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Mittwoch, 7. Dezember 2016

Artischocken mit Saubohnen und Mandeln
aus Meze von Ghillie Basan

In der orientalischen Küche bin ich zuhause und in meiner Kochbuch-Sammlung gibt es viele Kochbücher dazu. Einige habe ich mir direkt aus Afrika mitgebracht. Sicher gibt es da viele Überschneidungen und ähnliche Rezepte und ich freue mich immer, wenn in einem Kochbuch auch unbekanntere Gerichte enthalten sind. Das gilt für das neue Kochbuch "Meze" von Ghillie Basan, erschienen im Hädecke Verlag.

Darin habe ich dieses Rezept entdeckt. So etwas ähnliches habe ich bisher nur ein einziges Mal gegessen und zwar auf Zypern in Limassol. Gegenüber der Markthalle betrieb ein junger Zypriote, der viele Jahre in Wien gelebt hat, ein kleines Restaurant. Er sprach fließend deutsch mit charmanten Wiener Zungenschlag und ich konnte ihm damals das Rezept entlocken. In Erinnerung an diesen wunderbaren Lunch musste ich natürlich dieses Rezept ausprobieren.

Neu waren die Mandeln für mich, die in Kombination mit den Saubohnen sehr gut gepasst haben, und für eine spannende Konsistenz sorgten. Artischocken vertragen ganz gut einen Rotwein und mir kam da der Zufall sehr zur Hilfe. Vor ein paar Wochen war ich bei einer ganz spannenden Verkostung von spanischen Weinen. Beim ersten Schluck wusste ich schon, dass dieser Tempranillo der Bodega Tinedo gerne neben einer Artischocke stehen würde.





für 4 Personen

175 gr. Saubohnen
4 Artischocken
125 ml Olivenöl
1 Zitrone
50 ml Wasser
2 TL Zucker
Meersalz
90 gr. Mandeln
1 kleiner Bund Dill

Die Saubohnen in Salzwasser geben, aufkochen lassen und bei niedriger Temperatur und geschlossenem Topfdeckel für etwas 40 Minuten sanft köcheln lassen. Die Bohnen auf einem Sieb abtropfen lassen und mit kaltem Wasser abschrecken. Die Häutchen entfernen.

Den Saft der Zitrone auspressen. Die Artischocken putzen und die Böden sofort in den Zitronensaft legen. Olivenöl mit Wasser in einen Schmortopf geben und die Artischockenböden mit dem Zitronensaft zugeben. Alles bei geschlossenem Decke für ca. 20 Minuten sanft pochieren. 

In der Zwischenzeit die Mandeln überbrühen und häuten. Den Dill fein hacken.

Zucker, Salz, Bohnen und die Mandeln zu den Artischocken geben und weitere zehn Minuten bei niedriger Temperatur garen lassen, bis die Böden weich sind. Die Hälfte des Dills dazugeben. Den Topf vom Herd ziehen und alles etwas auskühlen lassen.

Die Artischockenböden herausnehmen und auf Teller legen. Die Bohnen-Mandel-Mischung darauf verteilen und mit dem restlichen Dill bestreuen. Das Gericht schmeckt am besten lauwarm.



Dazu Tempranillo 2015 von der Bodega Tinedo. Ich hatte sofort die Assoziation Artischocke dazu und finde, dass auch die Optik des Etiketts diesen Eindruck unterstützt.



Dienstag, 6. Dezember 2016

Rezension: Meze von Ghillie Basan

Die orientalische Küche liebe ich sehr und beschäftige mich seit bald 30 Jahren sehr intensiv damit. In meiner Kochbuch-Sammlung finden sich sehr viele Bücher zu diesem Thema und trotzdem kann ich kaum an einem Buch zu dieser Länderküche vorbei gehen. Im Hädecke Verlag ist kürzlich "Meze" von der renommierten Kochbuch-Autorin Ghillie Basan erschienen.


Ghillie Basan wuchs in Ostafrika und Schottland auf. Sie absolvierte die renommierte Cordon Bleu School in London und arbeitete als Journalistin, Englischlehrerin, Food- und Reiseschriftstellerin. Mittlerweile hat sie mehr als 40 Bücher veröffentlicht und gilt als Expertin für orientalische Küche. Sie hat zwei Kinder und lebt in den schottischen Highlands.

Das handliche Kochbuch konzentriert sich auf das Wesentliche. Nach einer kurzen Einleitung über die Besonderheiten der orientalischen Küche folgen die Grundrezepte, die Gewürzmischungen und Basiszutaten vorstellen.

Für Meze kommen in orientalischen Ländern nahezu unzählige kleine Gerichte, als eine Art Vorspeisen-Buffet, auf den Tisch. Die Vielfalt ergibt sich ganz automatisch, da jeden Tag zwei bis drei der Köstlichkeiten in größerer Menge hergestellt werden. Die arabische Gastfreundschaft ist legendär und verlangt, dass Gäste jederzeit opulent bewirtet werden, auch wenn sie unangekündigt kommen. Nach dem Essen sollte die Tafel so aussehen, als wäre sie unangetastet. Ich empfehle Meze besonders gerne für Einladungen im Sommer und es ist völlig ausreichend, wenn man sich ein paar Gerichte aussucht und anbietet. Die Meze sind in unterschiedlichen Kategorien zusammengefasst:
  • Kalte Meze – Fingerfood, Dips, Salate und gefüllte Gemüse
  • Warme Meze – Dips und Pürees, Gebratene und frittierte Meze, Teigtaschen, Pasteten und Pies
  • Gefüllte Köstlichkeiten, Kebabs und kleine Fleischgerichte, Fische und Meeresfrüchte
  • Süße Meze – süßes Obst und Gemüse, Dessert-Konfekt und Gebäck
  • Digestifs
Zu jedem Rezept gibt es ein Rezeptbild. Manchmal finden sich zwei Gerichte auf einem Bild, dann sind beide Rezepte auf der gegenüber liegenden Seite beschrieben. Gut gefällt mir, dass es auch Fotos gibt, wo viele kleine Schüsselchen mit Meze zu sehen sind. Keine Sorge, alle Rezepte finden sich gleich auf den folgenden Seiten. Die Darstellung folgt dem klassischen und bewährten Schema mit Angabe der Personenzahl, Zutatenliste und Beschreibung der Zubereitung. Obwohl es sich bei Meze um Kleinigkeiten handelt, sind die Rezepte schön ausführlich und verständlich beschrieben. Das Register am Ende des Buches ist eine sehr gelungene Mischung aus Rezepttiteln und Zutaten in alphabetischer Reihenfolge.

Bei der Auswahl eines Rezepts für meine Rezension musste ich nicht lange überlegen. Sofort sind mir die "Artischocken mit Saubohnen und Mandeln" aufgefallen. Etwas ähnliches habe ich vor vielen Jahren in Zypern gegessen und nie vergessen. Die Variante mit den Mandeln war mir neu, aber gerade in Kombination mit den Saubohnen hat das sehr gut gepasst und wunderbar geschmeckt. 

Ich besitze sehr viele Kochbücher zu orientalischen Küche, auch zu speziellen Länderküchen. Viele Gerichte werden flächendeckend in der arabischen Welt zubereitet und unterscheiden sich nur in Nuancen. Deshalb sind in den Kochbüchern auch viele Wiederholungen zu finden. Es ist mir sehr positiv aufgefallen, dass in diesem Kochbuch nicht nur die Klassiker zu finden sind, sondern auch neue, eher unbekannte, Rezepte.

Artischocken mit Saubohnen und Mandeln


















Fazit:
"Meze" von Ghillie Basan ist ein schön gestaltetes Kochbuch mit einer breiten Auswahl bekannter und weniger bekannten Rezepten aus der orientalischen Vorspeisenküche. Es ist für ambitionierte Hobbyköche genauso geeignet, wie für Koch-Anfänger (wobei hier Rezepte, wie das von mir ausprobiert schon ein Herausforderung darstellen). Die Zutaten sind in gut sortierten Supermärkten einfach zu bekommen. Auch in türkischen Supermärkten wird man sehr gut fündig. Angenehm ist auch, dass die Mengenangaben für einen durchschnittlichen deutschen Haushalt passend sind.