Posts mit dem Label Nils Henkel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nils Henkel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 16. November 2017

Die große Gala des Guide Michelin zur Verleihung der Sterne 2018

Jedes Jahr verleiht der Guide Michelin seine Sterne. Wer kulinarisch nicht so bewandert ist, der denkt bei Michelin sofort an Autoreifen und das ist richtig. Die Firma Michelin gibt seit 1900 einen Führer für Autofahrer heraus, damit sie sich orientieren können, wo man gut übernachten und essen kann. Dabei bedeutete ein Stern, dass man dort einen Stopp machen könnte. Zwei Sterne lohnt schon einen Umweg und drei Sterne sind es wert, dass man extra dort hinfährt.

Gestern Nacht war der große Moment. In den Babelsberger Filmstudios in Potsdam fand die große Gala statt, bei der die Köche neu ausgezeichnet wurden.



Dem Anlass entsprechend wurde an dem Abend der Sterne-Verleihung ein Gourmet-Menü serviert, bei dem für jeden Gang ein anderer Spitzenkoch verantwortlich zeichnete. Die Auszeichnung mit einem Michelin-Stern hat eine große Bedeutung für die Köche. Sie haben hart gearbeitet und ihr Team immer wieder zu Spitzenleistungen motiviert. Wenn alle diese Anstrengungen mit einem Stern belohnt werden, dann löst sich die Spannung und macht Platz für ein ganz großes Glücksgefühl. Deshalb wird auch in allen Restaurants, die ihre Auszeichnung verteidigen konnten, gebührend gefeiert.

Im Guide Michelin Deutschland 2018 stehen 300 Restaurants. Wer einen Stern neu bekommt, wird zur Gala-Veranstaltung eingeladen. Dieses Jahr bekamen 29 Küchenchefs ihren ersten Stern. Vier schafften es, mit zwei Sternen ausgezeichnet zu werden. Und ein Koch konnte besonders feiern. Jan Hartwig aus dem Restaurant Atelier in München wurde in die illustre Riege der ***-Köche aufgenommen.

Krabbencocktail erhitzt unter einem 1000 Grad heißen Glas
von Daniel Dal-Ben, Tafelspitz 1876

In einem sehr feierlichen Rahmen wurden die Gäste empfangen. Nach dem obligatorischen Roten Teppich und der Fotowand traf man sich bei Champagner und Fingerfood. Veranstaltungen der Gastronomie haben immer einen ganz besonderen Zauber, weil es für die Köche wenig Gelegenheiten gibt, Kollegen persönlich zu treffen und Zeit zu haben, sich mit ihnen auszutauschen. Deshalb ist die Stimmung von der ersten Sekunde an festlich und fröhlich.

Entenleber, Austern von Daniel Dal-Ben

Erstmalig ehrte der Guide Michelin heuer auch Mitarbeiter aus dem Service. Den allerersten Service-Award erhielt Fabrice Kieffer, der charmante Maître aus dem Münchner Restaurant Les Deux. Um so mehr freut es mich, dass wir morgen dort essen werden. Da hatte ich wohl den richtigen Riecher, als ich dieses Restaurant für das Geburtstagsessen von Herrn bushcook ausgewählt habe.




Gestockte Kuhmilch | Spencer Gulf Hiramasa Kingfish | Tomatentee
von Marco Müller, Rutz

Nach der Vorspeise wurden die Küchenchefs auf die Bühne gerufen, die zum ersten Mal den Stern bekommen haben. 29 neu ausgezeichnete Restaurants. Das ist eine stattliche Anzahl und sprengte fast die Bühne, bis alle oben standen. Als ob der Guide Michelin meine Wünsche kannte, wurde mir auch der große Wunsch nach einem neuen Einsterner in München erfüllt. Der ging an Anton Pozeg vom Restaurant Schwarzreiter. Im "Schuhbeck-Imperium" wurden die Sterne sozusagen getauscht. In den Südtiroler Stuben wurde ein Konzeptwechsel vollzogen und dafür Maurice Kriegs vom Restaurant Fine Dining im Boettners neu ausgezeichnet.

Damit kann man in München jetzt unter sechs Restaurants mit einem Stern, vier Restaurants mit zwei Sternen und einem Restaurant mit drei Sternen wählen. Die Situation im Vorjahr, mit je fünf Restaurants mit einem bzw. zwei Sternen erschien mir unglücklich. Und es hat sich leider auch gezeigt, dass sich in München die Fine-Dining-Restaurants nicht halten können. Gerade die haben meist das Zeug dazu, mit einem Stern ausgezeichnet zu werden.




Hummer, Salz & Pfeffer
von Christian Lohse, Fischers Fritz

Bei den neuen Zweisternern schafften es zwei gleich beim ersten Mal, diese zu erreichen. Beide sind erfahrene Spitzenköche und hatten bereits in anderen Restaurants Sterne erkocht. Nils Henkel stand früher mit Dieter Müller im Schloss Lerbach am Herd. Seit diesem Jahr verantwortet er die Küche auf Burg Schwarzenstein in Geisenheim. Für Christian Scharrer vom Schlossgut Weissenhaus in Wangels gilt das ebenso. Bereits an seiner alten Wirkungsstätte in Travemünde war er mit zwei Sternen ausgezeichnet.

Der dritte im Bunde ist Boris Rommel, der die Küche des Le Cerf in Zweiflingen-Friedrichsruhe leitet. Als ganz besondere Leistung müssen die zwei Sterne für Lars Keiling von Keilings Restaurant in Bad Bentheim gesehen werden. Neben ihm steht noch ein Kollege in der Küche und dieses kleine Zwei-Mann-Team hat jetzt zwei Sterne.




Kalb | Topinambur | schwarzer Trüffel
von Tim Raue

Höhepunkt der Veranstaltung war natürlich die Verleihung des dritten Sterns an Jan Hartwig. Alle anderen 10 Restaurants mit drei Sternen wurden bestätigt. Bei zwei Restaurants war das trotzdem etwas ganz Besonderes, obwohl sie sich schon lange mit den drei Sternen schmücken. In der Schwarzwaldstube in Baiersbronn ging Harald Wohlfahrt in den verdienten Ruhestand und Torsten Michel trat seine Nachfolge an. Im Sommer diesen Jahres verstarb Helmut Thieltges ganz überraschend und Clemens Rambichler, sein langjähriger Souschef, musste die Küche übernehmen. Die beiden Nachfolger sind in große Fußstapfen getreten und konnten zeigen, dass sie diese ausfüllen.



Fichte | Rotweinkirschen | Joghurt | Honig | Knäckebrot
von Christian Hümbs, Atelier

Mango-Passionsfrucht-Krusti mit Caraibe Chantilly
Sablé Almonds an Orangen Praliné
Muscovado Montée auf Arabica Knusper
von Ronny Pitzner, CuisineEvent

Es wurde ausgiebig gefeiert und gelacht. Heute stehen alle wieder mit höchster Konzentration in ihren Küchen, um den Gästen einen perfekten Abend zu bereiten. Ab heute geht der Blick zum Guide Michelin 2019, um sich auch nächstes Jahr über die Sterne zu freuen.






Donnerstag, 21. April 2016

Das Genussnetz der Jeunes Restaurateurs

Vernetzung ist das Gebot der Stunde und das gilt besonders für gutes Essen. Wer gerne kocht und genießt, freut sich über Empfehlungen von Gleichgesinnten und, bevor man sich versieht, ist man Teil eines Netzwerks. Was bei Hobbyköchen so nebenbei funktioniert, wird bei Profi-Köchen natürlich viel professioneller organisiert.

Köche leben vom Austausch mit Kollegen. Man inspiriert sich gegenseitig und man hilft sich gegenseitig. Für junge Spitzenköche besteht seit 1991 die Möglichkeit, sich den Jeunes Restaurateurs (JRE) anzuschließen und damit ein Bekenntnis für die innovative deutsche Küche abzulegen. Großer Wert wird auf die Regionalität gelegt. In der Spitzengastronomie ist es üblich, dass jeder Koch mit eigenen Produzenten, bevorzugt aus der Region, eng zusammenarbeitet. Um diese kleinen Netzwerke zu stärken, haben die JRE, unter der Leitung von Alexander Huber, das Genussnetzwerk ins Leben gerufen. So entsteht eine Plattform, auf der kleine Hersteller von nachhaltigen Spitzenprodukte und die Küchenchefs Hand in Hand arbeiten können.

Im Rahmen des 5. Genusslabors der JRE wurde das Genussnetzwerk ins Leben gerufen. Gastgeber und erstes Mitglied war Gerhard Daumüller vom Keltenhof.

Gerhard Daumüller (Keltenhof), Alexander Huber und Andreas Hillejahn
beim Überreichen des ersten Genussnetzschildes

Um die Arbeit der Produzenten und Köche im geeigneten Rahmen zu präsentieren, wurden acht Mitglieder der JRE eingeladen, ein Gericht aus einem Warenkorb zu kochen. Die Warenkörbe stellte Alexander Huber zusammen und forderte einige seiner Kollegen besonders heraus. Dabei denke ich an die Rosenmarmelade zum Waller oder den Graukäse.

Das Genusslabor bot die schöne Gelegenheit, dass jeder Koch sein Gericht und jeder Hersteller sein Produkt vorstellen konnte. Zum Genussnetz gehören auch Winzer und Brauer, die für die Getränkebegleitung sorgten. 

Gebeizte Cristalle Garnele, Olivenölkäse, Super Food Miso, Lupinen von Nils Henkel
Warenkorb: Cristalle Garnelen | Superfood Mix (Keltenhof) | Balsamessig (Pistole) |
Olivenölkäse aus Lesbos (Jordan) | Schwarzwald Miso | Jordan Olivenöl

Schergengruber Wagyu, Kornelkirsche, Fichtenspitze, Pfirsich von Andreas Hillejahn
Warenkorb: Schergengruber Wagyu (Ludwig Maurer) | Konstantinopler Apfelsaft- Quitte &
Weißer Pfirsich Nektar (Obstkelterei Van Nahmen) | 7 Pfeffer Mischung (Reingold)

Poltinger Saibling, Duftreiscreme, Frankfurter grünes Curry, Eisapfelperlen von Michael Kammermeier
Warenkorb: Lachsforelle (Gutshof Polting) | Frankfurter grünes Curry (Reingold) |
Wildkräuter Mix (Keltenhof) | Eisapfel (Jörg Geiger)

Viel Handarbeit ist auf dem Keltenhof notwendig, damit der frisch angelieferte Salat geputzt,
gewaschen, geschleudert und verpackt werden kann.

Ahrenhorster Waller, "Rosen"-Kohl, Apfel, Bete von Benjamin Unger
Warenkorb: Ahrenhorster Waller & Wallerleber (Pistole Hardcore Food) | Rosenaufstriche Wenlock &
Jude the Obscure (Rosenfeines) | Microleafs (Keltenhof) | Apfelbalsam & Sonnenblumenöl Nativ (Byodo)

Gebackener Alztaler Käse, Kürbiskernöleis, Rieser Culatello von Daniel Fehrenbacher
Warenkorb: Alztaler Graukäse & Alztaler Ricotta (Alztaler Hofmolkerei) |
Rieser Culatello (Pistole Hardcore Food Jockels Schinken) | Kernöl (Byodo)

Berkshireschwein Nacken mit Gerstenmiso & Weggle mit Schweinsfüssle, Rote Bete, Kimchi,
Körniger Senf und Frischkäse von Jochen Helfesrieder
Warenkorb: Berkshire Schwein Füße & Nacken (Hofgut Silva) | Mühldorfer Weißbier (Unertl Weißbier) |
Körniger Senf (Byodo) | Alztaler Hüttenkäse (Alztaler Hofmolkerei)

Thomas Merkle und Kollege beim Nachbraten des Lamms

Poltinger Lamm !!! von Thomas Merkle
Warenkorb: Poltinger Lammschulter, Lammbries & Lammleber (Gutshof Polting) |
Schwarzwald Miso | Jordan Olivenöl | Baharat (Reingold) | Tomatenmark (Byodo)

Broccoli "mei liabste weis" von Alexander Huber
Warenkorb: Wilder Broccoli (Keltenhof) | Femmes de Virunga 55% & Piura Porcelana 75% (Original Beans) |
Prisecco Eisapfel (Jörg Geiger ) | Cassis Balsam (Byodo)

Gemeinschaftliches Kartoffelschälen für den Kartoffelsalat zum Abendessen

Mittwoch, 28. September 2011

Vergangenheitsbewältigung: Pure Nature ohne Nature

Manchmal dauert es ja etwas. Manchmal auch etwas länger. Ich wollte immer schon mal Nils Henkels Restaurant Pure Nature besuchen. Im Juli haben wir es dann endlich geschafft. Der Bericht hat sich noch länger gezogen. Da kam dann noch die Zusammenlegung der drei bisherigen Blogs zusammen und dann noch dies und das und überhaupt...

Deshalb gibt es noch immer den Programmpunkt "Vergangenheitsbewältigung", den ich nutze um den "Blogstau" abzuarbeiten.

Der Aufenthalt im Schloßhotel Lerbach war ein traumhaftes Gesamtpaket. Da tragen der große Park, das schöne Haus, die Terrasse bei herrlichem Wetter, die gepflegte Bar und und und sehr dazu bei. Mein Hauptaugenmerk galt natürlich dem Restaurant. Klein, fein - sehr klein, sehr fein. Das geschmackvolle Ambiente hat mich sehr angesprochen. Schöne Einstimmung auf den Abend ist auch die persönliche Begrüßung von Herrn Henkel.

Kleiner Wehrmutstropfen ist meine Schusseligkeit zu vergessen den Blümchen-Modus bei der Kamera wieder einzuschalten. Das ist mir leider erst beim Hauptgang aufgefallen. Wenigstens kann man so einen Eindruck von den Gerichten bekommen.
violette Karotte - Birne, Bohnen, Speck, geräucherter Aal

 
geräucherte Kalbsbacke mit Rote-Bete-Tortellini und Traube, Rote Bete mit Nußsand und Estragonöl, Kabeljau mit Rote Bete und Senfsauce
 

 
Entenleber, Himbeer, Macadamia, grüner Pfeffer

 
Felsenrotbarbe, Sauce Bourride mit Minze, Couscous, Erbsen

 
geräucherter Seesaibling, Holunderkapernvinaigrette, Kressepüree, Saiblingskaviar

 
Bretonischer Hummer, Wassermelone, Zitronenverveine, Piment d‘ Espelette

 
Cremiges Eigelb, Pfifferlinge, Wildkräuter, knuspriger Pancetta

 
Lammrücken, Lavendeljus, confierte Zwiebel, schwarzer Knoblauch

 
Lammkutteln


 
gelierter Engelwurzsud, Johannisbeeren, Moscatosorbet,  Buttermilch

 
Provenceaprikosen, Carameliafondant, Sorbet von Mädesüß


Erdbeer-Rhabarber-Creme mit Thymianstreusel



Pralinen

Hinter dem Restaurant liegt ein wunderbarer alter Garten. Es war Sommer, es war heiß, leider gab es Damen im Restaurant, die nicht einmal eine geöffnete Türe vertrugen. Ich hätte mir gewünscht, daß es auch Tische auf der Terrasse gibt. Der vorbildliche Service erklärte, daß sie Umwelteinflüsse, wie Insekten oder das Auskühlen der Teller bei niedrigen Gartemperaturen nicht handeln könnten. Vorher hatte ich die Philosophie des Restaurants Pure Nature aufmerksam gelesen. Pure Nature ist nicht nur Name, sondern auch Programm. Dies begrüße ich sehr und Nature ist für mich ein Ganzes. Ich hätte auch den Mut für Total Nature gehabt.