Posts mit dem Label Südafrika werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Südafrika werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 26. August 2016

Weinrallye #101 Herzensweine

Vor knapp 10 Jahren wurde die erste Weinrallye ins Leben gerufen. Und diesen Monat findet sie zum 101. Mal statt. Worum geht es bei der Weinrallye? Es geht eigentlich nur um Spaß an der Freude und die Vernetzung von wein-interessierten Menschen. Jeden Monat gibt ein Blog ein Thema rund um Wein vor und lädt zur Weinrally ein. Auch wer keinen Blog betreibt, ist herzlich eingeladen mitzumachen. Sein Artikel wird vom Gastgeber-Blog veröffentlicht.

Die Weinrallye #101 steht unter dem schönen Motto "Herzensweine" und wird vom Blog "Drunkenmonday" veranstaltet. Ich beteilige mich gerne daran, wenn es passt und diesmal hat es super gepasst, weil mir sofort eine Geschichte eingefallen ist.


weinrallye herzensweine drunkenmonday weinblog


Es ist schon ein paar Jahre her, als wir einen guten Freund nach Tanzania begleiteten, um in der Serengeti eine Safari zu machen. Als Reiseveranstalter für Afrika besucht er regelmäßig seine Geschäftspartner, knüpft neue Kontakte und probiert neue Routen aus. Diese sogenannten "Pre-Touren" waren immer sehr spannend und wir durften so manchen Blick hinter die Kulissen werden. Diesmal kam mir eine ganz besondere Aufgabe zu. Für die Gäste auf der exklusiven Zelt-Safari sollte es gute Weine geben. Und die verantwortungsvolle Aufgabe, diese Weine auszusuchen wurde mir übertragen.

Ehrlich gesagt konnte ich mir bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht vorstellen, dass es in Arusha überhaupt einen Weinhändler geben sollte. Doch, es gab einen und er war in einem Gebiet, dass man vielleicht als Gewerbegebiet beschreiben könnte.  Dort war ein Sammelsurium an Hütten und kleinen Werkstätten, in denen Motoren und halb funktionstüchtige Autos zu bestaunen waren. Es war ein heißer Tag und ich war so gar nicht auf eine Weinprobe eingestellt. Wir fragten uns durch und landeten vor einer kleinen Halle mit Wellblechdach. Hatte es draußen gefühlte 40 Grad, hatte es unter dem heißen Dach gefühlte 50 Grad.

Vor mir lagen diverse Weinkarton-Stapel, eine Sortierung konnte ich nicht erkennen. Für mich unterschieden sie sich nur nach hohen und niedrigen Stapeln. Keine einzige Flasche stand bereit für eine Weinprobe, sie waren alle in Kartons verpackt. Vermutlich kaufte man nur Kartons. Unser Freund versuchte nun der anwesenden Mitarbeiterin zu erklären, dass wir gerne eine Weinprobe machen wollten. Ihrem Blick nach zu urteilen, wollte das hier noch nie jemand. Er blieb hartnäckig und erklärte ihr, dass er das mit dem Besitzer des Ladens ausgemacht hat. Ach so, der Chef, ja der Chef ist nicht da, der ist in Zanzibar und sie kann keinen Wein aufmachen.

Mir war inzwischen bewusst, wie Eiweiß denaturiert und ich fühlte mich, wie in einem großen Sous-Vide-Garer. Jetzt konnte nur noch ein Telefonat helfen und der Chef erinnerte sich an die Vereinbarung und stimmte der Weinprobe zu. Zu meinem Erstaunen gab es in dem Laden sogar einen Korkenzieher, aber der Verkäuferin war die Handhabung nicht vertraut. Gut, da konnten wir ja mal aushelfen. Ich war inzwischen wild entschlossen, die Weinprobe zuerst virtuell durchzuführen und versuchte die Anzahl der potentiell zu probierenden Weine deutlich zu reduzieren.

Also lief ich mal die Reihen ab und war sehr froh, dass sich dort auch viele Weine aus Italien und Frankreich befanden. Wir trafen die erste Entscheidung: in Tanzania sollte der Wein wenigstens aus Südafrika kommen. Damit war die erste Hälfte schon mal weg. Verzweifelt versuchte ich mich zu erinnern, welche Weine wir in den letzten Tagen getrunken hatten? Darunter war bisher nichts, was uns geschmeckt hat. Ein paar Weingüter sind mir eingefallen und deren Kartons fielen sofort auch durch das Raster.




Nun kam der große Moment wir stellten einige Flaschen Weißwein nebeneinander und wollten sie öffnen. Halt, Moment! Das geht doch nicht! Die Verkäuferin war sichtlich schockiert. Also, musste wieder das Handy raus und der Chef in Zanzibar angerufen werden. Jetzt klärte sich alles auf und der Korken durfte aus der ersten Flasche. In dem Moment hatte ich das Gefühl, dass ich auf einer riesigen Glühwein-Probe bin. Wir nippten an verschiedenen Weinen, Begeisterung sieht anders aus. Irgendwie musste aber eine Lösung her, da die ersten Safari-Gäste bald ankommen würden. Todesmutig stellte ich mich einer zweiten Runde und meinte bei einem Wein zumindest Potential zu entdecken. Es war ein Chenin Blanc vom Weingut Backsberg aus Paarl in Südafrika.

Die erste Hürde war genommen. Und jetzt wurde es noch ein kleines bisschen schlimmer: Rotweinprobe! Aus reinem Selbstschutz traf ich eine strategische Entscheidung und überredete meine Begleiter nur die Rotweine von Backsberg zu probieren. Zu unserem Glück gab es nur drei verschiedene und wir legten uns, nach einer ganz, ganz schnellen Probe, auf zwei Weine fest. Den Merlot als "Einstiegsrotwein" und den Pumphouse Shiraz für danach.


Nach dem harten Stück Arbeit, fuhren wir ziemlich erleichtert zurück in die Mount Meru Game Lodge. Dort berichteten wir dem Chef von unserem Einkaufserfolg. Er hat sich sehr gefreut und am Abend eine Flasche Klein Babylonstoren mit uns geteilt. Das war sein Lieblingswein und stammte ebenfalls von Backsberg. Er war nur ein paar Tage vor uns bei diesem Weinhändler und hatte ihn aufgekauft.

Ein paar Tage später durften wir "unsere Schätze" dann auf der Safari selbst verkosten und ich war mit der Wahl sehr zufrieden. Wer genau hinsieht, kann auf dem Bild sehen, wie ich die Flaschen für das Abendessen vorbereite, während der Camp-Assistent liebevoll den Tisch deckt. Und auch ein echter bushcook ist endlich mal im Bild.


Wer jetzt Lust verspürt eine Safari in Tanzania zu machen, der wird bei Globetrotter Select bestens beraten. Und ich bestelle immer wieder einmal ein paar Flaschen Backsberg-Wein. Diese Weinrallye hat mich wieder daran erinnert und alleine dafür war es schon ein toller Grund, mitzumachen.



Dienstag, 12. August 2014

Rinderfiletsteaks in Biltong-Koriander-Kruste mit Süßkartoffelstampf

Habt Ihr schon einmal den Begriff Paleo gehört? Das ist ein neues Ernährungskonzept, bei dem man sich an der Ernährung in der Steinzeit orientiert, wie sie vermutlich damals war. Hauptsächlich kommen Fleisch, Fisch, Eier, Obst und Gemüse auf den Teller. Auf Milch, Milchprodukte und Getreide wird komplett verzichtet. Mir erschließt sich das nicht so ganz, da ich grundsätzlich der Meinung bin, die beste Ernährung ist eine gemischte Ernährung aus allem. Und es verwundert mich, da ich in der Sahara Landstriche gesehen habe, die gepflastert waren mit Reibeschalen aus der Steinzeit, die zum Mahlen der Getreidekörner verwendet wurden. Aber die Steinzeit war schließlich sehr lange und der Mensch machte dort unterschiedliche Entwicklungen durch. Nun heißt es wohl: "back to the roots" und wenn ich mir das Leben in der Steinzeit so vorstelle, möchte ich es nicht auf dem Teller haben.

Für jede Ernährungs-Philosophie gilt wohl eine Regel: "Möglichst wenig selber machen!" Das fällt mir schon länger in meinem Bio-Markt auf, wo immer mehr Fertigprodukte (natürlich streng bio!) Einzug halten. Beinahe erschreckend finde ich die Entwicklung bei der veganen Ernährung, die aktuell in einer merkwürdigen Press-Ente aus Tofu und einem Käse aus Cashew gipfelt. Nun also Paleo, hierzu gibt es von Paleo Jerky ein Trockenfleisch von grasgefütterten Rindern aus Schottland, hergestellt nach einem südafrikanischen Rezept. Ich kenne das unter dem Namen Biltong.

Als mir ein Probepaket davon angeboten wurden, kramte ich in meinem Gedächtnis und erinnerte mich, dass es noch so ein unerledigtes südafrikanisches Rezept gab. Ein Rezept für Biltong hatte ich auch, aber an das wollte ich mich nicht heranwagen. Deshalb sagte ich zu, das Fleisch zu probieren und auf meiner kulinarischen to-do-Liste etwas abzuhaken.

Das Biltong ist vakuumverpackt und kam einem großen Kuvert. Vermutlich waren meine Scheiben deshalb etwas gebrochen, für mein Rezept war es egal. Ich brauchte sowieso atomatisiertes Biltong. Geschmacklich war es sehr gut und schön würzig. Es erinnerte an den Geschmack von gereiftem Fleisch nach der Dry Aged-Methode.

Meine Vorfreude auf das ewig schlummernde Rezept stieg. Gefunden hatte ich es gleich in einem meiner Kochbücher und musste beim lesen gleich lachen. So würde ich das heute auf keinen Fall mehr zubereiten, aber diese Kruste aus Biltong hat mich neugierig gemacht und sie ist sogar glutenfrei.

Das Ergebnis greife ich gleich vorweg. Die Kruste war toll und erinnerte ein wenig an eine Pumpernickelkruste. So komisch sich das anhört, klein gehacktes Biltong geröstet ist eine gute Alternative zur Pumpernickelkruste. Oder anders ausgedrückt: Vegetarier ersetzen bei diesem Rezept das Biltong mit Pumpernickel :-).



für 4 Personen

2 Rinderfiletsteaks (ca. 4 cm dick)
Olivenöl
1 TL Koriandersamen
1/2 TL Cumin
1/2 TL schwarze Pfefferkörner
1 getrocknete Chilischote
 Meersalz
50 gr. Biltong

2 Süßkartoffeln - ca. 600 gr.
Meersalz
75 gr. Butter
2 Stiele Koriander

1 kleine Rote Bete
Kohlrabiblätter
Rapsöl
Meersalz

Den Backofen auf 60 Grad vorheizen. Die Steaks parieren und mit wenig Olivenöl rundum einstreichen und in einzeln in Frischhaltefolie wickeln. Auf einem Teller liegend für 60 bis 90 Minuten in den Ofen geben. Die Zeit ist abhängig davon, welchen Gargrad man haben möchte. Wir bevorzugen saignent, dafür reichen 60 Minuten.

In der Zwischenzeit die Süßkartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden. Zusammen mit der Butter bei kleiner Hitze und geschlossenem Topfdeckel weich garen. Zwischendurch leicht salzen. Wenn die Süßkartoffeln weich sind, mit einem Kartoffelstampfer zu Mus verarbeiten.

Die Rote Bete mit einem Sparschäler in feine Streifen schälen, dabei unbedingt Handschuhe tragen - sie färbt sehr stark ab. Rapsöl in einem kleinen Topf erhitzen und zuerst die Kohlrabiblätter darin knusprig frittieren. Das spritzt sehr stark. Die Blätter herausnehmen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen, dabei leicht salzen. Danach die Rote-Bete-Streifen frittieren und ebenfalls auf Küchenkrepp geben und salzen.

Koriander, cumin, Pfeffer und die Chilischote in eine elektrische Kaffeemühle geben und fein mahlen. Den Biltong in kleine Stücke schneiden und diese dann in der Moulinette sehr fein hacken. Biltongbrösel mit Olivenöl zu einer festen Paste rühren.

Die Steaks aus der Frischhaltefolie nehmen, etwas abtupfen und mit Salz und der Gewürzmischung auf beiden Seiten bestreuen. Oben und unten die Biltongkruste fest andrücken. Die Steaks in einer trockenen, beschichteten Pfanne knusprig braten. Beim Wenden vorsichtig darauf achten, dass die Kruste intakt bleibt.

Fleisch in Streifen schneiden und mit Süßkartoffelstampf und der frittierten Garnitur anrichten.




So ein kräftiges Fleischgericht verträgt natürlich auch einen schönen Rotwein. Bei uns kam der Laurento Sangiovese Riserva von Umberto Cesari aus der Emilia Romagna ins Glas. Der trockene Rotwein mit angenehm wenig Tanninen hat uns sehr gut dazu geschmeckt.