Mittwoch, 28. Mai 2014

Rezension: H. Schwarzenbach - Das Zürcher Kochbuch

Zürich ist eine meiner Lieblingsstädte. Ich habe aus beruflichen Gründen dort viel Zeit verbracht und viele Lieblingsplätze entdeckt, die ich heute noch gerne bei privaten Besuchen aufsuche. Einer dieser Lieblingsplätze, der immer ganz oben auf der Besuchsliste steht ist der Delikatessenladen Schwarzenbach im Niederdorf. An den beiden Schaufenstern drücke ich mir zuerst lange die Nase platt. Sehr liebevoll werden dort die Produkte präsentiert. Unzählige kleine Teller und Schalen sind dort gefüllt mit Reis, Gewürzen, Nudeln, Trockenfrüchten und und und. Für mich ist das schon mehr eine Ausstellung, da diese Sachen ohne Verpackung gezeigt werden und alles ein eigenes Namensschild hat. Für mich hat es einen besonderen Reiz mehrere Pfeffer- oder Salzsorten genau betrachten zu können. Ich brauche immer ganz lange vor dem Schaufenster, bis ich jedes Detail erfasst habe und mir überlege, was ich mir nach Hause mitbringen könnte.

Mit viel Vorfreude betrete ich dann den Laden und fühle mich ein bißchen wie Pippi Langstrumpf in diesem wunderbaren Bonbonladen. Die alte Einrichtung versetzt mich in eine ganz andere Zeit und dort begreife ich immer die Wörter Kolonialwaren und Gewürzhandel. Aus allen Teilen der Welt kommen die unterschiedlichsten Lebensmittel und haben oft weite Reisen hinter sich. Der Geruch aus diesem bunten Gemisch ist unbeschreiblich.

Viel zu schnell geht die Zeit vorbei, weil man dort sehr kompetent bedient wird. Am liebsten würde ich fragen, ob ich einfach nur ein bisserl dableiben darf. Aber diese Vorliebe haben viele und der kleine Laden würde sonst überquellen. So stille ich meine Sehnsucht gleich nebenan im Teecafé Schwarzenbach und werfe natürlich noch einen Blick auf die Kaffeerösterei, die ein eigenes Schaufenster hat.

Meine Freude war natürlich sehr groß, als ich das Buch H. Schwarzenbach - Das Zürcher Kochbuch vom AT Verlag entdeckt habe.

H. Schwarzenbach - Das Zürcher Kochbuch


Das Haus Schwarzenbach wurde 1864 gegründet und ist bis heute ein Familienunternehmen geblieben, das nun in der 5. Generation von Heini Schwarzenbach geführt wird. Gleich im ersten Kapitel "Die Geschichte des Zürcher Delikatessenhandels seit 1750" erfahren wir die enge Verknüpfung des Traditionshauses mit dem kulinarischen Wandel Zürichs und die wirtschaftliche Entwicklung des städtischen Marktes. Dies wird mit historischen Stichen und Fotos eindrucksvoll untermalt.

Der Rezeptteil macht gut die Hälfte des Buchs aus und verknüpft die Zürcher Küche mit den Produkten von Schwarzenbach. Die Rezepte stammen von den Küchenchefs renommierter Zürcher Restaurants. Da habe ich mich besonders darüber gefreut, weil ich in den meisten dieser Restaurants bereits gegessen habe. Das Buch bietet so ganz nebenbei auch noch einen schönen Überblick über die gepflegte Gastronomie der Stadt.

  • Peter Brunner, Kaiser's Reblaube und Goethe-Stübli
  • Carlo Bernasconi, Cucina e Libri
  • Fabian Fuchs, Equitable - St. Meinrad
  • Rolf Hiltl und Pascal Haag - Hiltl
  • Didi Bruna und Markus Furtner - Didi's Frieden
  • Roman Wyss und Werner Frei - Restaurant Schlüssel
  • René Zimmermann und Ralf Weber - Restaurant Wirtschaft Neumarkt
  • Alain König und Sepp Wimmer - Zunfthaus zur Waag
  • Urs Achermann - Swiss Re Centre for Global Dialogue
  • Ivo Jud - Confiserie Honold

Zu jedem Rezept gibt es ein großformatiges Rezeptbild. Besonders gut gefällt mir der strukturierte Aufbau der Rezepte, bei dem links die Zutaten aufgelistet sind und rechts der dazugehörige Arbeitsschritt steht. Die Rezepte sind gehoben, aber nicht abgehoben. Das sind Gerichte, die man im Alltag genauso gut kochen kann, wie auch für ein schönes Gästemenü. Bei sehr speziellen Zutaten werden bereits Alternativen aufgezeigt. Die schönen Gewürze oder andere "exotische" Zutaten sind natürlich auf das Sortiment von Schwarzenbach abgestimmt, aber auch sehr gut in ähnlichen Geschäften oder im Internet erhältlich.

Im letzten Kapitel finden wir sehr gut aufbereitete Informationen zu den "lokalen und kolonialen Delikatessen Zürichs". Diese Beschreibungen und Fotos gelten natürlich auch ganz allgemein für die aufgeführten Produkte. Abgerundet wird dies mit einem alphabetischen Register nach Zutaten und den zugehörigen Produkten. So kann man gezielt suchen, wenn man ein Rezept für eine besondere Zutat braucht.

Die Auswahl der Rezepte zum Nachkochen ist mir nicht leicht gefallen, da mich sehr viel angesprochen hat und auch gut zu meinen bereits vorhandenen Zutaten gepasst hat. Auf jeden Fall wollte ich endlich einmal den Rapssamen verwenden, den ich mir in Zürich gekauft hatte. Geschmacklich besonders angesprochen hat mich die Kombination aus Wildschwein, Apfel und Rosmarin und ich wollte es einfach gerne probieren. Die letzte Wahl fiel auf ein vegetarisches Gericht aus dem Hiltl, einem vegetarischen Restaurant, das bereits seit über 100 Jahren existiert. Alle drei Rezepte stammen von unterschiedlichen Köchen und waren sehr authentisch. Ich konnte mich gut an die Besuche der jeweiligen Restaurants erinnern. Die Qualität der Rezepttexte ist ausgezeichnet, leicht nachzuvollziehen und alles hat wunderbar funktioniert.


Berberitzen-Reis mit grünen Pistazien

Schweinefilet mit Dörräpfeln und Rosmarin












H. Schwarzenbach - Das Zürcher Kochbuch ist ein sehr aufwändig und liebevoll gestaltetes Kochbuch. Die Informationen zur historischen Entwicklung und zur Warenkunde sind sehr gut aufbereitet. Die nachgekochten Rezepte haben sehr überzeugt. Dieses Buch ist ein Muss für den kulinarisch interessierten Zürich-Besucher, aber auch für Kochbuch-Liebhaber, deren Interesse an Zürich nicht gegeben ist, eine schöne Ergänzung der Kochbuch-Sammlung. Besonders interessant finde ich es für Hobbyköche, die sich intensiver mit einzelnen Gewürzen oder Zutaten auseinander setzen möchten. Sie finden hier gute Informationen und schöne Inspirationen.



Bildnachweis: Ariane Bille

Mein Beitrag zur großen Rezensions-Woche der Foodblogger - Jeden Tag ein Buch.

Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension! Du sprichst mir aus dem Herzen, ich hätte das Buch nicht besser beschreiben können.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. Lieber Andy,

      so ein schönes Kompliment aus Deinem berufenen Munde, da freue ich mich sehr darüber. Danke Dir.

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