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Donnerstag, 2. Februar 2017

Chilindron de cordero con Vino Seco y tomate (In Vino Seco geschmortes Lamm) aus The Taste of Havana

Mit der kubanischen Küche hatte ich bisher kaum Berührungspunkte. Deshalb war ich sehr neugierig darauf und habe mich mit großer Freude durch das Buch "The Taste of Havana" geblättert. Sehr viele Gerichte oder Cocktails machen große Lust auf Sommer und in dieser Jahreszeit werde ich das eine oder andere noch ausprobieren. Auch zwei Rezepte mit Kochbananen haben es mir angetan. Dabei werden größere Stücke frittiert und dann eingedrückt, damit eine Art Körbchen entsteht. Dieses wird dann gefüllt. Auf einfachem Weg ist es mir leider nicht gelungen Kochbananen zu besorgen und so viel meine Auswahl auf ein Schmorgericht.

Das Lammfleisch wird in einer pikant-säuerlichen Sauce geschmort. Das Gemüse verkocht nicht ganz und ist eine schöne Beilage dazu. Zu solchen Saucen essen wir sehr gerne Reis und der war ein passender Begleiter. Besonders angenehm war es für mich, dass die Portion so groß war, dass ich es aufwärmen und ein zweites Mal servieren konnte. Gerade bei einem engen Zeitplan, wie ich ihn im Moment habe, ist so etwas besonders angenehm. Sehr hilfreich war es, dass im Buch Hinweise gegeben werden, wie typische Zutaten ersetzt werden können. Das habe ich an zwei Stellen genutzt.

Meine Rezension zu dem Kochbuch könnt Ihr hier nachlesen.



für 6 Personen

1,5 kg Lammkeule (ohne Knochen)
7 Knoblauchzehen
1 Grapefruit
2 Orangen
2 Limetten
2 TL Cumin
2 TL getrockneter Oregano
50 ml Olivenöl
2 Zwiebeln
1 Handvoll Petersilie
2 rote Paprika
120 ml Marsala
80 ml Weißwein
150 ml passierte Tomaten
30 ml Weißweinessig
1 Lorbeerblatt
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Meersalz

Das Fleisch in einen großen Gefrierbeutel legen. Den Knoblauch schälen und fein würfeln. Grapefruit, Orangen und Limetten auspressen. Den Saft mit Knoblauch, Cumin, Oregano und Olivenöl vermischen und zum Fleisch gießen. Den Beutel verschließen und für 24 Stunden im Kühlschrank marinieren lassen.

Die Zwiebeln schälen und klein würfeln. Die Petersilienblätter abzupfen und in feine Streifen schneiden. Die Paprika halbieren, Strunk entfernen, entkernen und das Fruchtfleisch in Streifen schneiden.

Das Fleisch aus der Marinade nehmen, salzen und rundum scharf in Olivenöl anbraten. Das Fleisch herausheben und dann Zwiebeln, Petersilie, Paprika und die Marinade dazugeben und etwa 3 Minuten anbraten. Mit Pfeffer und Salz würzen. Das Fleisch zurück in den Topf legen.

Marsala, Weißwein, passierte Tomaten, Essig, Lorbeerblatt und mit Wasser auffüllen, bis das Fleisch knapp bedeckt ist. Bei mittlerer Hitze abgedeckt etwa 1 bis 1,5 Stunden köcheln lassen. Sobald das Fleisch zart ist, den Deckel entfernen und die Sauce einkochen, bis sie die gewünschte Konsistenz erreicht hat. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Das Fleisch in Scheiben schneiden und mit Reis servieren.


Zu diesem Schmorgericht passt ein leichter Rotwein. Wir haben dazu einen Dogajolo Toscano Rosso vom toskanischen Weingut Carpineto getrunken. Er schmeckt fruchtig und würzig. Das und die angenehme Säure passen gut zur pikanten Sauce.




Mittwoch, 1. Februar 2017

Rezension:
The Taste of Havana - Die echte kubanische Küche

Länderküchen galt früher mein erster Blick im Bücherladen. Das hat sich inzwischen leider gewandelt, da immer weniger Bücher mit typischer Länderküche erscheinen. Ich habe viele solcher Bücher in meiner Sammlung und früher auch Kochkurse besucht, da ich den typischen Geschmack kennen lernen wollte. Kaum Erfahrung habe ich mit kubanischer Küche, dabei beginnt dieses abgeschottete Land sich für die Welt zu öffnen. Höchste Zeit sich intensiver mit kubanischen Gerichten zu beschäftigen. Bei Fackelträger ist das passende Buch dazu erschienen: "The Taste of Havana" von Lutz Jäkel und Dayami Grasso Toledano.


Der Fotograf Lutz Jäkel hat sich bei Kochbuchliebhabern bereits einen sehr guten Namen mit wunderschönen Büchern zur arabischen Küche gemacht. Zu meinen Lieblingen gehören "Kulinarisches Arabien", "Dubai - New Arabian Cuisine" und "Salibas Welt".

Die Sängerin Dayami Grasso Toledano ist in Havanna geboren und in Europa aufgewachsen. Gemeinsam mit Lutz Jäkel machte sie sich auf eine Reise nach Kuba, zu Freunden und Verwandten, um authentische Rezepte für das Kochbuch zu sammeln.

Und so ist kein reines Kochbuch entstanden, sondern ein Buch das Laune macht darin zu blättern und zu lesen. Mit sehr vielen, großartigen, Fotos lernen wir Menschen und ihren Alltag kennen. Zum Auftakt erfahren wir einiges über Havanna und die kubanische Küche. Die Rezepte sind eingebunden in kleine Kapitel, die einer Person gewidmet sind. Da sind begeisterte Hobbyköche genauso dabei, wie Profiköche mit eigenem Restaurant. Das macht auch die große Vielfalt der Rezepte aus. Mir hat diese Kombination aus Lebensgeschichte und kulinarischen Vorlieben sehr gut gefallen.

Die Rezepte haben den klassischen Aufbau mit Mengenangabe, Zutatenliste, Zubereitungsanweisung und einem Foto auf der Seite gegenüber. Die Rezepttexte sind klar und verständlich beschrieben und das Nachkochen gestaltete sich unkompliziert. Dazu trug auch bei, dass es eine Liste gibt, wie man typische Zutaten ersetzen kann, wenn man sie nicht bekommt. Ein ausführliches alphabetisches Register am Ende des Buchs, lässt jedes Rezept schnell auffinden. Wer Lust bekommen hat, das quirlige kulinarische Leben in Havana kennen zu lernen, für den gibt es auch noch die Adressen der beteiligten Restaurants.

Viele der Gerichte haben bei mir die Sehnsucht nach dem Sommer geweckt. Ich wollte gerne ein Rezept mit Kochbananen ausprobieren, habe aber leider keine bekommen. Das steht noch auf meinter to-do-Liste, genauso wie einige der Cocktails, die mich sehr angesprochen haben. Zur kalten Jahreszeit, in der ich mich mit dem Buch befasst habe, passte sehr gut ein Schmorgericht. Meine Wahl fiel auf ein geschmortes Lamm mit einer pikanten Soße aus Tomaten und Paprika. Dazu gab es Reis. Das hat sich fast von alleine gekocht und ich war froh, um die große Portion und konnte es für ein zweites Mal gut aufwärmen. Geschmeckt hat es uns auch sehr gut. Gerade die herzhafte Sauce hatte es uns besonders angetan.

Chilindron de cordero con Vino Seco y tomate
(In Vino Seco geschmortes Lamm)

















Fazit:
"The Taste of Havana" ist ein Kochbuch das Spaß macht. Wer kubanisches Leben und kubanische Küche kennen will, kann das hier mit tollen Fotos und guten, kurzweiligen, Texten. Ich kann mir das Buch auch gut zur Reisevorbereitung vorstellen.

Freitag, 27. Februar 2015

Gastbeitrag von Christina: Reminiszenz an Kuba

Im Rahmen meiner Blog-Events veröffentliche ich besonders gerne auch Gastbeiträge von Lesern. Dies finde ich eine schöne Möglichkeit, Geschichten und Rezepte zu präsentieren, die sonst nicht veröffentlicht werden.

Die heutige Gastautorin ist Christina, die im Rahmen von "Souvenirs aus der Küche" ihre Erinnerungen an Kuba mit uns teilt und ein besonders edles Rezept für Langustenschwanz mitgebracht hat.


4. Geburtstags-Blog-Event - Souvenirs in der Küche


Vor vielen Jahren auf Kuba lernten wir am Strand von Varadero Juan kennen. Er war plötzlich da, saß neben uns im Sand und war einer der wenigen Einheimischen, der nicht vom Beach Guard vom Strand gejagt wurde. Er erzählte von seinem Leben als Fischer auf Kuba, rauchte unsere Zigaretten und bewachte unsere Wertsachen, wenn wir ins Wasser gingen.

Am fünften oder sechsten Tag unseres Urlaubs saß er irgendwann am Nachmittag wieder neben uns und tat sehr geheimnisvoll. Immer ängstlich um sich schauend, dass auch ja niemand zuhört, bot er uns für 20 US-Dollar in einem Paladar (Privatrestaurant) abseits unseres Hotels ein Langusten-Dinner an. Wir dürften aber mit niemandem darüber sprechen, weil es sich um ein inoffizielles Restaurant ohne Lizenz handelt und er und die Wirtsleute mächtig Ärger bekämen, wenn die Obrigkeit davon erführe. Nach kurzer Überlegung sagten wir zu.

Zwei Tage später führte uns Juan, fröhlich pfeifend auf seinem klapprigen Fahrrad neben uns herradelnd, zu besagtem Restaurant: einer Baracke auf einem Gartengrundstück, das größtenteils betoniert war. Dort stand ein einzelner Tisch, gedeckt mit einem von der Meerluft klebrigen Wachstuch, eine Kerze flackerte im Eierbecher. Das Besteck war zusammengewürfelt. Die Gläser hatten ihre beste Zeit schon lange hinter sich.

Hinter einem Vorhang - dem Eingang zur Baracke, brannte eine gleißend helle Neonleuchte. Kurz nach unserer Ankunft kamen die Wirtsleute hinter dem Vorhang hervor (es war der Teil, der sich Küche nannte und hatte nichts mit dem zu tun, was sich Westeuropäer unter einer Küche vorstellen).
Ein freundliches Ehepaar mittleren Alters, die Haut schwarz wie die Nacht, strahlte uns mit schneeweißen Zähnen und funkelnden Augen an. Sie begrüßten uns sehr herzlich, gerade so, als wären wir schon seit Jahrzehnten Freunde. Wir gingen selbstverständlich davon aus, dass Juan bei uns bleiben würde, doch er zog sich ziemlich schnell diskret mit den Worten zurück, dass man sich am nächsten Tag am Strand wiedersieht.

Auf den einzigen beiden wackeligen Kunststoffstühlen, die irgendwann mal weiß gewesen sein mussten, nahmen wir Platz und schauten uns um. Ein uralter mintfarbener Buick mit platten Reifen und rostigen Felgen war unter einem provisorischen Wellblech-Unterstand geparkt. Überall liefen Hühner herum - auch zwischen unseren Beinen. Ein paar vertrocknete Sträucher rundeten das Gesamtbild ab. Für deutsche Maßstäbe war alles sehr bescheiden - man könnte fast sagen, verwahrlost. So - das war also das Restaurant…
Wir zweifelten, ob das eine gute Entscheidung war…

In der Küche ging es mittlerweile hoch her. Man hörte eifriges Töpfeklappern, zischendes Fett, vernahm spanische Wortfetzen und köstlich riechende Rauchschwaden bahnten sich ihren Weg durch den Vorhang, die sich auch in der Luft ausbreiteten. Nach, wie uns schien, ewigen Zeiten kamen endlich die Wirtsleute mit zwei dampfenden Tellern aus der Küche, die sie mit erwartungsvollen Gesichtern vor uns auf dem Wachstuch platzierten:

Gegrillte Langustenschwänze, Orangen-Aioli, scharfer Mango-Avocado-Salat und Arroz Congri (Moros y Cristianos) mit Sofrito. Ein Gedicht!

Die Nacht war sternenklar, 2-3 Hühner flitzten noch immer auf der Jagd nach Kakerlaken oder anderem Getier über den Betonboden, die Kerze im Eierbecher war fast erloschen.
Wir schwelgten im Genuss.

Eine bessere Languste habe ich nie wieder in meinem Leben gegessen. Es war sicher die ungewöhnliche Atmosphäre, die ihren Teil zu diesem Erlebnis beitrug. Aber diese schönen, bizarren Momente in einem kubanischen, betonierten Garten bei sternenklarer Nacht, mit abgerocktem Buick neben dem Esstisch, Hühnern, Kerze im Eierbecher und klebrigem Wachstuch werde ich nie vergessen.

Seither ist die Languste, deren Verzehr ich bis zu diesem Zeitpunkt immer abgelehnt hatte, zu einem festen Bestandteil in meiner Küche geworden, die ich zu besonderen Anlässen gerne auftische.





Langustenschwanz: gegrillt.

Orangen-Aioli: Aioli, Orangenzesten, Saft einer Orange.

Mango-Avocado-Salat: Passionsfrucht-Vinaigrette, Chili-Schärfe.

Arroz Congri (Moros y Cristianos): schwarze Bohnen, Lorbeerblatt; Langkornreis, Kokosmilch; grüne Paprika, Zwiebeln, Knoblauch, Olivenöl.

Sofrito: Tomate, rote Paprika, Zwiebel, Knoblauch, Oregano, Olivenöl.


Vielen Dank an Christina für diesen schönen und interessanten Beitrag. Besonders gut gefällt mir das Rezept in seiner Konzentration auf frische Zutaten. Ich glaube, das muss ich unbedingt einmal ausprobieren.