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Dienstag, 6. November 2018

Menü von Hans Stefan Steinheuer in Heppingen an der Ahr

So langsam näherte sich unsere kulinarische Reise (Link zur Übersicht) dem Ende. Letztes Jahr war ich eingeladen, bei der Kochbuch-Produktion von "Unsere Wurzeln" dabei zu sein und erlebte einen tollen kulinarischen Tag und ein wunderbares Menü. In solchen Momenten vermisse ich immer meinen Mann und deshalb wollte ich unbedingt, dass auch er diese schöne Küche kennen lernen kann. Es hat sich angeboten, nach dem Besuch in Sinzig ein kleines Stück tiefer in das Ahrtal zu fahren und bei Steinheuers zu Gast zu sein.

Ich schaffe es kaum Münchner Sterne-Restaurants innerhalb eines Jahres zu besuchen. Dabei ist es sehr interessant in regelmäßigen Abständen das gleiche Restaurant zu besuchen, um eine Entwicklung mitzuerleben und manche Gerichte auch erst beim zweiten Mal zu verstehen. Diesmal ist mir das gelungen und ich habe mich sehr über die Reiswaffel mit Büsumer Krabben gefreut, die ich, genauso wie die Gewürz-Zwetschge, zum zweiten Mal essen durfte. Sie hatte viele Elemente, die gleich waren. Neu war der Sud und so manche Kleinigkeit. Mir ist klar, wie ausgefeilt solche Gerichte in einem Restaurant mit einer Bewertung von zwei Sternen sind und trotzdem gibt es keinen Stillstand und man arbeitet weiter daran.

Eine schöne Erinnerung war auch der Gang mit den Bohnen. Letztes Jahr hat mir Herr Steinheuer fünf Ahrbohnen, eine heimische Art, geschenkt. Wir haben sie in unserem kleinen Garten eingesetzt und sie haben sich prächtig entwickelt. Wir konnten eine ganze Schüssel davon ernten und ein paar Bohnen für das nächste Jahr aufheben.

Reiswaffel mit Büsumer Krabben
Rote Bete Tapiokachip mit Matjes und Crème fraîche
Tartelett vom gebeizten Lachs mit geräuchertem Selleriepüree und Felchenkaviar
Heppinger Tomate mit Laacher See-Aal

Gänseleber mit Mais und Erdnuss

Gelbflossenmakrele und Thunfisch-Praline mit weißem Soja und Rettich

Süß-saure Bohnen mit Blauen Kartoffeln in fermentiertem Bohnensaft

Rochen in Nussbutter mit Kapern und Lauch

Froschschenkel mit Süßkartoffeln, Radiccio mit Chiasamen

Kalbsbries mit weißem Alba Trüffel und Steinpilz-Maccaroni

Eifler Lammrücken und Leber mit Artischocken und Bohnen

Gorgonzola mit Ahrtaler Feigen, Feigenbalsamico und Buchweizen

Pfirsich Verveine Bellini

Gewürz-Zwetschge

Patisserie: Geeister exotischer Kußmund, Passionsfruchtpraline
Kokos-Macaron, Ananas-Paté de Fruits, Mango-Kokos-Krustenpraline

Donnerstag, 2. August 2018

Karotte mit Pilzchutney, Aprikose und Haselnuss - Hans-Stefan Steinheuer

Es gibt Geschmackskombinationen, denen begegnet man und dann fragt man sich, weshalb man so viele Jahre warten musste, um das zu schmecken. So ging es mir bei dem Zusammenspiel von Karotten, Haselnüssen und Aprikosen, dass der Spitzenkoch Hans-Stefan Steinheuer zu einem vegetarischen Gericht zusammengefügt und mich sehr begeistert hat. Ich muss dazu sagen, dass ich eine große Haselnuss-Liebe habe. Keine andere Nuss schmeckt mir so gut, wie die Haselnuss.

Streng genommen besteht dieser Hauptgang aus wenigen und sehr einfachen Zutaten. Das erfordert gute Handwerkskunst und Präzision, um die Aromen richtig in Szene zu setzen. Es hat mir unglaublich viel Freude gemacht, dieses Rezept aus dem Kochbuch "Steinheuer: Unsere Wurzeln" auszuprobieren und der Gedanke an die drei wichtigsten Aromengeber hat mich nicht mehr losgelassen.

Meine Rezension zu dem Kochbuch könnt Ihr hier nachlesen.

In meiner Rezension zum Kochbuch habe ich aufmerksam gemacht, dass die Umsetzung von Rezepten, eines mit zwei Michelinsternen bewerteten Restaurants, für kleine Mengen und den "Hausgebrauch" excellent gelungen ist. Es verlangt von dem Hobbykoch, der sich daran versucht, immer noch einige Erfahrung und das hat mich herausgefordert. Es hat mich gereizt, aus den Grundzutaten ein Rezept zu entwickeln, dass in der Aromatik bleibt und sehr einfach umzusetzen ist. Hier ist das Rezept zu finden.

Meiner Meinung nach, ist ein großer Pluspunkt des Kochbuchs auch die exakte Beschreibung der Anrichtweise. Ich habe mich daran versucht, weil ich an solche Aufgaben immer sehr unbelastet gehe. Meine Erfahrung, dass Profiköche die Bemühungen eines Hobbykochs sehr wertschätzen, stärkt mich dabei sehr und ich bin mir über den Unterschied, was die Profis können und was ich kann, sehr bewusst. Beim Anrichten gab es Stolpersteine und deshalb habe ich einen weiteren Teller einfach "frei von der Leber weg" angerichtet, so wie es für mich einfacher war. Was ich damit sagen will? Habt keine Angst vor Rezepten aus der Spitzengastronomie. Probiert es einfach aus. Lasst schwierige Dinge, bei denen ihr die Geräte oder die Zutaten nicht habt, einfach weg. Lasst Euch ein auf Geschmacksbilder, die Spitzenköche entwickeln, und macht Euer eigenes Ding daraus. So könnt Ihr in der Praxis lernen und habt tolles Essen auf dem Teller.

So ist die Anrichtweise der Profis, von mir umgesetzt:



So habe ich die Anrichtweise verändert, damit es für mich einfacher ist:
(Hauptgründe dafür: das Pilzchutney war nicht so schlotzig, dass man es gut zu einer Nocke formen konnte und das Aprikosenpüree war zu fest, dass man es nicht elegant auf den Teller streichen konnte)


für 4 Personen als Vorspeise
(man kann es auch zu zweit als Hauptgang essen)

Aprikosenpüree - Standzeit ca. 2 Stunden
80 gr. Aprikosenpüree (kann man auch selbst machen)
1 gr. Agar
10 ml Aprikosenlikör
Meersalz

Das Aprikosenpüree in einem Topf mit dem Agar verrühren und aufkochen. Dann für ca. 2 Stunden kalt stellen. Anschließend mit einem Stabmixer aufmixen und mit Aprikosenlikör sowie 1 Prise Salz abschmecken.


Haselnuss
15 Haselnusskerne

Den Backofen auf 180 Grad Umluft vorheizen. Die Haselnusskerne auf ein Backblech geben und im Ofen rösten. Auskühlen lassen (falls die Nüsse mit Schale waren, diese abrubbeln) und halbieren.


Karotten - Standzeit 35 Minuten
8 Karotten
Meersalz
70 gr. Butter
200 ml Karottensaft (für selbstgemachten werden ca. 500 gr. Karotten benötigt)

Den Backofen auf 200 Grad Umluft vorheizen. Die Karotten schälen. 6 Karotten mit Salz würzen und mit 50 gr. Butter in Backpapier einwickeln. Im Backofen ca. 22 Minuten garen, anschließend im Backpapier auskühlen lassen. Die Karotten längs halbieren. Das untere und das obere Ende schräg abschneiden und die Karotten auf der Schnittseite anbraten. Falls die Karotten sehr lang sind, können sie auch nochmals quer halbiert werden.

Die restlichen zwei Karotten längs in 2 mm dünne Scheiben schneiden, auf ein Backblech legen und im Ofen bei 100 Grad Umluft etwa 35 Minuten trocknen. Danach mit dem Karottensaft in einen Topf geben und bissfest köcheln. Herausnehmen. Den Karottensaft einkochen und mit der restlichen Butter aufmontieren. Die getrockneten Karotten darin schwenken und zum Anrichten aufrollen. Den Saft auch als Sauce nutzen, dafür warm halten.


Bunte Karotte
1 gelbe oder violette Karotte
Meersalz
1 EL geröstetes Haselnussöl

Die Karotte schälen und schräg in 2 mm dicke Scheiben hobeln. Die Scheiben in Streifen schneiden, mit Salz und Haselnussöl würzen.


Pilzchutney
100 gr. Shiitakepilze
1 kleine Schalotte
10 ml geröstetes Haselnussöl
1 Schuss Weißweinessig
Meersalz
Pfeffer aus der Mühle
1 gr. Steinpilzpulver

Die Pilze putzen, die Stiele entfernen und in 5 mm große Würfel schneiden. Die Schalotte schälen und in sehr feine Würfel schneiden. Die Pilz- und Schalottenwürfel in einer Pfanne im heißen Haselnussöl anschwitzen, mit Sherryessig ablöschen und mit Salz, Pfeffer und Steinpilzpulver würzen.


Haselnusscreme
0,2 gr. Xanthan
50 ml Milch
80 ml geröstetes Haselnussöl
Salz

Xanthan und Milch in einen hohen Rührbecher geben und mit dem Pürierstab aufschlagen. Das Öl langsam einlaufen lassen und währenddessen weiter mixen, sodass eine cremige Masse entsteht. Mit Salz würzen.


Zum Anrichten eine frische Aprikose halbieren, entkernen und in schmale Spalten schneiden.





Montag, 30. Juli 2018

Rezension: Steinheuer - Unsere Wurzeln

Letztes Jahr ging ein großer Wunsch für mich in Erfüllung und ich durfte bei einer Kochbuch-Produktion ein bisserl über die Schulter schauen. Es ging an die Ahr zu Hans Stefan Steinheuer. Wir durften in der Küche dabei sein und wurden von einer herrlichen Auswahl an Salat, Kräuter und Gemüse aus einem benachbarten Garten überrascht. Wir durften gemeinsam mit den Köchen die Amuses anrichten und erleben, wie der Fotograf die Gerichte für das Buch in Szene setzt. Wer es nochmal nachlesen will, findet hier den Link. Bis zum Erscheinen musste ich noch etwas Geduld aufbringen, aber jetzt ist "Steinheuer - Unsere Wurzeln" erhältlich.



Hans Stefan Steinheuer machte seine Kochausbildung im Gut Schwarzenbruch im Rheinland. Als prägend für seinen späteren Kochstil können das Hotel-Restaurant Erbprinz in Ettlingen und die Schweizer Stuben in Wertheim gesehen werden. Dort arbeitete er als Souschef mit Dieter und Jörg Müller zusammen. 1985 ging es, zusammen mit seiner Frau Gabriele, zurück in den elterlichen Betrieb in Bad Neuenahr. Damals war die Alte Post noch ein Landgasthof, doch Hans Stefan Steinheuer etablierte dort eine Gourmet-Küche mit viel Liebe zu den Produkten und den Grundlagen der französischen Küche. Bereits nach einem Jahr wurde er mit dem ersten Michelinstern ausgezeichnet, auf den 1999 der zweite folgte. Er gilt als einer der "Väter" des deutschen Küchenwunders.

Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die erfolgreiche Kombination aus Bewahrung des Alten und Einbringung neuer Ideen weiter geht. Vor drei Jahren hat Christian Binder die Leitung der Küche übernommen. Er kam, nach seiner Ausbildung bei Michael Hoffmann im damaligen Berliner Restaurant Margaux, als Demi-Chef in das Haus. Dort lernte er Désirée, die Tochter von Gabriele und Hans Stefan Steinheuer, kennen und lieben. Gemeinsam gingen sie auf die Lehr- und Wanderjahre, die sie bis nach Shanghai, London und zu Nils Henkel ins Schlosshotel Lerbach brachten. Bestens vorbereitet traten sie dann ihre neuen Aufgaben in Küche und Service an. Damit sind neue Wurzeln gelegt, um die Geschichte dieses besonderen Hauses weiter zu schreiben.

Der Tre Torri Verlag ist einer der wenigen Verlage, der überhaupt noch Kochbücher aus der Spitzen-Gastronomie verlegt. Besonders schön ist, dass sich Verleger Ralf Frenzel von Anfang an Gedanken über das Format gemacht hat. Und so reiht sich dieses Buch, mit seinem großen quadratischen Format und seiner hochwertigen Ausstattung, nathlos in diese Reihe ein. Es mag seltsam klingen, dass für mich die wahre Größe dieses Buchs in der Bescheidenheit der Hauptakteure liegt.

Mit dem Titel "Unsere Wurzeln" verbinde ich Tradition, viel Verbundenheit zur Familie, zur eigenen Geschichte und zur heimatlichen Region, aber auch den Anbau von hochwertigen Lebensmitteln und die perfekte Umsetzung in Gerichte. Alles das hat Platz gefunden, wobei im Fokus die 60 Gerichte stehen. Ich erinnere mich an andere Kochbücher, bei denen ein Drittel bis zur Hälfte der Seiten sich nur um den Koch drehen.

Es genügen wenige Seiten zum Auftakt, um sich in die wechselhafte Geschichte der Region und des Restaurants einzulesen. Das macht man dann auch gerne, weil man schnell im Thema ist und sich dann auf die Rezepte freuen kann. Und da sprechen wir dann von rund 200 Seiten, auf denen es nur um Gerichte geht, wie sie bei Steinheuers den Gästen serviert werden.

Die Rezeptkapitel orientieren sich am klassischen Aufbau der französischen Menüfolge. Auf die Amuses-Gueules folgen die Vorspeisen. Bei den Zwischengängen wird zwischen Vegetarisch, Fisch und Fleisch unterschieden. Alle Hauptgänge sind Fleischgänge, dafür gibt es auch Rezepte für "echte" Käsegänge (keine Käseauswahl) und natürlich Desserts. Wie es sich gehört sind die Fonds, Saucen, etc. in dem eigenen Kapitel Grundrezepte. Vorbildlich ist das Glossar, das sowohl spezielle Zutaten, als auch Küchenfachbegriffe alphabetisch auflistet. Mir fehlt ein alphabetisches Rezeptregister. Zum leichteren Auffinden hätte ich mir eine Liste mit allen Rezeptkomponenten sehr gewünscht.

Den Rezepten hat man Platz gegeben, viel Platz. Für die Amuses, deren Komplexität geringer ist, sind immer zwei Doppelseiten reserviert. Das ist ausreichend für das Foto des Gerichts, die Zutatenliste und die Zubereitungsanweisung. Bei allen anderen Gängen wird das Foto auf einer Doppelseite präsentiert. Ungewöhnlich ist, die Unterlegung des Rezepttitels mit dem Foto. Dadurch wird es schwer leserlich. Die umfangreichen Rezepte brauchen eine Doppelseite, wenn man es so sorgfältig macht, wie hier geschehen. Jede Komponente des Gerichts hat eine eigene Zutatenliste und einen eigenen Rezepttext. Das macht es einfach auch nur einmal eine Komponente auszuprobieren. Um so wichtiger wäre das Rezeptregister gewesen. Jeder Arbeitsschritt ist genau erklärt. Jeder Fachbegriff bzw. jede ungewöhnliche Zutat ist mit einem Stern (Verweis auf das Glossar) gekennzeichnet. Sollten Grundrezepte zum Einsatz kommen, ist gleich die Seitenzahl, auf der das Rezept zu finden ist, angegeben. Bei jedem Gericht ist angegeben, für welche Personenanzahl es gedacht ist. Die angegebenen Mengen passen sogar zu dieser Personenzahl und das ist in Kochbüchern dieser Liga sehr selten.

Eigentlich wollte ich zwei Rezepte für diese Rezension kochen. Auch wenn alles perfekt für den Hobbykoch aufbereitet ist, es handelt sich nicht um Alltagsküche, die in 30 Minuten auf dem Tisch steht. Das ist schon Hobbykochen, bei dem man sich mindestens einen halben Tag damit beschäftigen sollte und diese Zeit habe ich leider nicht gehabt. Ich werde das nachholen, sobald es mir möglich ist. Trotz meines sehr engen zeitlichen Umfelds hat es mir sehr großen Spaß gemacht dieses Gericht zu kochen. Es ging mir leicht von der Hand, es hat alles sehr gut funktioniert und vom Geschmack waren wir sehr begeistert. Und zwar so begeistert, dass ich mir ein einfaches "Alltagsrezept" ausgedacht habe, um die wunderbare Kombination aus Karotte, Aprikose und Haselnuss öfters essen zu können.

Karotte mit Pilzchutney, Aprikose und Haselnuss

















Fazit:
"Steinheuer - Unsere Wurzeln" ist ein sehr sorgfältig gemachtes Kochbuch mit Rezepten aus der Spitzengastronomie. Natürlich ist es für die ambitionierten Hobbyköche und auch für Profiköche sehr geeignet. Als besonders gut geeignet empfinde ich es für Hobbyköche, die schon ein gutes Wissen haben uns jetzt den nächsten Schritt machen möchten und sich einmal an komplexere Gerichte wagen möchten. Aufgrund der ausgezeichneten Beschreibung und der realistischen Mengenangaben, kann man die Rezepte umsetzen, ohne vorher daran "schrauben" zu müssen. Für Liebhaber der Küche von Hans Stefan Steinheuer und Freunde des Hauses ist es ein Muss.

Donnerstag, 21. September 2017

Menü von Hans Stefan Steinheuer im Gourmet-Restaurant "Zur Alten Post"

Diesen Monat durfte ich Hans Stefan Steinheuer im schönen Ahrtal besuchen. Anlass war die Produktion seines neuen Kochbuchs, das bald im Tre Torri Verlag erscheinen wird. Mit ein paar weiteren Foodbloggern hatte ich die einmalige Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen nehmen zu dürfen. Wer den Bericht dazu noch nicht gelesen hat, findet hier den Link.

Im Lauf des sehr interessanten Nachmittags durften wir uns schon Appetit holen und den Köchen über die Schulter schauen, wie sie Gerichte für den Fotografen angerichtet haben. Nach dem Fotografieren wurde das Gericht von allen gemeinsam verspeist. Damit wir noch mehr Einblick und auch etwas zu Essen bekommen, wurden die Grüße aus der Küche und die Amuses bouches direkt am Pass verspeist. Dies zur Erläuterung, wenn sich jemand über die Fotos wundert. Normalerweise werden diese Teller sonst zum Gast an den Tisch gebracht. Ich wollte das Menü gerne komplett vorstellen.

Nach diesem lehrreichen und sehr schmackhaften Einstieg ging es ins Restaurant, wo wir einen ganz besonderen Service hatten. Im laufenden Betrieb ist es einfach nicht möglich, sich auf die Arbeit an einem Kochbuch zu konzentrieren. Dafür nimmt man sich an den Ruhetagen Zeit und so war es auch bei unserer Veranstaltung. Das Team in der Küche wurde sowieso gebraucht, die Mitarbeiter im Service nicht. Also kamen wir auch noch in den Genuss des "Noma-Service", wie Herr Steinheuer augenzwinkernd sagte. Gleich nach dem Anrichten brachten die Köche die Teller direkt zu uns an den Tisch.


Bei diesem Menü hat mir besonders gut gefallen, dass jeder Gang auf wenig Produkte fokussiert war. Man konnte sich auf den ausgezeichneten Geschmack sehr gut konzentrieren und alle Komponenten ausreichend probieren. Gerade in der letzten Zeit ist mir wieder aufgefallen, dass Optik nicht zu Lasten des Geschmacks gewinnen darf. Nicht jeder Teller aus der Spitzengastronomie, der sensationell aussieht, bleibt geschmacklich in Erinnerung. Hier spürte man wieder, mit welcher Sorgfalt die Produkte ausgewählt und zubereitet wurden. Die Gemüse und Kräuter werden, von einem Gärtner in der Nähe, extra für Steinheuers angebaut und entsprechend frisch geliefert. Die Optik der Teller ist sehr schön und für das Auge beruhigend. Man kann auf einen Blick Zutaten erkennen und sich darauf freuen.

Zu so einem schönen Menü darf natürlich die Weinbegleitung nicht fehlen. Die Tochter von Herrn Steinheuer, die als Sommelière tätig ist, hat aus dem gut sortierten Weinkeller das Passende ausgesucht. Auch hier wurde die Regionalität beachtet und es kamen hauptsächlich Weine von der Ahr ins Glas.

Es war ein ganz wunderbarer Abend, für den ich mich ganz besonders bei Familie Steinheuer, dem Küchenchef Christian Binder und dem ganzen Team bedanken möchte.

Reiscracker mit Büsumer Krabben und Limette

Gebeizter Saibling mit Artischocke und Schabziger Klee

Schweinebauch mit Birnenblüten und Oxalis

Heppinger Gurken mit Burrata und Zitrone


Thunfisch mit Tomate und Olive

Gänseleber mit Kaffee und Milch

Wolfsbarsch mit Zucchini, Sepia und Sauce Choron

Rehrücken mit Pfifferlingen, Spitzkohl, Zwiebel und Chorizo

Gewürzzwetschge:

Pralinen

Fotocredit: Christian Lersch
Weinbegleitung:
1998 Rivesaltes Domaine Sarda Malet
2014 Weißburgunder SR Weingut Meyer-Näkel, Ahr
2014 Ahrweiler Rosenthal Edition Steinheuer Weingut Jean Stodden, Ahr
Ahr 6 - Portwein der 6 VDP-Winzer

Montag, 18. September 2017

Ein Blick hinter die Kulissen bei der Produktion des neuen Kochbuchs von Hans Stefan Steinheuer

Vor ein paar Tagen durfte ich einen Blick hinter die Kulissen einer Kochbuch-Produktion werfen. Das hat mich sehr gefreut, da ich immer schon neugierig war, so etwas einmal selbst zu erleben. Auf Einladung des Tre Torri Verlags ging es an die Ahr. Im Ahrtal wird hauptsächlich Rotwein angebaut. Der Fluss Ahr hat sich tief in den Fels gegraben und so die besten Voraussetzungen für hochwertige Weine, die in den Steillagen angebaut werden, geschaffen. Die Region ist nicht nur landschaftlich eine Reise wert, sondern auch kulinarisch.

Seit über 30 Jahren betreibt Hans Stefan Steinheuer dort das Gourmet-Restaurant "Zur Alten Post". Bereits ein Jahr nach der Übernahme des Landgasthofs zeichnete der Guide Michelin seine Kochkunst mit einem Stern aus. Seit 1999 leuchten zwei Sterne über dem Haus und auch der Gault Millau bewertet die Küche mit ausgezeichneten 19 Punkten.


Im Jahr 2008 erschien sein Kochbuch "Harmonie der Aromen", das an Aktualität nichts verloren hat. Hans Stefan Steinheuer und sein damaliger Sommelier stellen in diesem Buch die wichtigsten Aromen von 50 Rebsorten vor und stellen die dazu passenden Gerichte vor. Bei einem perfekten Pairing unterstützen sich Wein und Gericht gegenseitig, um die jeweiligen Aromen bestens zur Geltung kommen zu lassen. Einen Spitzenkoch, in der Liga von Herrn Steinheuer, zeichnet neben seinem enormen Erfahrungsschatz aus, dass er nicht stehen bleibt und sich immer weiter entwickelt. Deshalb wurde es wirklich Zeit, ein neues Kochbuch herauszugeben und somit den Lesern die Möglichkeit zu geben, an seinem Know-How teilzuhaben.


Bei Autoren-Kochbüchern ist es mir immer wichtig, dass die vorgestellten Rezepte so nah wie möglich an dem Original sind, wie sie im Restaurant serviert werden. Ich war sehr neugierig, wie die Zusammenarbeit zwischen der Küche, dem Verlag und dem Fotograf funktioniert. Mit einer kleinen Gruppe Foodbloggern durfte ich erleben, wie die Gerichte in der Küche vorbereitet und angerichtet wurden, um dann vom Fotografen bestens ausgeleuchtet und fotografiert zu werden.


Gleich nach der Begrüßung ging es an den wichtigsten Ort der Kochbuch-Produktion, die Küche. Dort wartete ein unglaublich schöner Anblick auf uns. Über die gesamte Länge des Pass waren Gemüse, Salat und Kräuter aufgebaut. Alles stammte aus einem Garten in der Nähe und wird extra für das Restaurant angebaut. Obwohl ich mich seit Jahren mit alten und seltenen Sorten intensiv beschäftige und einiges auch selbst im Garten habe, kannte ich nicht alles und konnte noch neue Entdeckungen machen. Es war eine Präsentation, die mir das Herz aufgehen ließ und mir wieder bewusst gemacht hat, dass der wahre Luxus in ganz einfachen und natürlichen Dingen liegt.


Auf dem kleinen Bild unten links, sind neben den berühmten steirischen Käferbohnen auch Ahrbohnen zu sehen. Ich war überglücklich, dass ich mir eine Handvoll davon mitnehmen durfte. Die werden gerade getrocknet und dann im Keller gelagert. Bitte drückt mir die Daumen, dass sie nächstes Jahr im Garten aufgehen.


Kochen ist Teamarbeit. Niemand weiß das besser, als so ein erfahrener Koch, wie Hans Stefan Steinheuer. Er schätzt sich sehr glücklich, dass sein Schwiegersohn, Christian Binder, als Küchenchef an seiner Seite steht. Trotz seiner Jugend verfügt er bereits über umfangreiche Erfahrungen in der Sternegastronomie. Er arbeitete bereits mit so renommierten Köchen wie Michael Hofmann und Nils Henkel zusammen. Unter seiner Leitung wurden mit vereinten Kräften die Amuse gueules angerichtet, damit wir sehen konnten, wie aus den vorbereiteten Komponenten ein Gericht entsteht und probieren konnten.


Obwohl ich das nicht zum ersten Mal gesehen habe, war es wieder sehr faszinierend für mich, dass in kürzester Zeit die kleinen Gerichte angerichtet wurden. Die Köche nennen das Mis en Place und das bedeutet, dass alles vorbereitet wird, was vorbereitet werden kann. Kurz vor dem Servieren, oder Schicken, wie es in der Fachsprache heißt, werden die letzten frischen Bausteine fertig gemacht und alles zusammengefügt. Auch das folgt einer Dramaturgie, wie ein Menü immer einen Spannungsbogen bei Geschmack und Zubereitungsmethoden haben sollte. In der kalten Küche läuft das noch sehr entspannt ab. Spannend wird es dann bei den warmen Gerichten, bei denen alle Komponenten in der optimalen Temperatur auf den Teller müssen und beim Gast ankommen sollten. Hier ist es notwendig, dass jeder Handgriff sitzt und alle Köche konzentriert zusammenarbeiten. Wer einmal Gelegenheit hat, das zu beobachten, sollte die Chance ergreifen.


Alles war so perfekt vorbereitet, dass wir Amateure kein Störfaktor waren und bei den letzten Schritten mitarbeiten durften. Es hat alles reibungslos geklappt, aber wir üben uns in Bescheidenheit und dem Verständnis, dass an diesem Tag Ruhetag war und die Gerichte nur für uns zubereitet wurden. Das Tempo in einem Abendservice ist anders und damit würden wir kämpfen, da uns die Routine fehlt. So war es ein rundum gelungenes Erlebnis und wir waren mit uns sehr zufrieden. Wir hatten sehr viel Spaß in der Küche und die Profis standen uns mit Rat und Tat zur Seite. So ganz nebenbei hatten wir auch schon den Einstieg in unser Abendmenü erlebt.


Dann wurde es ernst, die Köche richteten ein Dessert an, das für das Kochbuch fotografiert werden sollte. Dem ganzen Team war es sehr wichtig, dass die Gerichte im Buch so präsentiert werden, wie sie auch im Restaurant den Gästen serviert werden. Dazu gehören auch die eigenen Teller. Das Auge isst einfach mit und ein Gericht kann auf unterschiedlichen Tellern ganz anders wirken. Für die Kochbuch-Präsentation werden ausschließlich Teller verwendet, die auch sonst zum Einsatz kommen. Dabei zählt jedes Detail. Die Teller sollten keine Kratzer oder Fettflecken haben, da dies auf den Fotos zu sehen wäre.

Foodfotografie ist ein spezielles Thema und für mich oft zweischneidig. Ich selbst fotografiere nicht gerne, akzeptiere aber, dass der optische Eindruck wichtig ist. Deshalb bewundere ich die Arbeit von Profi-Fotografen sehr, die nur mit etwas Licht und Spiegeln tolle Effekte erzielen. Sie stellen das Gericht optimal in den Vordergrund. Dafür brauchen sie keine künstlichen Hilfsmittel und jedes Gericht kann hinterher verzehrt werden. Es kommt meinem Geschmack auch entgegen, dass um den Teller kein Besteck, keine Tücher und keine Lebensmittel-Häufchen notwendig sind.

Peter Schulte hat bereits mehrere Bücher für Tre Torri, darunter das Gemüse-Kochbuch von Andree Köthe und Yves Ollech, fotografiert. Er hat den gewünschten Untergrund ausgeleuchtet und sobald der fertige Teller aus der Küche kommt, kann er sofort loslegen. Das ist besonders bei Desserts wichtig, bei denen das Eis nicht zerlaufen darf.


Besonders eindrucksvoll, waren die Erläuterungen des Patissiers. Sein Mis en Place mutet wie ein Baukasten an und so darf man es auch verstehen. Im Vordergrund des vorgestellten Desserts steht die Zwetschge. Dafür hat er eine Masse gekocht, die er in unterschiedlichen Formen gibt, die er alle selbst hergestellt hat. So entstehen für das Auge unterschiedliche Effekte und trotzdem kann der Gast von der Hauptkomponente mehr als nur einen kleinen Löffel essen. Diesen Anspruch kann ich sehr gut nachvollziehen, da es in der Spitzengastronomie modern geworden ist viele, viele kleine Details und Geschmäcker auf den Teller zu bringen. Leider bleibt hinterher keine Erinnerung daran, was man gegessen hat. Es hat mich sehr beeindruckt, mit welcher Akribie jede Kleinigkeit überlegt und vorbereitet war. So entsteht Sicherheit, um Gerichte präzise und schnell zum Gast zu bringen.

Es war ein sehr schöner und lehrreicher Tag. Ich möchte mich ganz herzlich beim Tre Torri Verlag für die schöne Einladung und bei Familie Steinheuer für die warmherzige Gastfreundschaft bedanken. Das genussvolle Menü hat einen eigenen Beitrag verdient. Hier ist der Link zur Vorstellung des Menüs.