Sonntag, 17. Juni 2012

Kochduell in meiner Küche: Steffen Henssler gegen Stefan Marquard

Blöderweise müssen wir regelmäßig Nahrung zu uns nehmen. Die Bereitstellung ist lästig und muß schnell gehen. Das war die Botschaft der Vergangenheit und die Nahrungsmittelindustrie hat dies mit immer absurderen Produkten unterstützt.

Nun ist Kochen hip, leider muß es immer noch schnell-schnell gehen. Tim Mälzer hat hier einen Grundstein gelegt. Hantierte er bei "Schmeckt nicht, gibts nicht" noch mit Kartoffelpüree aus der Tüte, präsentiert er nun öffentlich-rechtlich durchaus ansprechende Rezepte. Und das Kartoffelpüree macht er aus Kartoffeln. Wenn wir ihn als Vorreiter sehen, sind wir auf einem guten Weg. Für mich ist Kochen nicht nur schnöde Ernährung, sondern auch Genuß. Gut gekochtes Essen aus guten, frischen Lebensmitteln, am liebsten saisonal und regional. Da müssen wir wieder hin. Die dafür notwendige Zeit sollte man sich nehmen.

Jetzt, in der Zwischenphase, darf frisch gekocht werden, Hauptsache es geht schnell. In diesem Segment gab es im Frühjahr zwei interessante Neuerscheinungen:
- Schnell, schneller Henssler von Steffen Henssler
- Blitzküche von Stefan Marquard



Die Idee beide Bücher zu testen und zu vergleichen war sofort da. Bei der Auswahl der Rezepte habe ich durchgeblättert und mich spontan entschieden. Wie sollte ich vergleichen und beurteilen? Darüber mußte ich etwas nachdenken. Ich wollte wirklich objektiv an die Sache rangehen und mir könnte man jederzeit vorwerfen, daß mein Sieger der Herzen schon vorab feststeht. So habe ich drei Bewertungskriterien aufgestellt und entsprechende Punkte vergeben.

Jetzt sollte ich ein paar grundsätzliche Dinge sagen. Ich mag' Steffen Henssler und jeder der behauptet, er könne nicht kochen, hat keine Ahnung. Ich könnte nichts Schlechtes über ihn sagen, er war hinter den Kulissen sehr, sehr fair zu uns. Den Tour-Auftakt seiner Show "Meerjungfrauen kocht man nicht" in München habe ich gesehen. Ja, es gab Klamauk und es gab ein bißchen Hyperventilieren und es gab auch wieder hektisches Kochen, als sollte er die Bühne für eine Putzmittelpräsentation im Shopping-TV vorbereiten.  Mit seinem leisen, fast schüchternen, Appell mehr und frisch zu kochen, hat er sogar mich überrascht. Der meint das ernst!

Als bekennender Stefan-Marquard-Fan brauche ich zu ihm eigentlich fast nichts mehr sagen. Und er meint es mit dem frisch und selbst gekocht auch ernst, sehr ernst!

In den nächsten Beiträgen erwartet Euch die Einzel-Beurteilung zu diesen Rezepten:

Fenchel-Birnen-Salat

Gefüllte Salat-Blätter







Hähnchenbrust mit grünem Spargel







Weißer Spargel auf mediterrane Art







Tofu-Tataki







Bohnensalat auf Omelette







Australische Laksa







Gebratene Melone







Hähnchenbrust mit Gurkennudeln und Frischkäse







Scharfe Kokos-Blumenkohlsuppe









Und wie ging es aus? Stefan ist Punktsieger.
Steffen Henssler - 27 Punkte
Stefan Marquard - 36 Punkte

Beim Kochen habe ich immer die Uhr mitlaufen lassen. Das hat mich wirklich genervt. Auch wenn ich sonst im Alltag schnell und unter Zeitdruck koche, habe ich deutlich mehr Spaß daran. Letztendlich ist es auch egal, ob das Essen 5 oder 10 Minuten später fertig ist. Wichtiger ist die Freude beim Zubereiten, das ganz altmodische Kochen mit Liebe.

Jedes Rezept habe ich mir kurz vorher einmal durchgelesen, trotzdem musste ich zwischendurch immer wieder nachschauen. Deshalb bin ich mir sicher, wenn man es ein paar Mal gekocht hat, geht es schneller. Ich habe mir vorgenommen, es streng nach Rezept zu kochen. Ein paar Mal konnte ich nicht anders und habe es geändert.

Bei Steffen wurden viele Rezepte vorher in der Sendung Topfgeldjäger als Hensslers Schnelle Nummer präsentiert. Manches erinnerte mich wirklich an Warenkorb-Kochen. Da stand Stefan mehr Auswahl, speziell bei den Gewürzen, zur Verfügung. Das merkt man auch am Geschmack. Stefans Gerichte waren aromenreicher. Die Zeitangaben der Blitzküche sind realistischer als bei Schnell, schneller, Henssler.

In dem Praxistest von gekleckert.de und in meiner Kochbuchgruppe bei facebook wurde bemängelt, daß die Portionsgrößen in Steffens Buch teilweise zu klein sind. Bei meiner Rezeptauswahl habe ich das nur einmal festgestellt, da wollte ich aber bewußt nur einen kleinen Snack machen. Als Mahlzeit für zwei Personen wäre man hungrig vom Tisch aufgestanden. Andererseits hatte ich dies bei einem Rezept von Stefan ebenfalls. Mit ein bißchen Erfahrung kann man das beim Lesen schon beurteilen. Für mich kein Problem, für Einsteiger könnte das frustrierend sein. Während des Kochens bemühe ich mich immer parallel aufzuräumen. Wenn ich ein Rezept von Stefan kochte, sah meine Küche hinterher so aus wie immer. Bei einem Rezept von Steffen sah sie aus wie bei ihm.

Wer sich überlegt eines der beiden Bücher zu kaufen, dem würde ich die Blitzküche empfehlen. Da steht auch ein Konzept dahinter. Zum Start wird die Zubereitung von Vinaigrettes, Fonds, Tomatensauce, etc. erklärt. Mit diesem produzierten Vorrat kann man dann im Alltag schnell auf hochwertige Zutaten zurückgreifen.

Das Buch von Steffen Henssler bietet ebenfalls witzige Anregungen und zwei Gerichte haben mir sehr gut gefallen. Es hat durchaus seine Berechtigung. Mein Eindruck ist allerdings, wer nicht nur schnell kochen, sondern auch seine Kochkompetenz verbessern will, der ist bei der Blitzküche besser aufgehoben.

Von Hugendubel-Blog gibt es ebenfalls einen Vergleich beider Bücher, sie empfehlen ebenfalls die Blitzküche.

Ist Euer Interesse geweckt, auch bei knappen Zeitbudget, mehr und frisch zu kochen? Dann habe ich noch zwei Anregungen:



Stevan Paul: Schneller Teller
Hans-Peter Matkowitz: Der Küchen-Organizer

Aus diesen Büchern habe ich noch nichts gekocht, kenne aber beide Autoren persönlich und bin von deren Fachkompetenz überzeugt.

 






Kommentare:

  1. Sehr interessant und informativ. Da hast du sicher ein paar Stunden investiert, danke für die Mühe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es hat schon ein bisserl Mühe gemacht, aber ich habe es gerne getan. Danke, liebe Zorra.

      Löschen
  2. Das ist ja mal ei tolles Duell! Ich bin schon sehr gespannt auf die Rezepte die da noch folgen werden, denn ich hab ja eigentlich auch nie Zeit! ;)

    Und wer weiß vielleicht werde ich ja doch noch irgendwann ein Henssler oder Marquard Fan :) weil Jamie mit seinen 30 Minuten Menüs kommt bei mir mit Sicherheit nicht ins Haus *g*

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
    Alice

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann wäre doch die Blitzküche das Richtige für Dich, liebe Alice :-). Die ist auch gaaanz schmal, die könntest Du noch zwischenquetschen.

      Dieses 30 Minuten Menüs Buch habe ich nur einmal durchgeblättert und fand es ganz schrecklich. Es hat in den Tests der Blogger auch nicht gut abgeschnitten.

      Und zumindest den Marquard-Fan mache ich noch aus Dir....

      Löschen
    2. Ob Du das schaffst? *grins* ;-)

      Löschen
  3. Hey,
    schön zu sehen, dass sich noch jemand anderes dieses Buch vorgenommen hat :) Da sind wir ja zu einem relativ ähnlichem Ergebnis gekommen. Ich finde es gut, dass du es einem anderen Buch gegenüber gestellt hast. Das Buch von Stefan ist mir noch garnicht in die Finger gekommen.

    Vielen Dank für den Tipp und den Testbericht.

    Gruß, Martin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerne Martin, ich habe Dein Projekt auch interessiert verfolgt.

      Vielleicht startest Du ja auch noch eine Blitzküchen-Testreihe :-)

      Löschen
  4. Danke für den akribischen Test! Bin gespannt auf die Rezepte...
    Für den Heim-Büroalltag bevorzugen wir auch schnelle Gerichte. Da diese i.d.R. der Mittagskocher kocht, werde ich ihm mal die Blitzküche an's Herz bzw. bei Gelegenheit auf die Arbeitsplatte legen... ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist eine sehr gute Idee, dann könnt Ihr blitzschnell geniessen... :-)

      Löschen
  5. Hallo,

    ich bin auch stolze Besitzerin der "Blitzkueche", allerdings schon seit vor Weihnachten(in der Schweiz gekauft).
    Ich muss sagen ich find es gut, vorallem der Versuch es ganzheitlichtlich aufzuziehen. Es sind eben nicht nur schnelle Rezepte drin, sondern eben auch Ideen fuer die Lagerung und fuer das Vorkochen.
    Sollte jemand neu in das Thema "Ich komm muede von der Arbeit will aber keinen Fertigfrass" einsteigen ist es aus meiner Sicht wirklich ein geniales Buch.

    Freu mich schon auf die Gegenueberstellung! Das ist wirklich eine klasse Idee! Vielen Dank das du dir die ganze Arbeit machst.

    Lieb's Gruessle von der nassen Insel
    Ariane

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Ariane,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Es freut mich, daß wir auf einer Linie sind. Ich halte das Buch auch für eine Bereicherung, wenn man schnell und schmackhaft essen will.

      Wo ist denn die nasse Insel? Das habe ich ja noch nie gehört....

      Löschen
    2. Huhu,

      die nasse Insel ist England. Wobei die letzten Monate war sie gar nicht so nass wie jeder denkt.

      Löschen
  6. Eine tolle Idee mit dem Direktvergleich, danke dass du dir die Mühe machst deine Erfahrungen damit zu teilen!

    Ich koche meist immer schnell aber meist eben dann auch das selbe. Deshalb wäre es sicher eine, oder zwei, überlegungen wert mir so ein Buch zu zulegen. Da ich von Henssler schon "Hauptsache Lecker" in der Küche habe würde ich mich wohl auch für die "Blitzküche" entscheiden.....oder ich nehme doch beide?! :)

    Liebe Grüße,

    ~ Lilly (die sich sehr auf die Rezepte freur!)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Lilly,
      vielen Dank für Deinen netten Kommentar. Wenn Du an beiden Interesse hast, würde ich Dir empfehlen zuerst die Blitzküche zu kaufen und dort auch die Methoden zu erlernen. Danach kann der Schnelle Henssler immer noch einziehen und Du kannst die Rezepte dort ausprobieren.

      Löschen