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Donnerstag, 6. Oktober 2016

Herbstmenü rund um den Aceto Balsamico di Modena

Balsamico ist im wahrsten Sinne des Wortes heute "in aller Munde". In jedem Supermarkt steht im Essigregal gleich eine ganze Auswahl von unterschiedlichen Sorten. Leider nicht immer in bester Qualität. Vermutlich hat er seinen Siegeszug angetreten, als Tomate-Mozzarella-Basilikum Einzug gehalten hat. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir uns vor über 15 Jahren ein kleines Fläschchen Balsamico aus dem Toskana-Urlaub mitgebracht haben. Der Essig war so ganz anders, als das was wir bisher aus Deutschland kannten. Die Farbe war sehr dunkel, die Konsistenz zähflüssig und der Geschmack wunderbar.

Aceto Balsamico di Modena, wie der korrekte Name lautet, ist eine geschützte Spezialität und stammt aus Modena. Dort wurde 1993 das Consorzio Tutela Aceto Balsamico di Modena (Konsortium zum Schutz des Aceto Balsamico di Modena) gegründet. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die traditionelle Herstellung zu bewahren. 2009 gelang es dem Konsortium das EU-Siegel für geschützte geografische Angabe (g.g.A.) für den Balsamessig zu bekommen.

Der umgangssprachlich verkürzte Begriff Balsamico ist nicht geschützt und so kann mit diesem Namen ein Produkt verkauft werden, das mit dem hochwertigen Essig aus Modena kaum etwas zu tun hat. Wie erkennt man nun den Unterschied?

Der geschützte Aceto Balsamico besteht nur aus gekochtem Traubenmost und einem kleinen Anteil Essig, der anschließend in verschiedenen Holzfässern gelagert wird. Nach drei Jahren im Holzfass spricht man von einem gereiften (ital. invecchiato) Essig.  Die Farbe des Aceto Balsamico di Modena sollte dunkelbraun und satt sein. Der Essig sollte dickflüssig sein wie Honig und das Innere der Flasche überziehen. Auf meinem Foto unten ist das ganz gut zu erkennen. Der Geschmack ist süßsauer und harmonisch und hat einen langen Abgang. Am einfachsten zu erkennen ist es natürlich, wenn die Flasche das blau-gelbe g.g.A.-Siegel trägt. Den 50 Balsamico-Produzenten, die Mitglied im Konsortium sind, ist es zusätzlich gestattet das Siegel des Konsortiums auf dem Etikett abzubilden.

Ein hochwertiger Balsamico hat seinen Preis, aber man kann ihn sehr sparsam und vielfältig einsetzen. Für eine einfache Salatmarinade ist er viel zu schade. Sogar für Desserts ist er geeignet. Der Klassiker ist das Vanilleeis mit Balsamico. Ich wollte ein kleines Menü kochen, um seine Vielfältigkeit zu zeigen. Die Zutaten sollten saisonal und einfach zu bekommen sein. Herausgekommen ist dieses Menü:


Geflammter Ziegenkäse auf Wirsingsalat mit Balsamico-Zwetschgen
*
Balsamicolinsen mit Salsiccia und Kürbis
*
Vanilleeis mit Walnusskrokant und Balsamico





Ziegenfrischkäse lässt sich gut karamellisieren und die Kruste ergibt einen überraschenden Effekt auf dem weichen Käse. Die Balsamico-Zwetschgen kann man schon ein paar Tage im Voraus machen, dann ziehen sie auch noch schön durch. Die Flüssigkeit der Zwetschgen ergibt automatisch das Dressing für den Wirsingsalat.


Geflammter Ziegenkäse auf Wirsingsalat mit Balsamico-Zwetschgen

für 4 Personen

4 Ziegenfrischkäse à 100 gr.
6 EL brauner Zucker

4 Blatt Wirsing
Meersalz
Zucker
1 EL Butter
1 EL Rapsöl
Muskatnuss

500 gr. Zwetschgen
4 EL Aceto Balsamico di Modena
1/2 TL Zimt
1/2 TL schwarzer Pfeffer aus der Mühle

3 EL Pinienkerne

Die Zwetschgen halbieren, den Stein entfernen und mit Salz und Zucker marinieren, bis sie Wasser gezogen haben. Den Balsamico und die Gewürze dazu geben und bei sanfter Hitze schmoren. Die Zwetschgen sollten bissfest bleiben.

Die Pinienkerne in einer trockenen Pfanne goldgelb rösten.

Von den Wirsingblättern den Strunk entfernen, die Blätter halbieren und in schmale Streifen schneiden. Die Streifen mit Salz und Zucker marinieren, bis sie feucht werden. In einer tiefen Pfanne Butter und Rapsöl erhitzen und die Wirsingstreifen durchschwenken. Mit Muskatnuss abschmecken.

Die Ziegenkäse mit dem Zucker bestreuen. Die Oberfläche sollte gleichmäßig bedeckt sein. Dann mit dem Bunsenbrenner abflämmen.

Anrichten:
Wirsingsalat auf den Teller geben, den Ziegenkäse in die Mitte setzen und mit Balsamico-Zwetschgen und Pinienkernen garnieren.

Der zarte Porzellanteller stammt von Birgitta Schrader.


Meiner Meinung nach gibt es viel zu selten Hauptgerichte mit Wurst. Ich mag das sehr gerne und die würzige Salsiccia wird von dem fast schon cremigen Kürbis und den süßsauren Linsen sehr gut ergänzt.



Balsamicolinsen mit Salsiccia und Kürbis

für 4 Personen

200 gr. Belugalinsen
1 Schalotte
4 EL Aceto Balsamico di Modena
400 ml Gemüsefond
1 Lorbeerblatt
1 TL getrockneter Thymian
3 EL Butter
Meersalz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1/2 Bund Petersilie

1/4 Hokkaido-Kürbis
Meersalz
Butter
gemahlener Chili

4 Salsiccia
Rapsöl

Die Schalotte sehr fein würfeln und in 2 EL Butter anschwitzen. Die Linsen dazu geben und unter rühren anbraten. Mit der Brühe aufgießen. Die Linsen sollten mit der Flüssigkeit bedeckt sein. Thymian und Lorbeerblatt zugeben und die Linsen in etwa 30 Minuten bissfest kochen. Die Hitze reduzieren und die Linsen mit der restlichen Butter etwas binden und mit Balsamico, Salz und Pfeffer abschmecken. Das Lorbeerblatt entfernen.

Die Petersilienblätter von den Stielen zupfen, in feine Streifen schneiden und zum Schluss unter die Linsen rühren.

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Den Kürbis in Spalten schneiden, salzen und diese in etwas Butter rundum goldbraun anbraten. Dann auf einen Teller legen, mit dem Chili bestreuen und für 15 Minuten in den Ofen geben.

Die Salsiccia rundum mit einer Gabel einstechen. Das Rapsöl in einer Pfanne erhitzen und die Würste bei mittlerer Hitze langsam rundum braten.



Das Dessert macht wenig Arbeit und kann vorbereitet werden. Wer keine Eismaschine hat, kann auch ein gutes Vanilleeis kaufen. Der Krokant ist schnell gemacht, man sollte nur dabei bleiben und immer ein Auge auf die Pfanne haben.


Vanilleeis mit Walnusskrokant und Balsamico

100 gr. Sahne
500 ml Milch
1 Vanilleschote
6 frische Eigelbe
125 gr. Zucker

25 gr. Walnüsse
60 gr. Zucker
Prise Salz

Aceto Balsamico di Modena " invecchiato"


Die Milch mit der Hälfte des Zuckers in einen Topf geben. Das Mark der Vanilleschote auskratzen und zusammen mit der Vanilleschote zur Milch geben. Die Milch einmal aufkochen lassen, dann vom Herd nehmen und 15 Minuten ziehen lassen. Die Vanilleschote herausnehmen.

Eine Schüssel mit Eiswürfeln bereithalten. Die Sahne aufschlagen.

Eine Schlagschüssel auf ein Wasserbad setzen. Die Eigelbe darin mit dem restlichen Zucker verrühren. Die Vanillemilch erneut aufkochen und langsam, unter Rühren, in die Zucker-Ei-Masse gießen. Die Masse über dem heißen Wasserbad zur Rose aufschlagen.

Die kalte Sahne in die Masse unterheben, die Schüssel auf das Eis stellen und die Masse kalt rühren. Anschließend die Masse in der Eismaschine zu einem festen, cremigen Eis gefrieren.

Einen Teller mit Backpapier belegen. Die Walnüsse grob hacken und in einer trockenen Pfanne rösten, bis sie duften. Sofort aus der Pfanne nehmen, damit sie nicht verbrennen. In die Pfanne den Zucker und eine Prise Salz geben und zum Karamell schmelzen. Dann die Nüsse in den Karamell rühren und die Masse auf das Backpapier gießen. Erhärten lassen und in Stücke brechen.

Anrichten:
Eine Kugel Vanilleeis in einer Schüssel geben, mit dem Walnusskrokant bestreuen und dem Balsamico beträufeln. Sofort servieren.



Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem Consorzio Tutela Aceto Balsamico Di Modena entstanden.

Sonntag, 3. April 2016

Gebackene Feigen mit Ziegenkäse und
Ficus-Feigenbaum-Essig

Essig ist viel mehr, als nur ein Bestandteil der Salatsauce und hat eine lange Historie. Leider ist das Wissen um Essig, vor allem um seine gesundheitlichen Aspekte, heute kaum mehr bekannt. Dieses Wissen möchte uns Georg-Heinrich Wiedemann wieder zugänglich machen. Mit viel Engagement betreibt er in der schönen Pfalz das Weinessiggut Doktorenhof. Auf unseren Pfalz-Reisen haben wir den Doktorenhof schon ein paar Mal besuchen können. Für mich war das jedes Mal ein Eintauchen in eine andere Welt und seitdem haben wir immer verschiedene Essige im Haus. Darunter sind auch einige Aperitif-Essige, die unglaublich aromatisch und kaum sauer sind. Sie sind nicht nur eine gute Alternative, wenn man keinen Alkohol trinken möchte, sondern regen auch den Appetit an. Wer mehr darüber erfahren möchte, für den habe ich einen Buchtipp.



"Das Buch vom guten Essig" ist bereits das vierte Buch vom Chef des Doktorenhof, Georg-Heinrich Wiedemann. Der Schwerpunkt liegt diesmal weniger auf den Rezepten und mehr auf dem Wissen rund um Essig.

Gleich zum Einstieg gibt es nützliche Empfehlungen, worauf beim Kauf von Essig zu achten ist. Im folgenden Kapitel "Eine Essig-Zeitreise" erfahren wir, wie Essig in vergangenen Kulturen eingesetzt wurde. Die unterschiedlichen Herstellungsmethoden von Essig werden genauso erläutert, wie die eigene Essigherstellung daheim. Die kulinarischen Aspekte werden mit einer umfangreichen Beschreibung verschiedener Essigsorten, dem Aromatisieren von Essig und dem Einlegen in Essig beleuchtet. Einen großen Raum nimmt die gesundheitliche Wirkung von Essig ein. Die Inhaltsstoffe werden aufgeschlüsselt, die Wirkung auf Körper und Geist beschrieben. In einem alphabetischen Register gibt es umfangreiche Anregungen, den Essig als Heilmittel einzusetzen. Auch eine sechs-tägige Essigdiät, mit genauem Ernährungsplan, hat den Weg in das Buch gefunden. Bevor es zum Rezeptteil geht, wird uns noch aufgezeigt, wie Essig im Haushalt verwendet werden kann.

Die 15 Rezepte zeigen den vielfältigen Einsatz der Essige vom Doktorenhof. Der Essig ist viel zu schade, ihn nur für ein Dressing zu verwenden. Deshalb gibt es Anregungen für Getränke, Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts. Jedes Rezept ist bebildert.

Die Trinkessige müssen gar nicht für ein Gericht verwendet werden. Mir gefällt es gut, sie als Getränkebegleitung zu einem Gericht zu kombinieren. Für den Ficus-Feigenbaum-Essig wollte ich unbedingt etwas mit Feigen kochen. Diese gebackenen Feigen schmecken ausgezeichnet dazu und sind ein schönes Amuse, um ein Menü zu eröffnen.




Gebackene Feigen mit Ziegenkäse

4 Portionen

4 reife Feigen
50 gr. Manouri oder einen anderen milden Ziegenkäse
1 Streifen Orangenschale
1 Zweig Rosmarin
Cayennepfeffer
Meersalz
4 dünne Scheiben Parmaschinken
Olivenöl

Den Backofen auf 150 Grad vorheizen. Die Feigen waschen und vorsichtig mit Küchenkrepp abreiben. Anschließend über Kreuz einschneiden, aber nicht durchschneiden.

Den Käse in 4 passende Stücke schneiden und in die Feigen füllen. Die Orangenschale in sehr feine Streifen schneiden. Vom Rosmarin 4 kleine Stücke abtrennen.

Die Feigen mit dem Schinken umwickeln und mit Salz und Cayennepfeffer würzen. Die Orangenschale auf den Käse geben und alles mit Olivenöl beträufeln. Die Rosmarinstücke einstecken.

Auf den Boden einer kleinen Auflaufform etwas Olivenöl geben und die Feigen hineinsetzen. Bei 150 Grad für ca. 10 Minuten in den Backofen geben. Nach dem Backen sofort servieren.




Mittwoch, 9. Dezember 2015

Italienische Leidenschaft mit Anna Sgroi und Balsamico

Viele Dinge aus der italienischen Küche sind für uns heute ganz selbstverständlich. Wir verwenden sie im Alltag, ohne sie zu hinterfragen. Dazu gehört auf jeden Fall der Balsamico. Ich kann mich schon noch daran erinnern, dass auf der Heimfahrt von Italien noch ein großer Supermercado aufgesucht wurde um Nudeln, Parmesan, Olivenöl und Balsamico zu kaufen. Heute steht in jedem deutschen Supermarkt der Balsamico ganz selbstverständlich im Essig-Regal.

Darüber habe ich mir Gedanken gemacht, als ich eine Einladung von Mazzetti zu einem kulinarischen Abend mit Balsamico erhielt. Ja, das machte mich neugierig und ich wollte mehr über diesen speziellen Essig erfahren.

Karin Delgoff, eine erfahrene Balsamico-Expertin, informierte uns über die Geschichte und den Herstellungsprozess von Mazzetti L'Originale. Modena, im Herzen der Emilia Romagna, gilt als Geburtsstadt des Balsamico. Bereits um 1300 wurde mit Hilfe der natürlichen Fermentation des Mostes Essig hergestellt. Um 1700 herum gab es bereits ein Rezept für den "Aceto Balsamico di Modena" aus Traubenmost, gealtertem Balsamico und Weinessig. Auch die besonders edle Variante, der "Aceto Balsamico Tradizionale di Modena" aus gealtertem gekochten Traubenmost war damals schon bekannt.

Vor über 65 Jahren startete die Familie Mazzetti die Herstellung von Balsamico in Modena. Dabei bedienten sie sich der traditionellen Verfahren. Die Trauben der typischen Rebsorten der Region, Lambrusco oder Trebbiano werden gepresst und der Saft eingekocht. Danach wird der Saft mindestens 12 Jahre in Holzfässern gelagert, um den wertvollen "Aceto Balsamico Tradizionale di Modena" zu erhalten.

Auch für den klassischen Balsamico werden die Trauben gepresst, aber danach unterschiedlich verarbeitet. Ein Teil wird mit einer Essigmutter (Essigsäurebakterien) zu einem Weinessig angesetzt. Unter Vakuum wird ein Teil des Traubensaftes konzentriert und man bekommt einen milden einreduzierten Most mit wenig Aroma. Ein weiterer Teil wird durch Einkochen reduziert. Dies ergibt einen Most mit viel Geschmack. Für Geschmack und Qualität des künftigen Balsamico ist die Mischung aus diesen drei Verarbeitungsschritten entscheidend. Je höher der Anteil des gekochten Mostes im Gemisch ist, um so runder ist der Geschmack. Bei Mazzetti wird ein hoher Anteil gekochter Most verwendet. Das Gemisch wird dann in einem Holzfass gelagert, um den Balsamico zu fermentieren. Dabei spielt auch das Holz der Fässer eine Rolle. Für die Lagerung verwendet Mazzetti Holzfässer aus fünf unterschiedlichen Hölzern.

Die Balsamico von Mazzetti hat sicher schon jeder einmal in der Hand gehabt. Ich kaufe selten Balsamico im Supermarkt, aber wenn, dann habe ich zufällig immer den von Mazzetti gekauft. Dabei ist mir nie aufgefallen, dass es da unterschiedliche Qualitäten gibt. Eigentlich ist das ganz klar, wenn man sich den Herstellungsprozess und die vielen Stellschrauben ansieht. Damit dies einfach erkennbar wird, hat Mazzetti ein Gütesiegel eingeführt. Dieses ist in der oberen linken Ecke des Etiketts. Auf dem Gütesiegel sind ein bis vier Weinblätter zu sehen. Je mehr Weinblätter, desto besser ist die Qualität. Darauf werde ich das nächste Mal auch besser achten. Bei der Verkostung der unterschiedlichen Sorten waren die Unterschiede deutlich zu riechen und zu schmecken.

Anna Sgroi, die italienische Sterneköchin aus Hamburg, zeigte uns, wie die unterschiedlichen Balsamico-Sorten in der Küche eingesetzt werden können. Sie hat ein schönes italienisches Menü für uns vorbereitet. In der italienischen Küche werden klassisch vier Gänge serviert: antipasto (die Vorspeise, oft mit Gemüse), primo piatto (üblicherweise Nudeln oder Risotto), secondo piatto (der Hauptgang mit Fleisch oder Fisch), dessert (der süße Abschluss).




Gebackene violette Artischocken gefüllt mit Kalbsragout
mit Herzsalat und Perlen von Aceto Balsamico (I.G.T. 3 Blätter)


Gebratener grüner Spargel
mit Aceto Balsamico Testa Rossa und weißem Risotto


Rosa gebratener Wildlachs
mit Kopfsalat, knusprigem Topinambur und Balsamico Tradizionale

Financier von Balsamico (I.G.T. 3 Blätter)

Financier mit Crème brulée von Tonkabohnen und Eis von Kaffee und Balsamico Testa Rossa





Mittwoch, 24. Juni 2015

Essig-Ansätze: Mai-Wipferl-Essig,
Schnittlauchblüten-Essig, Holunderblüten-Essig

Im Mai oder Juni setze ich gerne Essig an. Obwohl es viele Möglichkeiten gibt, das ganze Jahr Essig mit Kräutern, Blüten oder Früchten zu aromatisieren, bleibe ich bei diesem Standard-Programm. So genau lässt sich der richtige Zeitpunkt nicht bestimmen, da die Natur nicht beeinflussbar ist. Letztes Jahr konnte ich die Essige im Mai ansetzen, heuer wurde es erst Juni. Es ist auch von Region zu Region verschieden. Am besten, einfach die Augen offen halten und dann entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt ist.

Holunderblüten-Essig, Schnittlauchblüten-Essig, Mai-Wipferl-Essig
(von links nach rechts)


Meist mache ich die doppelte Menge der Rezepte und habe so immer ein schönes kulinarisches Geschenk zur Hand. Besonders der Holunderblüten-Essig ist sehr beliebt.

Hier kommt mein Essig-Standardprogramm:


Mai-Wipferl-Essig



Gleich vor unserer Haustüre steht eine ganz kleine Kiefer und so ist es natürlich für mich ganz einfach die jungen grünen Triebe abzuschneiden. Bitte nicht in den Wald gehen und dort die Bäume plündern, das ist nicht erlaubt. Es findet sich sicher in einem Garten einen Baum, von dem man ernten darf.

500 ml Weißwein-Essig
30 Wipferl

Den Essig am Vortag auf 70 Grad erhitzen und über Nacht vollständig abkühlen lassen.
Die hellgrünen Wipferl abschneiden. Sie sollten trocken sein und am besten erntet man sie, wenn es ein paar Tage nicht geregnet hat.

Die Wipferl in ein großes Glas geben und den Essig darüber gießen. Das Glas an einem hellen, aber kühlen Ort stehen lassen. Nach 10 Tagen den Essig abseihen und in Flaschen füllen.




Schnittlauchblüten-Essig



Einige hundert Meter von unserem Haus entfernt ist ein großes Feld und dort stand viele Jahre eine Gärtnerei. Leider musste sie umziehen, da die Stadt München jetzt Wohnungen baut. Die ersten Baugeräte sind schon da und viele Menschen kommen täglich und holen sich noch Kräuter oder Pflanzen. Es sieht wunderschön aus im Moment, da das große Schnittlauchbeet in voller Blüte steht. Das war natürlich die Gelegenheit eine große Schüssel voller Blüten zu holen. Mich freut es sehr, dass von den Anwohnern noch soviel geerntet wurde, bevor die Bagger alles zerstören.

500 ml Weißwein-Essig
2 Hände voll Schnittlauchblüten

Den Essig am Vortag auf 70 Grad erhitzen und über Nacht vollständig abkühlen lassen.

Die Schnittlauchblüten abschneiden, in ein großes Glas geben und den Essig darüber gießen. Das Glas an einem hellen, aber kühlen Ort stehen lassen. Nach 10 Tagen den Essig abseihen und in Flaschen füllen.




Holunderblüten-Essig


Zu der Gärtnerei gehörte eine sehr große und lange Holunderblütenhecke. Leider sind bereits einige Sträucher der Baustelle zum Opfer gefallen. Ich hoffe, dass sie nicht weiter zerstört wird. Bisher durfte ich dort immer mit Erlaubnis der Gärtnerei-Betreiber ernten. Dafür gab es Natural-Tausch und ich habe eingemachte Sachen vorbei gebracht. Wie es in der Zukunft aussieht werde ich herausfinden, oder mir einen neuen Holunderstrauch suchen.

Diesen Beitrag habe ich bereits letztes Jahr angefangen zu schreiben und muss hier leider ein trauriges update machen. Die Hecke wurde von den Baufirmen rücksichtslos komplett entfernt. In meinen Augen ist das eine riesige Sauerei, da die Hecke sehr alt war. Ich kenne sie bereits seit meiner Kindheit.

1000 ml Weißwein-Essig
5 große Holunderblütendolden oder 10 kleine

Den Essig am Vortag auf 70 Grad erhitzen und über Nacht vollständig abkühlen lassen.
Die Holunderblüten abschneiden. Sie sollten trocken sein und am besten erntet man sie, wenn es ein paar Tage nicht geregnet hat.

Die Holunderblüten in ein großes Glas schneiden, darauf achten, dass der größte Teil der Stiele nicht dabei ist und den Essig darüber gießen. Das Glas an einem hellen, aber kühlen Ort stehen lassen. Nach 6 Monaten Stehzeit den Essig abseihen und in Flaschen füllen.



Samstag, 30. August 2014

Pfirsich-Pfeffer-Essig vom Roten Weinbergspfirsich

Wenn ich Rote Weinbergspfirsiche bekomme, dann setzte ich auch gerne einen Essig damit an. Der schmeckt nicht nur schön fruchtig, er hat auch eine wunderhübsche Farbe. Mit den Früchten bin ich sparsam und verwende nicht zu viele, dafür kommen noch Schalen der anderweitig verarbeiteten Früchte dazu. Gerade in den Schalen steckt viel Geschmack und Farbe und so können die wertvollen Früchte auch komplett verwendet werden.



5 Rote Weinbergspfirsiche
1 EL tasmanischer Pfeffer
1 EL getrockneter Thymian
1 Liter Weißweinessig
(wenn noch mehr Früchte verarbeitet wurden, kann man auch die Schalen zusätzlich ins Glas geben)

Wer auf Nummer sicher gehen will, dass der Essig nicht kippt, der erhitzt ihn auf 70 Grad und lässt ihn danach vollständig erkalten.

Die Pfirsiche halbieren und entsteinen. Dann ungeschält in kleine Würfel schneiden. Den tasmanischen Pfeffer im Mörser grob zerstoßen. Alle Zutaten in ein weites Glas geben und mit dem Essig auffüllen. Darauf achten, dass alle Früchte von Essig bedeckt sind.

Das Glas für 4 Monate an einem hellen, kühlen Ort stehen lassen. Dann abseihen und in Flaschen füllen. Das Abseihen geht am schnellsten, wenn man den Ansatz als erstes durch ein grobmaschiges Sieb laufen und abtropfen lässt. Dadurch sind die groben Stücke schon entfernt. Danach durch ein sehr feinmaschiges Sieb geben und man bekommt einen sauberen Essig.





Dienstag, 7. August 2012

Cassis-Balsamico

Was macht man mit schwarzen Johannisbeeren? Likör? Ja, aber doch nicht jedes Jahr, das wird langweilig. Und so habe ich angefangen aus den ungeliebten Beeren einen Essig zu machen. Das war eine gute Idee und mein Cassis-Balsamico kommt auch als Geschenk sehr gut an.



500 gr. schwarze Johannisbeeren
100 g Zucker
1 Prise Meersalz
500 ml Balsamico
1 Stange Zimt
5 Nelken
5 Körner Piment


Die Johannisbeeren gut waschen und von den Stielen abzupfen (geht am besten mit einer Gabel). In einen Topf mit Zucker und Salz geben und mit dem Kartoffelstampfer zerdrücken. Für ungefähr eine Stunde abgedeckt stehen lassen.

Den Balsamico und die Gewürze zugeben. Alles einmal aufkochen lassen und für ca. 15 Minuten bei sehr kleiner Hitze köcheln lassen.

Den Balsamico abseihen (entweder sehr engmaschiges Sieb oder durch ein Mulltuch). In Flaschen füllen.


Der Cassis-Balsamico hat ein intensives Fruchtaroma und passt schön zu herbstlichen Salaten.

Freitag, 6. Juli 2012

Holunderblüten-Essig, bewährt und beliebt

Schnell, einfach und köstlich. Ich verstehe gar nicht, weshalb dieser Essig noch so wenig bekannt ist. Gerne verschenke ich ihn - er kommt immer sehr gut an. Besonders gut läßt er sich mit Wildkräuter- und Blattsalaten kombinieren.


5 große Dolden Holunderblüten (oder eine entsprechende Menge kleiner)
1 Liter Weißweinessig mit 6 % Säure
Den Essig sollte man vorbereiten und einmal auf 70 Grad erhitzen und dann vollständig abkühlen lassen.






Von den Holunderblüten die dicken Stiele abschneiden und die kleine Blüten in ein großes, weites Gefäß geben. Mit dem Essig aufgiessen. Wichtig ist, daß die Blüten komplett vom Essig umschlossen sind. Gerade am Anfang schwimmen sie oben, da hilft es einen kleinen Teller darauf zu legen. Sobald die Blüten unten bleiben, kann er wieder entnommen werden.






Das Gefäß für mindestens 4 Wochen hell, aber nicht in der prallen Sonne, stehen lassen. Dann abseihen und in Flaschen füllen. Dunkel aufbewahren. Der Essig reift auch in der Flasche noch nach.