichten gehören für mich zu einem rundum gelungenen Abend dazu und ich empfehle immer, wenn Ihr in ein Spitzen-Restaurant geht, seid auch ein "Spitzen-Gast" und es genügt völlig freundlich, höflich und interessiert zu sein.



Fingerfood
Seidentofu mit Alge, Soja und Fingerlimes - Zitrus Marsmallow mit Limone und Kräutern
Pommes Soufflé mit weissem Trüffel und Parmesan - Gruyère Stange mit Apfel-Verjus und Senf
Avocado-Sandwich mit Wasabi und Gartenkresse

Dampfbrot mit Rande (=Rote Bete), grüner Mango und Jalapeno

Brioche mit Eigelb, schwarzem Trüffel und Schnittlauch

Auster mit Apfel, Algen, Wasabi und Molke

Saint Pierre mit Sauerkrautsaft (für mich ohne :-) ), Kapern, Zitrone und Räucherfisch

Jakobsmuschel mit Kalb, Erdnuss, Dill und Imperial-Kaviar

Kaisergranat mit Krustentierschaum, Sesam und Kimchi-Gewürz

Weisser Trüffel mit Bergkartoffel, Spinat und Ei

Ochsenbrust mit Schneckenkruste, Meerrettich und Wirz (= Wirsing)

Rentier mit Steinpilzen, Holunder, gelben Rüben und Curry

Königstaube aus Frankreich, Senffrüchte, Rande und Rotkrautjus

Mandarine und Agave mit Pecannuss, Estragon und Aji Amarillo

Dunkle Schokolade mit Miso, Kornelkirsche, Kerbel und Vanille

Petits fours
Obstpäckchen mit Chili, Haselnuss-Tütchen, Jelly-D's, Berliner "spanisch", Knusperkugel,
Palatschinken mit Maroni und Kakao, "Nippon" mit kandiertem Ingwer

Sonntag, 24. Februar 2019

Ein Abend bei Nenad Mlinarevic in der Bauernschänke in Zürich

Nenad Mlinaevic ist als Sohn serbischer Eltern in der Schweiz geboren. Sein Vater arbeitete als Lokführer bei der Dolderbahn. Wer Zürich nicht kennt, das ist eine Zahnradbahn mit der man aus der Altstadt den Zürichberg hochfahren kann, zum Grandhotel Dolder. Auf halber Stecke kommt man am Hotel Dolder Waldhaus vorbei. Dem Engagement seines Vaters verdankt es Nenad, dass er dort ein Praktikum in der Küche machen konnte und seine Leidenschaft für den Beruf wurde geweckt. Während seiner "Lehr- und Wanderjahre" wurde Andreas Caminada zu seinem wichtigsten Mentor. Als Küchenchef im Park-Hotel Vitznau erkochte er sich in kürzester Zeit zwei Michelin-Sterne und 18 Punkte.

Ich habe Nenad vor ein paar Jahren bei einem CookTank der Sternefresser im Restaurant Dallmayr in München kennengelernt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Stadt Land Fluss" und von seiner Umsetzung in eine kulinarische Trilogie war ich sehr begeistert (Link zum Bericht). Seitdem stand er ziemlich weit oben auf meiner Liste, wo ich gerne essen möchte. Leider liegt Vitznau nicht gerade auf unseren üblichen Wegen. Meine Freude war sehr groß, als ich erfuhr, dass er in seine Heimatstadt Zürich zurück gekommen ist und dort das Traditionslokal Bauernschänke übernommen hat.

Unsere erste kulinarische Reise in diesem Jahr hat uns in die Schweiz geführt. Ich habe immer versucht regelmäßig nach Zürich zu kommen, da es meine Lieblingsstadt ist, leider ist mir das in den letzten Jahren, aus zeitlichen Gründen, sehr schwer gefallen. Endlich war es wieder möglich und zur Feier des Wiedersehens haben wir uns zwei schöne Abende gegönnt. Den Auftakt machte die Bauernschänke. Bereits bei der Reservierung wurde ich aufmerksam gemacht, dass man große Tische hat (siehe oben - Traditionslokal!) und deshalb auch Gäste gemeinsam an einem Tisch platziert. Wir waren an einem Mittwoch da und es war nicht auf den letzten Platz reserviert. So bekamen wir einen Platz an einem 4-er-Tisch, den wir den ganzen Abend für uns alleine hatten. Vom Gefühl her, wäre es kein Problem gewesen, wenn dort noch zwei Gäste Platz genommen hätten. Die ganze Atmosphäre ist sehr angenehm und entspannt, aber trotzdem hoch professionell.

Auf der kleinen Karte stehen wenig Gerichte, die trotzdem die Auswahl unglaublich schwer machen. Serviert wird im neumodischen "sharing". Das bedeutet, dass man sich Gerichte aussucht und die kommen in die Mitte des Tisches zum Teilen. Bei solchen Konzepten ist es fast immer ein Fehler nur zu zweit zu kommen, weil man dann auch nur ein paar Gerichte probieren kann. In der Bauernschänke ist es ein großer Fehler. Wir haben uns ausgesucht, was uns am meisten interessiert hat und was am besten geeignet war, um es glutenfrei auf den Tisch zu bringen. Im Laufe des Abends wurden einige Schüsseln und Teller an unserem Tisch vorbei getragen und da war nichts dabei, was nicht die Probierlust geweckt hätte. Auch für unseren nächsten Zürichbesuch steht die Bauernschänke ganz weit oben auf der to-do-list.


Statt Weinbegleitung - ein Müller Thurgau aus der Amphore,
der uns zu allen Gerichten und den ganzen Abend sehr gut gefallen hat
Schneekrabbentatar | Algen | Ajo blanco



Weißkohl gegrillt | Joghurt | Dill

Entenbrust gebraten | Pilze | Pastinake
Topinambur | Perigord-Trüffel | Nussbutter


Bolivianische Schokolade | Tonkabohne

Zwetschgentrüffel zum Espresso

Freitag, 27. März 2015

Kulinarisches Zürich - ein paar Eindrücke

So schön der Zürichsee ist, aber er sorgt leider dafür, dass es selten klare Sicht gibt. Bei unserem letzten Aufenthalt im Februar hatten wir das große Glück einen dieser seltenen Strahletage, wie ich sie gerne nenne, zu erleben. Dann kann man auch im Hintergrund die Glarner Alpen sehen. Auch bei bester Sicht zeigt sich das Matterhorn nicht. Dies ist nur auf Ansichtskarten möglich und entspricht dem Idealbild der Touristen, aber nicht der Realität.

Im Vordergrund liegt die Herzbaracke, ein Theaterschiff. Es schippert das ganze Jahr rund um den Zürichsee und im Winter ankert es immer direkt in Zürich. Dort kann man nicht nur kulturelle Veranstaltungen besuchen, sondern auch zu Kaffee und Kuchen einkehren. Leider war diesmal keine Zeit dafür.



Pflichtprogramm für Süßkram ist und bleibt Sprüngli. Es gibt mehrere Filialen in Zürich, aber die Köstlichkeiten gleich vor Ort verzehren kann man nur am Paradeplatz. "Auf die Hand" geht natürlich überall, aber ich bevorzuge das genussvolle Essen im Sitzen. Dafür muss man entweder rechtzeitig da sein, oder einen Tisch reservieren. Der Andrang ist gewaltig - kein Wunder, bei diesen sündigen Kleinigkeiten, die auch alle wundervoll schmecken. Und eine kleine Auswahl an glutenfreien Leckereien gibt es inzwischen auch schon.


So gut gestärkt empfiehlt sich danach ein kleiner Spaziergang auf die andere Seite der Limmat ins sogenannte Dörfli. Dort ist seit 1910 der Kolonialwarenladen Schwarzenbach und wird immer mehr zur letzten Bastion des guten Geschmacks in einem zunehmenden Meer an Imbissbuden.

Schwarzenbach hat nur zwei Schaufenster und die müssen zuerst genau inspiziert werden. Das dauert bei mir mindestens eine halbe Stunde, bis ich mir die Nase platt gedrückt und die Vielzahl des kulinarischen Angebots gescannt habe.


Dann bin ich bereit, die "heiligen Hallen" zu betreten. Der Laden ist nicht groß und zu jeder Tageszeit voller Kunden. Schwarzenbach ist immer noch ein Fachgeschäft, in dem geschulte Mitarbeiter die Kunden bedienen. Deshalb geht es auch schnell, bis man dran kommt.


Die Ladeneinrichtung ist glücklicherweise immer noch die alte und begeistert mich immer wieder aufs Neue. Das Problem besteht eher darin, dass im Ladeninneren noch mehr zu entdecken ist und ich dann schon wieder vergessen habe, was ich mir im Schaufenster ausgesucht habe. Am liebsten würde ich mich mal über Nacht einschließen lassen und einmal in Ruhe alles ganz genau anschauen.



Optimale Vorbereitung für einen Besuch dieses Ladentraums in Zürich ist das Buch "Schwarzenbach", in dem die Geschichte der Familie und des Ladens vorgestellt werden. Dazu kommen die Vorstellung mehrerer Zürcher Restaurants, die Rezepte mit speziellen Zutaten von Schwarzenbach entwickelt haben. Meine Rezension findet Ihr hier.

Donnerstag, 26. März 2015

Meta Hiltebrand,
geballte Frauenpower im Le Chef, Zürich

Meta Hiltebrand ist ein sprühendes Feuerwerk und ihre Kreativität lebt sie beim Kochen aus. Seit vielen Jahren wollte ich schon immer bei ihr essen. Sie hat mich in ihren Bann gezogen und ich wusste nie warum. Bei meinen Recherchen zu meinem Bericht habe ich festgestellt, dass sie auf den Tag genau 20 Jahre jünger ist als ich. Und so ein gemeinsamer Geburtstag verbindet doch, oder? :-)

Die Schweizerin besuchte eine Kochschule in Zürich und im Anschluss daran machte sie eine Kochausbildung in den renommierten Zürcher Restaurants Rigihof und Bauhaus. Danach kochte sie u. a. im Widder Hotel und Münsterhof. In der Schweiz ist sie einem breiten Publikum durch die Sendung kochen.tv von TeleZüri bekannt. 

In ihrem ersten Restaurant, der "Kutscherhalle", lebte sie nach eigenen Worten die "wilden Jahre" aus. 2013 übernahm sie zusätzlich das Traditionslokal "Le Chef" des verstorbenen Gastronomen Fredi Tschanz. Meta steht für eine kreative Marktküche mit mediterranen Einflüssen. Am besten kann man dies mit dem Menü Surprise kennenlernen. Als Hommage an Fredi Tschanz gibt es auf der Karte auch noch seine beliebtesten Klassiker.

Wir wollten am liebsten die quirlige Meta auf dem Teller haben und entschieden uns für das Überraschungsmenü.


Steinpilzflan mit Serrano-Schinken, Lakritzreduktion und Rettichsprossen

Gebratene Riesencrevette auf Mango-Balsamico-Flan mit Spargel-Mascarpone,
Grenadine-Balsamico-Reduktion und Granatapfelkernen

Prosecco-Zitronengras-Süppchen und Lammrack im Kräutermantel auf Favabohnen-Salat
mit Erdbeermark und Grand-Marnier-Vanille-Sauce

Jakobsmuschel mit Steinpilz-Belugalinsen und Rucola

Argentinisches Rinderfilet im Himbeerstaub auf Spinat-Cocktailtomaten-Risotto mit Trüffelsauce

Waldbeerenstreusel, Honig-Rosmarin- und Grenadine-Panna-Cotta, Apfel-Zimt-Kompott mit
weißem Schokoladen-Quark-Mousse, Chili-Schoko-Herz


Das war ein sehr gelungener, lustiger Abend mit einem feinen Menü. Und es hat sehr viel Spaß gemacht, ein paar Worte mit Meta zu wechseln.

Mittwoch, 25. März 2015

Bei Carlo Bernasconi im Cucina e Libri, Zürich

Mein letzter Besuch in Zürich liegt viel zu lange zurück. Es gab Zeiten, da war ich jedes Jahr viermal dort und letztes Jahr habe ich es gar nicht geschafft. Um so mehr habe ich mich diesmal auf unsere kulinarische Reise in die Schweiz gefreut und viele ganz besondere Stationen im Vorfeld ausgesucht.

Gleich am ersten Abend hatte ich etwas ganz besonderes ausgewählt und mich sehr darauf gefreut. Im Seefeldquartier, meinem Lieblingsviertel, hat Carlo Bernasconi, einen ganz besonderen Ort eingerichtet. Cucina e Libri sagt eigentlich schon alles. Es gibt deckenhohe Regale voll mit Kochbüchern und ein paar liebevoll gedeckte Tische. Alles wird von Kerzen und herrlichen Kronleuchtern schön ausgeleuchtet. Man fühlt sich gleich wohl.

Carlo ist ein renommierter Food-Journalist und Kochbuch-Autor. Er zeichnet z. B. verantwortlich für "La cucina verde", "La cucina dolce" und das preisgekrönte Standardwerk "Cucina Italiana". Mittlerweile ist er auch Koch und sein Reich ist eine kleine Küche, in der er italienische Köstlichkeiten mit dem zaubert, was der Markt saisonal hergibt.

Wir wurden gleich herzlich empfangen und bekamen den ganz besonderen Chef's Table zwischen Bücherregal und Küche. Wenn das Restaurant geschlossen ist, schreibt Carlo an diesem Tisch seine Texte. Das war natürlich der perfekte Platz für mich, da dort alle meine Leidenschaften gebündelt waren. 

Carlo wählte einen besonderen Wein für unser Menü aus, einen Merlot aus dem Tessin, der uns sehr gut geschmeckt hat.



Bei der Vorspeise entschieden wir uns für zwei unterschiedliche Gerichte. Herrn bushcook waren wegen seiner Gluten-Intoleranz leider die Ravioli verwehrt. Der Fisch versöhnte ihn aber gleich.

Geräucherter Schwertfisch auf Spinat

Ich konnte nicht widerstehen und probierte die Ravioli mit dem hauchdünnen Nudelteig und der würzigen Füllung - einfach perfekt. Da braucht es nicht mehr.

Handgemachte Ravioli mit einer Füllung aus Kalb- und Geflügelfleisch

Beim Hauptgang entschieden wir uns für das gleiche Gericht und es war ein perfekter Geschmack, auch in Kombination mit dem Rotwein.

Rinderfilet-Medaillon mit Kastaniensauce und Gemüse

Für den süßen Abschluss zauberte Carlo noch einen Süßwein aus dem Aostatal hervor, den er auch schon lange einmal verkosten wollte.

Süßwein aus dem Aostatal zu Semifreddo und Schokoladentarte

Ihr könnt sicher verstehen, dass ich bei diesem Anblick am liebsten dageblieben wäre.

Achtung: Suchbild! Ziemlich in der Mitte steht das Buch "Schwarzenbach", in dem auch Carlos schönes Restaurant vorgestellt wird. Einige Rezepte hat er auch dazu beigesteuert.



Wer nach Zürich kommt, dem empfehle ich vorher dort zu reservieren. Ein Besuch lohnt sich und viele Tische gibt es nicht. Vielen Dank, lieber Carlo, für einen bezaubernden Abend.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Rezension: H. Schwarzenbach - Das Zürcher Kochbuch

Zürich ist eine meiner Lieblingsstädte. Ich habe aus beruflichen Gründen dort viel Zeit verbracht und viele Lieblingsplätze entdeckt, die ich heute noch gerne bei privaten Besuchen aufsuche. Einer dieser Lieblingsplätze, der immer ganz oben auf der Besuchsliste steht ist der Delikatessenladen Schwarzenbach im Niederdorf. An den beiden Schaufenstern drücke ich mir zuerst lange die Nase platt. Sehr liebevoll werden dort die Produkte präsentiert. Unzählige kleine Teller und Schalen sind dort gefüllt mit Reis, Gewürzen, Nudeln, Trockenfrüchten und und und. Für mich ist das schon mehr eine Ausstellung, da diese Sachen ohne Verpackung gezeigt werden und alles ein eigenes Namensschild hat. Für mich hat es einen besonderen Reiz mehrere Pfeffer- oder Salzsorten genau betrachten zu können. Ich brauche immer ganz lange vor dem Schaufenster, bis ich jedes Detail erfasst habe und mir überlege, was ich mir nach Hause mitbringen könnte.

Mit viel Vorfreude betrete ich dann den Laden und fühle mich ein bißchen wie Pippi Langstrumpf in diesem wunderbaren Bonbonladen. Die alte Einrichtung versetzt mich in eine ganz andere Zeit und dort begreife ich immer die Wörter Kolonialwaren und Gewürzhandel. Aus allen Teilen der Welt kommen die unterschiedlichsten Lebensmittel und haben oft weite Reisen hinter sich. Der Geruch aus diesem bunten Gemisch ist unbeschreiblich.

Viel zu schnell geht die Zeit vorbei, weil man dort sehr kompetent bedient wird. Am liebsten würde ich fragen, ob ich einfach nur ein bisserl dableiben darf. Aber diese Vorliebe haben viele und der kleine Laden würde sonst überquellen. So stille ich meine Sehnsucht gleich nebenan im Teecafé Schwarzenbach und werfe natürlich noch einen Blick auf die Kaffeerösterei, die ein eigenes Schaufenster hat.

Meine Freude war natürlich sehr groß, als ich das Buch H. Schwarzenbach - Das Zürcher Kochbuch vom AT Verlag entdeckt habe.

H. Schwarzenbach - Das Zürcher Kochbuch


Das Haus Schwarzenbach wurde 1864 gegründet und ist bis heute ein Familienunternehmen geblieben, das nun in der 5. Generation von Heini Schwarzenbach geführt wird. Gleich im ersten Kapitel "Die Geschichte des Zürcher Delikatessenhandels seit 1750" erfahren wir die enge Verknüpfung des Traditionshauses mit dem kulinarischen Wandel Zürichs und die wirtschaftliche Entwicklung des städtischen Marktes. Dies wird mit historischen Stichen und Fotos eindrucksvoll untermalt.

Der Rezeptteil macht gut die Hälfte des Buchs aus und verknüpft die Zürcher Küche mit den Produkten von Schwarzenbach. Die Rezepte stammen von den Küchenchefs renommierter Zürcher Restaurants. Da habe ich mich besonders darüber gefreut, weil ich in den meisten dieser Restaurants bereits gegessen habe. Das Buch bietet so ganz nebenbei auch noch einen schönen Überblick über die gepflegte Gastronomie der Stadt.

  • Peter Brunner, Kaiser's Reblaube und Goethe-Stübli
  • Carlo Bernasconi, Cucina e Libri
  • Fabian Fuchs, Equitable - St. Meinrad
  • Rolf Hiltl und Pascal Haag - Hiltl
  • Didi Bruna und Markus Furtner - Didi's Frieden
  • Roman Wyss und Werner Frei - Restaurant Schlüssel
  • René Zimmermann und Ralf Weber - Restaurant Wirtschaft Neumarkt
  • Alain König und Sepp Wimmer - Zunfthaus zur Waag
  • Urs Achermann - Swiss Re Centre for Global Dialogue
  • Ivo Jud - Confiserie Honold

Zu jedem Rezept gibt es ein großformatiges Rezeptbild. Besonders gut gefällt mir der strukturierte Aufbau der Rezepte, bei dem links die Zutaten aufgelistet sind und rechts der dazugehörige Arbeitsschritt steht. Die Rezepte sind gehoben, aber nicht abgehoben. Das sind Gerichte, die man im Alltag genauso gut kochen kann, wie auch für ein schönes Gästemenü. Bei sehr speziellen Zutaten werden bereits Alternativen aufgezeigt. Die schönen Gewürze oder andere "exotische" Zutaten sind natürlich auf das Sortiment von Schwarzenbach abgestimmt, aber auch sehr gut in ähnlichen Geschäften oder im Internet erhältlich.

Im letzten Kapitel finden wir sehr gut aufbereitete Informationen zu den "lokalen und kolonialen Delikatessen Zürichs". Diese Beschreibungen und Fotos gelten natürlich auch ganz allgemein für die aufgeführten Produkte. Abgerundet wird dies mit einem alphabetischen Register nach Zutaten und den zugehörigen Produkten. So kann man gezielt suchen, wenn man ein Rezept für eine besondere Zutat braucht.

Die Auswahl der Rezepte zum Nachkochen ist mir nicht leicht gefallen, da mich sehr viel angesprochen hat und auch gut zu meinen bereits vorhandenen Zutaten gepasst hat. Auf jeden Fall wollte ich endlich einmal den Rapssamen verwenden, den ich mir in Zürich gekauft hatte. Geschmacklich besonders angesprochen hat mich die Kombination aus Wildschwein, Apfel und Rosmarin und ich wollte es einfach gerne probieren. Die letzte Wahl fiel auf ein vegetarisches Gericht aus dem Hiltl, einem vegetarischen Restaurant, das bereits seit über 100 Jahren existiert. Alle drei Rezepte stammen von unterschiedlichen Köchen und waren sehr authentisch. Ich konnte mich gut an die Besuche der jeweiligen Restaurants erinnern. Die Qualität der Rezepttexte ist ausgezeichnet, leicht nachzuvollziehen und alles hat wunderbar funktioniert.


Berberitzen-Reis mit grünen Pistazien

Schweinefilet mit Dörräpfeln und Rosmarin












H. Schwarzenbach - Das Zürcher Kochbuch ist ein sehr aufwändig und liebevoll gestaltetes Kochbuch. Die Informationen zur historischen Entwicklung und zur Warenkunde sind sehr gut aufbereitet. Die nachgekochten Rezepte haben sehr überzeugt. Dieses Buch ist ein Muss für den kulinarisch interessierten Zürich-Besucher, aber auch für Kochbuch-Liebhaber, deren Interesse an Zürich nicht gegeben ist, eine schöne Ergänzung der Kochbuch-Sammlung. Besonders interessant finde ich es für Hobbyköche, die sich intensiver mit einzelnen Gewürzen oder Zutaten auseinander setzen möchten. Sie finden hier gute Informationen und schöne Inspirationen.



Bildnachweis: Ariane Bille

Mein Beitrag zur großen Rezensions-Woche der Foodblogger - Jeden Tag ein Buch.

Sonntag, 15. April 2012

Hochgenuß in Zürich: Heiko Nieder, The Restaurant im Dolder Grand

Ich bin ein Osterhase! Nicht immer, nur manchmal. Heuer hat es mich wieder voll erwischt, Geburtstag am Ostersonntag. Als Kind hat mich es immer geärgert, wenn mein Geburtstag auf einen der Osterfeiertage gefallen ist. Begeistert bin ich immer noch nicht, aber diesmal hatten wir so eine schöne Zeit in der Schweiz.

Das Dolder Grand thront wie ein Märchenschloß über Zürich, es ist auch vom See aus deutlich zu erkennen. Das ist ein kleiner Tip: in Zürich immer die Kleine Rundfahrt machen, egal bei welchem Wetter. Vor dem großen Umbau habe ich mir ein Mittagessen im Restaurant gegönnt. Die Atmosphäre war ein bißchen "verstaubt". Danach wurde das Hotel vier Jahre geschlossen und komplett umgebaut.

Nach der Neueröffnung hat Heiko Nieder die Küche übernommen und das mit großem Erfolg. Viele Köche zieht es zu ihm, um bei ihm zu arbeiten und zu lernen.

Wir haben den Abend so sehr genossen. Die Anfahrt mit der Dolderbahn, eine alte Zahnradbahn, ist bereits ein Ereignis. Wir hatten einen wunderbaren Tisch am Fenster, mit Blick auf den See und das Riesenrad am Bürkliplatz leuchtete fröhlich.

Auf die Gluten-Intoleranz von Herrn bushcook wurde vorbildlich geachtet, er bekam eigenes Brot und einige Gänge wurden verändert. Mit großem Genuß haben wir in meinen Geburtstag "hinein" gefeiert.


Radieschen-Meerrettich-Shot, Weizensaft

verbranntes Brot

Aperol Sprizz und Brotchips

Milchhaut mit Erdbeeren

Brotauswahl, gesalzene Butter, Bärlauch-Hüttenkäse-Dip

griechischer Joghurt

Calamari mit Mozzarella

Hummer mit Erdbeeren, Randen, Kapuzinerkresse und Senf

Weisser Spargel mit Brunnenkresse, Ei und Kaviar

Steinbutt Grenobler Art

Entenmastleber mit Curry und Kokonuss

Käse in Tempura mit Morcheln

Rind mit Studentenfutter, Sellerie und Gruyere

Rind mit Studentenfutter, Sellerie und Gruyere

 Weisse Schokolade mit Lardo, Erbsenschoten, geräucherte Peperoni und Minze

Käsekuchen mit Mispel, Sauerampfer und Wacholder

Rhabarber, Milch und Rose

Aloe Vera Sorbet

Waldmeister

Dolderli mit Roter Bete und Pistazie

Fenchel-Knusperli und Orangenbiskuit mit Yuzu
kandierte Tomate mit Jasmin