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Donnerstag, 26. April 2018

Gewürzlachs mit Misofond und Rettich aus Rezepte fürs Leben von Douce Steiner

Der Rettich in diesem Gericht war in mehrfacher Hinsicht fast ein Hindernis. Ich habe dieses Rezept in dem aktuellen Kochbuch von Douce Steiner entdeckt und wollte es unbedingt ausprobieren. Dabei habe ich schon bedacht, dass es keine Saison für Rettich war und vertraute darauf, einen Winterrettich zu bekommen. Das ist mir viele Jahre gelungen, aber ausgerechnet diesmal war das Fehlanzeige. Nur mit großer Mühe konnte ich einen normalen Rettich ergattern. Vermutlich lag es auch daran, dass der Rettichgeschmack kaum zum Tragen kam und ich habe mir fest vorgenommen, es im Sommer nochmals zu kochen.

Es ist ein sehr feines Gericht und lässt sich auch einigermaßen einfach nachkochen. Wie gesagt, das größte Hindernis war die Rettichbeschaffung und auch das Entsaften ist etwas mühsam, da ich einen uralten Champion Entsafter (ja, der heißt wirklich so) habe. Der entsaftet sehr wirkunsvoll, ist aber ein großes unhandliches und schweres Gerät. Ich hieve ihn nur ungern aus dem Schrank auf die Arbeitsfläche. Dieses Rezept ist aller Mühen wert.

Meine Rezension zu "Rezepte fürs Leben" ist hier nachzulesen.




Gewürzlachs mit Misofond und Rettich

für 2 Personen

Misofond:
2 Schalotten gewürfelt
2 EL Olivenöl
1 EL Noilly Prat
1/2 L Fischfond
1 Rettich entsaftet
1 Msp Safranpulver
Meersalz
1 Lorbeerblatt
1 TL Misopaste
5 EL Rapsöl

Den Safran mit etwas Salz mörsern und in heißem Wasser lösen. Den Rettich ungeschält in große Stücke schneiden und entsaften. Die Schalotten schälen und fein würfeln.

In einer großen Sauteuse das Olivenöl erhitzen, die Schalottenwürfel anschwitzen und mit Noilly Prat ablöschen. Mit Fischfond und Rettichsaft auffüllen. Die Safranflüssigkeit und das Lorbeerblatt dazugeben. Die Flüssigkeit stark einkochen lassen. Zum Schluss die Misopaste und das Rapsöl mit einem Pürierstab einmixen.


Gewürzlachs:
1/2 Sternanis
1/2 TL Fenchel
1/2 TL Rosa Pfeffer
1/2 TL Anis
2 Nelken
1/2 TL Koriander
1/4 Blatt Lorbeer
1/2 TL Meersalz
1/4 Rettich
200 gr. Lachsfilet
Olivenöl

Alle Gewürze in einer Kaffeemühle zu Pulver mahlen. Das Salz zufügen und nochmals kurz mahlen. Die Mischung auf einen Teller geben.

Den Rettich schälen und in sehr feine Scheiben hobeln.

Das Lachsfilet auf Gräten kontrollieren, die Haut entfernen und in Portionsgrößen schneiden. Die Lachsstücke in der Gewürzmischung wälzen und in einer beschichteten Pfanne mit etwas Olivenöl von allen Seiten leicht anbraten. Herausheben und aufschneiden.

Eine Schale mit dem Rettich auslegen (etwas für die Deko aufheben). Die Lachsstücke auf den Rettich setzen. Den restlichen Rettich kurz in den Misofond tunken und den Lachs damit garnieren. Den Misofond angießen und sofort servieren.




Dienstag, 24. April 2018

Rezension: Rezepte fürs Leben von Douce Steiner

Rezepte fürs Leben: Das Kochbuch für meine Tochter Justine ist das fünfte Kochbuch mit Rezepten von Douce Steiner. Die anderen vier stehen schon lange in meinem Kochbuch-Regal und ich habe auch das eine oder andere Rezept ausprobiert und war immer sehr angetan davon. Vor ein paar Jahren besuchten wir ihr Restaurant. Ihre feinen und eleganten Gerichte haben uns sehr begeistert. Der Rahmen rundherum hat uns leider nicht besonders gut gefallen. Auf ihr neuestes Kochbuch war ich sehr gespannt.


Douce Steiner stammt aus einem gastronomischen Elternhaus. Ihr Vater Hans-Paul Steiner ist Koch und Gastronom und eröffnete 1980 das Hotel und Restaurant "Hirschen" im Schwarzwald. Seine Tochter Douce machte ihre Ausbildung zur Köchin bei ihm. Ein interessantes Detail war für mich, dass Douce Steiner sich bei den großen Köchen der damaligen Zeit (Haeberlin, Witzigmann, Giradet, Ducasse) um eine Ausbildungsstelle beworben hatte. Leider erhielt sie nur Absagen.

Nach der Ausbildung daheim ging sie auf Wanderschaft und konnte endlich bei den großen Namen mitwirken. Ihre Stationen waren Georges Blanc in Vonnas, Schweizer Stuben in Wertheim und die Schwarzwaldstube bei Harald Wohlfahrt, wo sie auch ihren Mann Udo Weiler kennen lernte. Gemeinsam absolvierten sie 1997 die Hotelfachschule in Heidelberg. Ein Jahr später kochten beide im elterlichen Betrieb. 2008 übernahmen sie das Haus und bereits im Jahr 2012 verlieh der Guide Michelin den zweiten Stern. Damit ist Douce Steiner die einzige weibliche Köchin mit dieser Auszeichnung in Deutschland. Die zweite wäre Tanja Grandits, sie kocht aber in der Schweiz.

Das Kochbuch ist der Tochter Justine zu ihrem 18. Geburtstag gewidmet und ein Geschenk. Es beinhaltet Rezepte der Spitzengastronomie aus dem Hirschen, aber auch ganz bodenständige Lieblingsrezepte. "Gewürzt" wird das Ganze mit persönlichen Erzählungen, Briefen und Fotos aus dem Familienalbum. Das macht die Angelegenheit sehr charmant, aber auch etwas schwierig. Ich versuche meine Rezensionen immer aus dem Blickwinkel der passenden Zielgruppe zu schreiben. Die Bandbreite der Rezepte geht von Lasagne bis zu gegrillte blaue Garnele mit Topinamburcreme, Buchweizen und Périgord-Trüffel. Damit wären meine beiden Lieblingskategorien gepflegte Alltagsküche und Spitzenküche in einem Buch abgedeckt.

Bei den Rezepten von Gerichten, wie sie im Hirschen serviert werden, bekommt man eine Ahnung, weshalb die Küche mit zwei Sternen ausgezeichnet ist. Tolle Produkte, große handwerkliche Fähigkeiten und trotzdem sind sie gut strukturiert und beschrieben. Dazu gibt es ein gutes Foto eines perfekt angerichteten Tellers. Das ist eher für einen ambitionierten Hobbykoch geeignet. Die Familienrezepte kommen eher bodenständig daher. Auch das Rezeptbild zeigt eine Anrichtweise, wie wir es ebenfalls daheim machen würden. Bei manchen Rezepten wird auf das Bild verzichtet, da es gar nicht nötig ist - siehe Lasagne.

Die Intension des Buches wurde bei den Kapiteln konsequent umgesetzt. Jedes Kapitel steht unter einem Motto und beginnt mit einer sehr persönlichen Familiengeschichte, die Bezug auf Gerichte nimmt. Danach folgen die dazu passenden Rezepte. Man muss sich auf dieses Buch einlassen und darin lesen, schmökern und sich inspirieren lassen. Wer auf der gezielten Suche nach einem Rezept ist, das er ausprobieren möchte, tut sich schwer. Es gibt keine Unterscheidung nach Vor- oder Hauptspeise bzw. Dessert. Eine kleine Hilfe ist nur das alphabetische Rezeptverzeichnis am Ende des Buchs. Dort wird unterschieden nach Rezepten aus dem Restaurant (ca. 2/3) und Rezepten für zu Hause (ca. 1/3). Einzig den Basisrezepten wurde ein eigenes Kapitel gewidmet.

Beim Nachkochen wollte ich gerne ein Rezept aus dem Restaurant, anstatt einem Familienrezept nachkochen. Das lag auch daran, dass viele der Familienrezepte glutenhaltig waren und ich das meinem Mann nicht servieren kann. Spontan angelacht hat mich eine Kombination aus Lachs, Rettich und Miso. Das Prinzip des Rezepts war mir klar und aufgrund der sehr guten Beschreibung kam ich gut zurecht. Besonders gereizt hat mich, dass der Rettich auf unterschiedliche Art verarbeitet wurde. Grandios war die Gewürzkruste vom Lachs.


Gewürzlachs mit Misofond und Rettich


















Fazit:
Ich bin zwiegespalten. Die Restaurantrezepte in Rezepte fürs Leben: Das Kochbuch für meine Tochter Justine hätte ich mir in einem großformatigen Kochbuch gewünscht, so wie die männlichen Kollegen von Douce Steiner präsentiert werden. Gerade in der letzten Zeit erleben wir viele Diskussionen um die Benachteiligung der berufstätigen Frau und das besonders in der Gastronomie. Ich versuche bewusst nicht in diese Kerbe zu hauen, da ich zuviel Geschrei als kontra-produktiv empfinde. Die Ergänzung der Rezepte aus der Spitzenküche um ganz bodenständige Gerichte und liebevolle Erzählungen und Details aus dem privaten Schatz erscheint mir unpassend. Trotzdem möchte ich respektieren, dass hinter dem Konzept große Wertschätzung und Gefühle stecken. Das Buch ist mehr für den ambitionierten Hobbykoch geeignet, der von der fachlichen Qualität von Douce Steiner profitieren möchte, als für den Gelegenheitskoch, der gelingsichere Rezepte für den Alltag sucht. Ein unbedingtes Muss ist es für Stammgäste des Hauses und Fans.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Ein Besuch bei Douce Steiner im Restaurant Hirschen

Jetzt wird es endlich Zeit, dass ich endlich in meinen kulinarischen Erinnerungen aufräume. Das letzte Jahr war bunt und turbulent. Ich habe viel gekocht und viel erlebt. Da sind einige Berichte für den Blog auf der Halde liegen geblieben. Im September waren wir ein paar Tage im Schwarzwald und haben uns einen kleinen kulinarischen Urlaub gegönnt.

Unsere erste Station war das Restaurant "Hirschen" in Sulzburg im Schwarzwald. Der kleine Ort mit seinen Marktplatz und den hübschen Fachwerk-Häusern hat mich gleich an das nahe Elsass erinnert. Diese Stimmung übertrug sich auch in das Restaurant, das viel französischen Charme hat.

Douce Steiner trat hier in die Fußstapfen ihres Vaters und übernahm das Familienrestaurant. Seit dem Jahr 2012 ist sie mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Ihre Laufbahn begann sie mit der Kochausbildung bei ihrem Vater Hans-Paul Steiner. Danach folgten Stationen bei Georges Blanc in Vonnas, bei den Schweizer Stuben in Wertheim und bei Harald Wohlfahrt in der Schwarzwaldstube in Baiersbronn.

Das neueste Kochbuch von Douce Steiner mit dem Titel "Unsere verrückte Gemüsewelt" ist, meiner Meinung nach, bisher ihr bestes und ich kann es sehr empfehlen. Einen guten Eindruck von den wunderbaren Aromen ihrer Gemüseküche bekamen wir bei dem servierten gefüllten Gemüse. Es gab Champignon mit Olivencreme, Zucchinipäckchen, Artischockenboden mit Avocado, eine frittierte Zucchiniblüte und Tomate mit Mozzarella.

Schade fand ich, dass keine Weinbegleitung zum Menü angeboten wurde. Die Gäste bestellen üblicherweise ganze Flaschen und bei einer Weinbegleitung würden zu viele angebrochene Flaschen übrig bleiben, die dann nur noch in der Küche Verwendung finden könnten, war die Begründung. Auch beim Digestif erlebten wir eine Überraschung, weil wir uns für einen Schladerer-Schnaps aus der edlen Linie entschieden haben. Die Brennerei ist im Nachbarort und wir versuchen immer regionale Produkte in den jeweiligen Restaurants zu bestellen. Unsere Bestellung löste Überraschung aus, weil die Gäste normalerweise keinen Schladerer bestellen, da es diesen auch im Supermarkt gibt. Das war vermutlich wirklich so, da der Korken der Schnapsflasche so trocken war, dass er beim Öffnen zerbrach. Das ist jetzt alles Jammern auf sehr hohem Niveau, aber wir sind in einem der besten Restaurants Deutschlands und die Getränke sollten dem sehr feinen Menü schon ebenbürtig sein.


1 - marinierte Sardine auf Aubergine

2 - Räucherlachs-Tatar


4 - Zanderkissen mit Flusskrebs auf einer pikanten Fenchelmarinade mit Kalbskopf, Estragonschaum

5 - Tranche vom Steinbutt mit Petoncles und confierter Zitrone, Salicornes, Limonenkresse

6 - Kleine gefüllte Gemüse auf einem Coulis von Wildkräutern, Limonenolivenöl, Sauerklee

7 - Seeteufel in grün, Erbsen, Brennnessel, Minze

8 - Sauerrahm, Gurke, Dill

9 - Ein erfrischendes Dessert von Pfirsich, Rose, Himbeere, Basilikum

10 - Frisandises