Freitag, 16. November 2018

Rezension Alex kocht von Alexander Kumptner

Es geht mittlerweile Hand in Hand, dass ein Spitzenkoch, der regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist, ein Kochbuch mit Rezepten für die gepflegte Alltagsküche veröffentlicht. So nun auch geschehen bei Alexander Kumptner mit seinem ersten Kochbuch "Alex kocht". Ich mag diese Art von Kochbüchern sehr gerne, da sie meinem Anspruch gerecht werden mit vernünftigem Zeitaufwand ein gut schmeckendes Gericht auf den Tisch zu bringen.



Der geborene Wiener, Alexander Kumptner, machte seine Koch-Ausbildung bei Sternekoch Werner Matt im Hilton Vienna Plaza. Danach ging er zum hochdotierten Reinhard Gerer (4 Hauben), der ihn förderte und zum Souschef in seinem Restaurant K47 machte. 2011 wurde er Küchenchef in der Albertina Passage in Wien, wo er sich 15 Punkte Gault Millau und zwei Hauben erkochte. Bei einem Casting des Fernsehsenders ORF wurde er für die Kinderkochsendung "Schmatzo" entdeckt. Seitdem ist er bei "Kerners Köchen" und in der "Küchenschlacht" regelmäßig zu sehen.

Das handliche Format des Buches lädt ein, es mit in die Küche zu nehmen und gleich loszulegen. Dafür spricht auch die kurze, knackige Einführung mit einem Vorwort von Alex, der Auflistung seiner Lieblingszutaten auf einen Blick und einer Erläuterung zu den wichtigsten Küchenhelfern. Danach geht es schon los, mit den Rezepten, die in Kapiteln zusammengefasst sind, die sich an Alltags-Situationen orientieren:
- Snack Attack mit Rezepten für den kleinen Hunger
- Comfort Food, wenn man leichte Gerichte sucht, die trotzdem satt machen
- After Work, wenn man mit wenig Zutaten, nach der Arbeit, schnell etwas kochen möchte
- Happy Weekend, wenn es am Wochenende auch mal etwas aufwändiger sein darf
- Simply delicious steht für Süßspeisen mit bewährten Rezepten von Alexanders Familie

Für jedes Rezept steht eine Doppelseite zur Verfügung und somit ist das ansprechende Rezeptfoto immer gegenüber der Zutatenliste und der Zubereitungsanweisung zu finden. Die Rezepte sind klar und gut strukturiert. Die Erläuterungen sind so detailliert und gut beschrieben, dass auch Hobbyköche mit weniger Erfahrung gut zurecht kommen. Besonders gut gefällt mir der "Knackpunkt". Hier gibt es noch einen zusätzlichen fachlichen Hinweis, auf was besonders zu achten ist. Das ist sozusagen eine Art Kochschule, gleich im passenden Rezept praktisch umgesetzt.

In jedem Rezeptkapitel gibt es auch noch Grundrezepte zu Mayo & Dressing, Tomatensauce & Pesto oder Sidekicks für Desserts bzw. Tipps und Tricks zu Pasta, Gnocchi, "bequeme" Zutaten oder den flüssigen Genuss. Abschließend empfiehlt Alex welche Gerichte man zu verschiedenen Anlässen auf den Tisch bringen kann. Ergänzt wird das Ganze durch ein ausführliches, alphabetisches, Register mit Aufzählung der Rezeptnamen und einzelner Zutaten.

Wer den Alex noch besser kennenlernen will, findet am Ende des Buchs noch seinen Lebenslauf mit liebenswerten Fotos aus seiner Kindheit und Jugendzeit.

Gleich beim ersten Durchblättern hat mir gut gefallen, dass die Rezepte querbeet aus allen Länderküchen der Welt kommen und trotzdem hat man nicht das Gefühl alles schon mal genauso gesehen zu haben. Es ist immer ein überraschender Pfiff dabei, der sofort Lust auf das Ausprobieren macht. Am meisten neugierig war ich auf den Rosenkohl, den ich in dieser Zubereitung noch nie gesehen habe. Für den Wolfsbarsch habe ich mich entschieden, weil er schnell zuzubereiten war und für das Risotto hatte ich gerade einen Kürbis im Garten, der vor dem Frost gerettet werden musste. Die Zubereitung war wirklich schnell und einfach. Geschmeckt hat alles ausgezeichnet. Ich habe schön öfters ein Risotto mit Kürbis mit einer sehr ähnlichen Zubereitung gemacht, aber dieses Rezept hat genau zwei Kleinigkeiten, die den Geschmack wirklich sehr verbessern.

Süßsaure Knusper-Kohlsprossen (Rosenkohl)
Ganzer Wolfsbarsch in Thai-Curry-Sud
Kürbis-Chili-Risotto mit gratiniertem Ziegenkäse






Fazit:
"Alex kocht" von Alexander Kumptner ist ein sehr ansprechendes Kochbuch für die gepflegte Alltagsküche. Die Rezepte lassen sich, auch von weniger erfahrenen Köchen, gut umsetzen und für die meisten Gerichte gibt es die Zutaten in jedem Supermarkt. Für ein paar Rezepte benötigt man spezielle Läden, wie Asia-Markt, Fischhändler, Metzger oder einen der neuen "Edel-Supermärkte". Und für Fans von dem sympathischen Alex ist dieses Buch sowieso ein Muss.

Mittwoch, 14. November 2018

Menü von Wolfgang Müller im Ferienhotel Hohenbogen von Familie Lemberger

So langsam entwickelt sich der Bayerische Wald zu einem kulinarischen Hotspot. Manchmal kommt es mir so vor, dass Menschen, die in der Region leben noch gar nicht gemerkt haben, welche kulinarischen Möglichkeiten Ihnen auch dort geboten werden, wo man es gar nicht vermutet.

So ist es auch mit dem Ferienhotel Hohenbogen, das von Anita Lemberger mit ihrem Sohn Stefan geführt wird. Aufmerksamen Lesern meines Blogs ist der Name Stefan Lemberger vielleicht schon ein paar Mal untergekommen. Kennengelernt haben wir uns, als Stefan noch bei Bernd Arold im Gesellschaftsraum kochte. Wer ein Verständnis für das Netzwerk der Köche hat, dem fällt jetzt ein, dass Bernd vorher bei Stefan Marquard am Bodensee kochte und mit ihm nach München ging. In München gründete Stefan ein Cateringunternehmen, bei dem Lucki Maurer stv. Küchenchef war. Und so lag es natürlich nahe, dass Stefan Lemberger in das Team von Lucki einstieg, da beide sogar aus dem gleichen Ort im bayerischen Wald stammen.

Die Verbindung zu Wolfgang Müller, der gelernter Metzger, Koch und Küchenmeister ist (wo er in der Meisterausbildung Stefan Marquard kennenlernte) liegt nahe, da er ein ausgewiesener Fleischexperte ist. Als Küchenchef der Bühler Höhe war er mit zwei Michelinsternen ausgezeichnet und auch im Berliner Restaurant Horvath konnte er auf Anhieb einen Stern erkochen. Heute widmet er sich mehr dem Thema Fleisch und es ist ein großes Glück, wenn man die Gelegenheit ein Menü von ihm zu essen.

Wem jetzt der Kopf schwirrt, wann?, mit wem? und warum?, dem sei gesagt: "das ist nicht wichtig, wichtig ist es, die Augen offen zu halten und tolle kulinarische Veranstaltungen in seiner Region zu entdecken." So wie dieser Menü-Abend im Ferienhotel Hohenbogen im Bayerischen Wald. Dieser Abend war der Abschluss einer ganzen Reihe mit tollen Menüs und interessanten Gastköchen, darunter auch Bernd Arold.

Wolfgang Müller hat uns mit einem sehr facettenreichen und geschmacklich großartigem Menü verwöhnt. Dazu gab es eine Weinbegleitung mit deutschen und österreichischen Weinen, die den Genuss perfekt abrundete. Es war ein sehr schöner und genussreicher Abend, zu dem auch ganz besonders die Herzlichkeit von Familie Lemberger beigetragen hat.


Brotzeitbrett'l


Kalbstafelspitz | Mirin-Auberginen | Sesam


Blumenkohlsuppe | Saibling Tatar | Holunderkapern | Wasabi


Zander | Muscheln | Safran 


Asiatischer Schweinebauch | Melone | Kohlrabi


Allerlei von der Ente


Dreierlei vom Hirsch


Topfen | Zwetschgen | Walnuss


Stefan Lemberger, Anita Lemberger, Wolfgang Müller (v.l.n.r.)

Montag, 12. November 2018

Jemenitische Gewürzmischung Hawaij aus Basar der Düfte

1999 reisten wir durch den Jemen. Damals war der Bürgerkrieg seit 10 Jahren Geschichte und der Nord- und der Südjemen feierten die Wiedervereinigung nur wenige Monate nach der Bundesrepublik Deutschland mit der DDR. Wir haben uns damals alle unsterblich in dieses schöne Land und seine Menschen verliebt. Wir haben auf dem Land in vielen sehr einfachen Restaurants und bei Einladungen von Einheimischen gegessen und immer eine grandiose Küche erlebt. Hauptsächlich gab es Gemüse und Hülsenfrüchte. Wenig Fleisch, meist war es Huhn und an der Küste natürlich auch Fisch. Immer serviert wurde dazu ein knuspriger Fladen, der in hohen Ofen an der Innenseite der Wände gebacken wurde. Die Aromatik würde ich als eine Mischung aus arabischer und indischer Küche beschreiben.

Trotz dieser vielen schönen Erlebnisse war die Reise durch den Jemen nicht unproblematisch. Es gab Gegenden, wo wir strikt auf einem schmalen Pfad bleiben mussten, weil das Gebiet immer noch vermint war. Alle paar Kilometer passierten wir Straßensperren, wo wir uns ausweisen mussten. In manchen Gebieten konnten wir nur im Konvoi fahren, unter dem Schutz einer Flak auf einem Begleitfahrzeug. Wichtig war immer die Achtung der Stämme und die Einhaltung gewisser Rituale. Unser Reiseleiter war Mitglied des jemenitischen Hochadels und sprach fließend deutsch, da er eine Ausbildung in der DDR gemacht hatte.  Die Verbindung unserer beider Länder war damals sehr intensiv. Die Bundesrepublik Deutschland unterstützte im Rahmen der Entwicklungshilfe sehr intensiv den Nordjemen. Die DDR tat das Gleiche im Südjemen. Wir befuhren perfekt ausgebaute Straßen, mitten in einer sehr bergigen Landschaft. Alle bezahlt und gebaut von den Deutschen. Wir waren im Jemen sehr beliebt und die Leute haben sich immer sichtlich gefreut, wenn wir erzählten, dass wir aus Deutschland kommen.

Sehr traurig haben wir damals den Jemen in dem Bewusstsein verlassen, dass dieses Land untergehen wird. Die wenigen Abauflächen im Jemen wurden fast ausschließlich für den Anbau von Kaffee, Tee und Rauschgift (Kath) verwendet. Ab Mittag war kaum mehr ein erwachsener Mann normal ansprechbar. Alle hatten sich die Backen dick mit diesen Blättern zugestopft und waren berauscht. Kaffee und Tee wurden exportiert. Bereits damals kamen 90 % aller Lebensmittel mit dem Schiff aus dem Ausland. Und dies führt aktuell zu dieser unvorstellbaren Hungerskatastrophe, da es einfach ist den Zugang vom Meer zu sperren.

Seit dem Ausbruch des neuen Bürgerkriegs habe ich immer wieder recherchiert um Meldungen zu finden. Es gab kaum welche. Wer aufmerksam ist, wird auch feststellen, dass es keine Flüchtlinge aus dem Jemen gibt. Die Menschen dort können nicht einmal fliehen und es ist für mich kaum vorstellbar, wie man helfen kann, solange der Krieg andauert.

Es ist schwer, jetzt die Kurve zu einem Rezept für eine Gewürzmischung zu bekommen. Entdeckt habe ich Hawaij in dem wunderschönen Buch "Basar der Düfte" aus dem Knesebeck Verlag. Für meine Rezension (hier der Link) wollte ich eine Gewürzmischung ausprobieren und habe mich für diese entschieden, um wenigstens an dieses Land zu erinnern.

Ich habe im Buch keine Erläuterung zur Aussprache oder zur Bedeutung des Wortes Hawaij gefunden und meine facebook-Kontakte um Hilfe gebeten. Dank meiner Berliner Blog-Freundin Doc Eva, bekam ich einen Kontakt zu Omar, einem Berliner Gastronom, der Muttersprachler ist. Er war so lieb mir zu erklären, dass es "Gewürzmischung" bedeutet und man es "Hawaesch" ausspricht. Er hat mir sogar eine Sprachnachricht mit der genauen Aussprache geschickt. Wenn ich wieder einmal in Berlin bin, möchte ich ihn in seinem Restaurant Cèdre Blanc besuchen.



Hawaij ist eine aromatische und sehr würzige Mischung, die nicht scharf ist. Den Geschmack habe ich gleic wieder erkannt und mich gefreut, dass es so typisch schmeckt. Man kann sie sehr vielfältig verwenden. Sie eignet sich als trockener Rub für Grillfleisch oder zu Schmorfleisch, passt aber auch zu Fisch und Gemüse. Sie wird aber auch über Reis, Suppen und Eintöpfe gestreut. Ich habe sie bereits öfters verwendet, um gedämpfte Kartoffeln zu würzen oder mit Schmand einen würzigen Dip zu machen.


Die Zubereitung ist denkbar einfach und geht sehr schnell. Hawaij ist auch ein schönes kulinarisches Geschenk, vielleicht in Kombination mit einer Gewürzmühle.

2 EL schwarze Pfefferkörner
1 EL Cumin
1 EL Koriander
2 TL grüne Kardamomkapseln
1/2 TL Nelken
1 EL Kurkuma

Die Gewürze (ohne Kurkuma) in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze rösten, bis sie anfangen zu duften. Die Gewürze aus der Pfanne nehmen und abkühlen lassen. Dann in einer Gewürzmühle (ich verwende dafür gerne die neue Mühle von Microplane) mahlen und mit dem Kurkuma mischen.





Samstag, 10. November 2018

Rezension: Basar der Düfte von Caz Hildebrand

Gewürzbücher gibt es einige in meinem Kochbuch-Regal, aber der "Basar der Düfte" ist etwas ganz besonderes. Ich habe eine große Vorliebe für arabische Ornamente und diese sind hier reichlich zu finden. Die Idee für dieses Buch hatte die Autorin, da sie die Werke aus Owen Jones' Standardwerk "Grammatik der Ornamente" den Gewürzen zuordnen und damit eine neue Betrachtung ermöglichen wollte. Dies ist ihr sehr gelungen, beim Durchblättern des Buches entdecke ich immer neue Assoziationen zwischen Gewürz und Ornament.


Caz Hildebrand lebt in London und ist dort Creative Partner einer großen Agentur für Produktdesign. In diesem Stil sind bereits ein Kochbuch über Kräuter und eines über Pasta erschienen. Sie gestaltet Kochbücher von Nigella Lawson und Yotam Ottolenghi.

Im Mittelpunkt des Buches steht die Vorstellung der einzelnen Gewürze. Dafür werden 3/4 aller Buchseiten genutzt. Die Auflistung erfolgt alphabetisch nach dem wissenschaftlichen Namen. Das macht die Suche nach einem bestimmten Gewürz etwas schwierig. Hilfreich ist die Inhaltsangabe, gleich auf den ersten Seiten, die zugleich eine Übersicht mit dem wissenschaftlichen und gebräuchlichen Namen der Gewürze ist.

Jedem Gewürz ist eine Doppelseite gewidmet. Wobei auf einer Seite die schönen Ornamente abgebildet sind. Anfangs habe ich überlegt, ob ich nicht ein Foto des Gewürzes bevorzugt hätte. Je länger ich mich mit dem Buch beschäftigt habe, desto weniger haben mir die Fotos gefehlt und desto lieber waren mir die Ornamente. Die einfach schöner anzuschauen sind und die das Nachdenken über das Gewürz anregen. Dazu gibt es auf der Textseite des Gewürzes immer einen kleinen Hinweis, weshalb die Autorin dieses Bild mit dem Gewürz kombiniert hat und das ist sehr treffend.

Die Infomationen über die Gewürze sind knapp gehalten und sehr prägnant. Neben dem einseitigen Text finden sich am Rand noch Hinweise wozu dieses Gewürz passt, wo es herkommt und was man damit ausprobieren sollte. Obwohl ich viel orientalisch koche und ausgiebig Gewürze verwende, habe ich in diesem Buch noch einiges entdeckt, was mir neu war, wie Charoli oder Zitwer.

Im Anschluss finden sich einige Rezepte für Gewürzmischungen. Da sind natürlich bekannte Mischungen, wie Curry, Ras el Hanout oder Quatre Épices dabei, aber auch Mischungen, die man nicht an jeder Ecke findet, wie Chmeli Suneli oder Recado Rojo. Diese Rezepte sind kurz und bündig, mit der Zutatenliste und der Beschreibung der Zubereitung. Zusätzlich gibt es noch Informationen, für was man die Gewürzmischung verwenden kann. Selbstverständlich haben auch die Gewürzmischungen ein eigenes Ornament, das als Band am Rand der Seite verläuft. Mir hat gut gefallen, dass von der jeweiligen Mischung eine übersichtliche Menge hergestellt wird und man sie somit auch in absehbarer Zeit aufbrauchen kann.

Für diese Rezension habe ich mich für eine unbekanntere Gewürzmischung entschieden und die jemenitische Mischung Hawaij ausprobiert. Das hat bestens funktioniert und mich sehr an meine Reise durch den Jemen erinnert.

Link zum Rezept von Hawaij



















Abschließend gibt es noch Listen über die Verwendung von Gewürzen in Kombination mit Obst oder Gemüse, Gewürzen nach Landesküche, Gewürzen nach Verwendung des Pflanzenteils, nach Geschmack, für das Wohlbefinden, für die Vorratskammer und einiges mehr.

Fazit:
"Basar der Düfte" ist ein sehr schönes Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt. Gewürzliebhabern kann man damit sicher eine große Freude machen. Es ist für Kochneulinge genauso geeignet, wie für ambitionierte Hobbyköche, wenn man sich mit der Welt der Gewürze vertraut machen möchte.

Donnerstag, 8. November 2018

Menü von Lucki Maurer, Weinbegleitung von Justin Leone im STOI

Unter dem Motto "Ausnahmeköche im STOI" kochen in dem kleinen, aber feinen, Pop-Up-Restaurant von Lucki Maurer Spitzenköche, die kein eigenes Restaurant mehr führen. Da wurde es höchste Zeit, dass Lucki mit seiner Mannschaft ein eigenes Menü serviert. Auch ohne einen konkreten Anlass wäre das eine Veranstaltung nach meinem Geschmack gewesen.

Aber, Lucki wäre nicht Lucki, wenn er nicht einen Ausnahmegastronomen zu Gast hätte. Es ist ihm gelungen den Rockstar unter den Sommeliers in den tiefen bayerischen Wald zu locken. Der gebürtige Kanadier Justin Leone hat seine Liebe zu Wein entdeckt, als er neben seiner Laufbahn als Musiker noch kellnerte. Nach seinem Selbststudium und einem Aufenthalt im Burgund wurde er Sommelier im 3-Sterne-Restaurant "Alinea" von Grant Achatz. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung holte ihn Felix Eichbauer 2011 ins Münchner Restaurant Tantris, als Nachfolger von Paula Bosch. Einem breiteren Publikum wurde er bekannt als Juror der Kochsendung "Masterchef". Mittlerweile hat er sein erstes Buch "Just Wine. Weinwissen ohne Bullshit" veröffentlicht und bereitet sich auf die Eröffnung einer eigenen Weinbar in München vor.

Aufgewachsen ist Justin Leone in Chicago und, wie bereits erwähnt, begann dort im Alinea seine berufliche Karriere als Sommelier. Da lag es natürlich nah, ein amerikanisches Menü zu servieren. Uns hat es sehr viel Spaß gemacht, zu sehen, wie aus amerikanischen Klassiker ein fine-dining-Menü wurde. Dazu begeisterte Justin uns mit seiner Weinbegleitung. Und wir stellten fest, dass wir bisher nur sehr selten die Gelegenheit hatten gereifte Weine aus Übersee und in dieser Qualität zu probieren. Das war ein toller Abend, der großen Spaß gemacht hat und eigentlich einmal wiederholt werden sollte.


Gute Vorbereitung ist auch in der Vinothek wichtig, damit der Rotwein perfekt an den Tisch kommt.

Die Weinbegleitung von Justin Leone hat uns sehr gut gefallen. Der Schwerpunkt lag auf Weinen aus Übersee,
die bereits gereift waren und vermutlich nicht an jeder Ecke zu bekommen sind.

Starter im amerikanischen Stil mit Burger, Hot Dog und Pastrami Sandwich - alles in Mini versteht sich.

Gedämpfte Auster "Eastcoast Style"

Clam Chowder
Jakobsmuschel | Vongole

Tristan Island Lobster

Iberico | Secreto | Aprikose | Fenchel

Blueberry Sorbet


Dry Aged Black Angus | Mais | Nussbutterstampf

Lucki Maurer beim Anrichten

Stilton & Radiccio

New York Cheesecake in Texturen
by Véronique Witzigmann

Dienstag, 6. November 2018

Menü von Hans Stefan Steinheuer in Heppingen an der Ahr

So langsam näherte sich unsere kulinarische Reise (Link zur Übersicht) dem Ende. Letztes Jahr war ich eingeladen, bei der Kochbuch-Produktion von "Unsere Wurzeln" dabei zu sein und erlebte einen tollen kulinarischen Tag und ein wunderbares Menü. In solchen Momenten vermisse ich immer meinen Mann und deshalb wollte ich unbedingt, dass auch er diese schöne Küche kennen lernen kann. Es hat sich angeboten, nach dem Besuch in Sinzig ein kleines Stück tiefer in das Ahrtal zu fahren und bei Steinheuers zu Gast zu sein.

Ich schaffe es kaum Münchner Sterne-Restaurants innerhalb eines Jahres zu besuchen. Dabei ist es sehr interessant in regelmäßigen Abständen das gleiche Restaurant zu besuchen, um eine Entwicklung mitzuerleben und manche Gerichte auch erst beim zweiten Mal zu verstehen. Diesmal ist mir das gelungen und ich habe mich sehr über die Reiswaffel mit Büsumer Krabben gefreut, die ich, genauso wie die Gewürz-Zwetschge, zum zweiten Mal essen durfte. Sie hatte viele Elemente, die gleich waren. Neu war der Sud und so manche Kleinigkeit. Mir ist klar, wie ausgefeilt solche Gerichte in einem Restaurant mit einer Bewertung von zwei Sternen sind und trotzdem gibt es keinen Stillstand und man arbeitet weiter daran.

Eine schöne Erinnerung war auch der Gang mit den Bohnen. Letztes Jahr hat mir Herr Steinheuer fünf Ahrbohnen, eine heimische Art, geschenkt. Wir haben sie in unserem kleinen Garten eingesetzt und sie haben sich prächtig entwickelt. Wir konnten eine ganze Schüssel davon ernten und ein paar Bohnen für das nächste Jahr aufheben.

Reiswaffel mit Büsumer Krabben
Rote Bete Tapiokachip mit Matjes und Crème fraîche
Tartelett vom gebeizten Lachs mit geräuchertem Selleriepüree und Felchenkaviar
Heppinger Tomate mit Laacher See-Aal

Gänseleber mit Mais und Erdnuss

Gelbflossenmakrele und Thunfisch-Praline mit weißem Soja und Rettich

Süß-saure Bohnen mit Blauen Kartoffeln in fermentiertem Bohnensaft

Rochen in Nussbutter mit Kapern und Lauch

Froschschenkel mit Süßkartoffeln, Radiccio mit Chiasamen

Kalbsbries mit weißem Alba Trüffel und Steinpilz-Maccaroni

Eifler Lammrücken und Leber mit Artischocken und Bohnen

Gorgonzola mit Ahrtaler Feigen, Feigenbalsamico und Buchweizen

Pfirsich Verveine Bellini

Gewürz-Zwetschge

Patisserie: Geeister exotischer Kußmund, Passionsfruchtpraline
Kokos-Macaron, Ananas-Paté de Fruits, Mango-Kokos-Krustenpraline

Sonntag, 4. November 2018

Trüffelmenü von Jean-Marie Dumaine im Vieux Sinzig an der Ahr

Wenn man den ganzen Tag von und über Trüffel spricht, dann weckt das doch den Appetit etwas mehr Trüffel zu essen. So gab es nach dem Trüffelsymposium (Link zum Detailbericht) die schöne Gelegenheit bei Jean-Marie Dumaine, der auch der Vorsitzende des Ahrtrüffel e.V. ist, ein Trüffelmenü zu essen. In seinem Restaurant "Vieux Sinzig" servierte er den Gästen ein Menü, bei dem verschiedene Trüffelsorten zum Einsatz kamen, damit man ganz bewusst den geschmacklichen Unterschied erleben kann. Besonders deutlich konnten wir das bei Tuber mesentericum, dem chinesischen Trüffel, schmecken. Der schmeckt eigentlich nach Nichts und wird leider oft mit künstlichem Trüffelöl aromatisiert. Dann sollte man doch lieber weniger Trüffel essen und stattdessen einen wohlschmeckenden, wie er für die anderen Gerichte verwendet wurde.

Dieser wunderbare Tag rund um den Trüffel zählte zu den Highlights unserer kulinarischen Reise (Link zur Übersicht).

Gedeck - noch ohne Trüffel

Trüffelcarpaccio mit Blumenkohl und Ackersenfblättern
(Tuber mesentericum)

Trüffelcarpaccio mit Blumenkohl und Ackersenfblättern
(Tuber mesentericum)

Paul Bocuse Trüffelsuppe "VGE" mit Blätterteig-Haube
(Tuber Rufum)

Wels mit Pastinaken, schwarzer Rettich und Trüffel
(Himalaya Trüffel)

Wildschwein mit Butternutkürbis, Limetten und Trüffel, Kartoffelschaum mit Trüffel
(Burgunder Trüffel)

Getrüffelter Camambert, Champignons und Spitzwegerichknospen
(Bagnoli-Trüffel)

Trüffel

Joghurtcrème mit Trüffelkaramell, Truffièrehonig und Haselnussgebäck
(Burgunder Trüffel)