Donnerstag, 19. Mai 2016

Landpartie ins Hohenloher Land

Deutschland ist nicht nur für seine Brot-Spezialitäten weltweit bekannt, sondern auch für seine Wurst. Das passt schließlich gut zusammen. Für gute Wurst braucht es gutes Fleisch, gute Gewürze und einen ehrlichen Metzger, der sein Handwerk versteht. Solche Wurst ist heute leider nicht mehr so einfach zu bekommen. Die immer beliebter werdende vegetarische Wurst ist keine Alternative zu schlechter Industriewurst, sondern die gleiche schlechte Industriewurst, nur ohne Fleisch.

Eine Alternative sind Metzger, wie Martin Seefried aus dem fränkischen Abenberg. In dem kleinen Ort, in der Nähe von Nürnberg, steht seine Metzgerei. Eine Metzgerei, wie man sie von früher kennt, mit selbstgemachten Spezialitäten. Da ist er bei den traditionellen Handwerks-Methoden geblieben, beim Verkauf hat er neue Wege gehen müssen. Leider werden gute Wurst und gutes Fleisch immer weniger gekauft und solche Metzgereien in kleinen Orten sind von der Schließung bedroht. Martin hat sich entschlossen, seine hochwertigen Produkte online zu verkaufen. Unter fleischlust.com betreibt er einen Online-Shop für Wurst und Fleisch. Er möchte transparent für seine Kunden sein und hat deshalb zu einem Ausflug ins Hohenloher Land, von wo er sein Fleisch bezieht, eingeladen.


Stilvoll und köstlich ging es los. Wir fuhren in diesem schönen Oldtimerbus, in dem man sitzt, wie in einem Fernsehsessel und wurden von Martins Frau Conny während der Fahrt mit einer feinen Brotzeit verwöhnt. Da passte einfach alles zusammen. Das Wetter spielte mit und die Fahrt durch die schöne fränkische Landschaft war ein Hochgenuss. Ziel unserer Fahrt war die "Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall" in Hohenlohe.


Dort erwartete uns der BESH-Gründer Rudolf Bühler. Er setzte sich dafür ein, dass alte Schweinesorten wieder gezüchtet werden. Mit seiner Idee konnte er Bauern überzeugen. Es genügte nicht, das Interesse der Züchter zu wecken, das Fleisch musste auch vermarktet werden. So gründete er BESH und diesem Engagement verdankt das Schwäbisch-Hällische Schwein heute seinen Fortbestand. Alte Nutztierrassen können nur erhalten werden, wenn sie auch gegessen werden. Diese Erkenntnis vermittelt auch Jens Mecklenburg in seinem Buch "Raritäten von der Weide", das ich hier vorgestellt habe.

Im Regionalmarkt Hohenlohe findet man Fleisch und Wurst vom Schwäbisch Hällischen, regionale Produkte und das normale Sortiment eines Supermarkts. Zusätzlich gibt es eine große Gastronomie, wo man hauptsächlich gut bürgerliche Gerichte mit Schweinefleisch bekommen kann. Das Freigelände beherbergt einen Kräuter- und Bauerngarten. Ganz in der Nähe befindet sich ein Gehege, wo einige Schweine leben.


Der großzügige Stall ist nach einer Seite offen und die Schweine können jederzeit auf die große Weidefläche. Wie wohl sie sich dort fühlen, kann man sofort sehen. Sie suhlen sich zufrieden im Matsch und sind ganz entspannt, obwohl unsere Gruppe gemeinsam ihr Territorium betritt.

Gemeinsam mit Rudolf Bühler durften wir seinen historischen Hof besuchen. Dort wurde BESH im Jahr 1988 gegründet.


Ursprünglich gab es im Erdgeschoss des Sonnenhofs ein Wirtshaus. Obwohl sich heute dort das Büro befindet, ist das noch deutlich erkennbar. Beide Welten leben in einer charmanten Symbiose miteinander. Der Sonnenhof ist auch die Heimat der Gewürzmanufaktur. Einige Kräuter werden direkt vor Ort angebaut, andere Gewürze kommen aus Sansibar, Indien und Ungarn. Der Besuch des Gewürzlagers ist ein ganz besonderes Erlebnis. Es gibt wenig zu sehen, aber unglaublich viel zu riechen.


Alle Gewürze stammen aus ökologischen Partnerprojekten, bei denen mit den Familien vor Ort direkt zusammen gearbeitet wird und sie deshalb auch gerecht bezahlt werden. Diese Gewürze wandern in die Wurst von Martin Seefried und der Wurst, die im Regionalmarkt Hohenlohe verkauft wird. Leider verwenden Metzger immer mehr fertige Gewürzmischungen, denen auch Mehl zugesetzt wird, um sie günstiger zu machen. Gerade diese versteckten Mehle machen das Leben für Gluten-Allergiker so schwierig.


Zum Abschluss unserer Reise ging es noch zum Schäfer Daniel Voigt, der immer noch als Wanderschäfer unterwegs ist und das in der 7. Generation. Jetzt im Frühjahr hat seine große Herde auch viele Lämmer, die schon von weitem zu hören sind. Das "Mäh" aus so vielen Kehlen habe ich heute noch im Ohr.


Hier sind noch zwei lesenswerte Berichte der Kollegen:
extraprimagood
Nur das gute Zeugs hat noch einen zweiten Bericht geschrieben.

Kommentare:

  1. Danke für diesen wundervollen Bericht, liebe Dorothée. Ich bin schon seit langem begeisterte Online-Kundin von Herrn Seefried und finde, dass man nicht oft genug über solche Genuss-Manufakturen, wo man sorgenfrei einkaufen kann, berichtet.

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    1. Liebe Sabine,
      mit Dir hätte ich hier nicht gerechnet. Um so mehr freut es mich, dass Du Martin schon für Dich entdeckt hast. Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar.

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