Freitag, 27. November 2015

Kulinarische Familiengeschichte: Kartoffelgulasch

Mitte September erschien ein Kochbuch mit einem ganz besonderen Thema. Die Autoren besuchten 12 Seniorenheime und führten viele Gespräche, wie früher gekocht wurde. Die schönen Erfahrungen und Begegnungen sammelten sie, zusammen mit 100 Erinnerungen an die Lieblingsrezepte der Senioren. Das alles veröffentlichten sie unter dem Titel: "Wir haben einfach gekocht" im Umschau-Verlag.

Da ich Cathrin Brandes, eine der Autorinnen schon länger kenne und sehr schätze, habe ich das Projekt laufend mit großem persönlichen Interesse verfolgt. Meine ersten Erfahrungen am Herd habe ich mit meiner Großmutter gemacht. Sie lebte in dem wunderschönen Bad Tölz und in allen Ferien durfte ich ein paar Tage bei ihr verbringen. Wir haben zusammen gekocht und sind in das unglaubliche Café Schuler zum Torten essen gegangen oder in den Badeteil gefahren, um uns in einem Porzellangeschäft jeden Teller anzusehen. Ab und zu haben wir auch einen gekauft. Zu meiner Kommunion habe ich von ihr ein silbernes Vorlegbesteck für die Kaffeetafel bekommen: Zuckerlöffel, Sahnelöffel (Ja! Ich habe einen extra Sahnelöffel!!), Zuckerzange, Tortenheber und ein kleines Vorleggäbelchen, bei dem ich bis heute nicht weiß, was man damit vorlegt.

Meine Großmutter ist leider schon vor über 20 Jahren gestorben und der Familienrat hat beschlossen, dass ich ihr Kochbuch erbe. Das halte ich sehr in Ehren, da es eigentlich von meiner Urgroßmutter stammt und alle Familienplätzchen-Rezepte stehen da drin. Mein Lieblingsrezept aus Kindertagen war ein Kalbsrahmgulasch mit Reis. Das kann ich auswendig, aber ich koche es viel zu selten.

Meine Mutter konnte der Kocherei nie viel abgewinnen und sie amüsiert sich heute noch darüber, dass ich ihr vorgeworfen habe: "die Oma kocht keinen so Schmarr'n, wie Du". Aber, ein Gericht konnte meine Mutter so richtig gut und das habe ich als Kind sehr gerne gegessen, das Kartoffelgulasch.

Das Rezept dafür steht in einem kleinen, handgeschriebenen Heft, das mir meine Mutter schon vor vielen Jahren gegeben hat. Seit ich von dem neuen Kochbuch Kenntnis habe, spuckt dieses Gericht in meinem Kopf herum. Nun haben die Autoren zu einem Blog-Event aufgerufen, um die wunderbaren Rezepte der älteren Generation zu bewahren. Die Idee ist, die ältere Verwandschaft zu besuchen, mit ihnen gemeinsam zu kochen und die kulinarischen Erinnerungen auf den Blogs zu veröffentlichen. In meinem Fall muss das etwas anders ablaufen, da meine Mutter beschlossen hat, nie wieder zu kochen. Trotzdem, oder genau deswegen ist es mir ein großes Anliegen das Kartoffelgulasch "aufzuwärmen".

Meine betagten Eltern hatten vor ungefähr zwei Monaten einen sehr schweren Autounfall. Während der Fahrt wurde der Pkw meines Vaters von einem Lkw brutal gerammt, als er einfach auf seine Spur wechseln wurde. Dadurch schoss das Auto quer über eine dreispurige Straße und knallte gegen eine Straßenlaterne, die umknickte. Beide Airbags öffneten sich glücklicherweise. Trotzdem hatte meine Mutter durch den Aufprall einen sechs-fachen Rippenbruch. Meine Eltern mussten leider wirklich viel aushalten, von Krankenhaus-Aufenthalt bis zur Kurzzeitpflege. Mit mehr Glück, als Verstand habe ich eine sehr schöne und altersgerechte Wohnung mit entsprechendem Service für sie gefunden. Dort bekommen sie jeden Tag ein warmes Mittagessen. Frühstück und Abendessen machen sie sich selbst. Kochen möchte sie nicht mehr, hat meine Mutter klar gesagt und alle Töpfe, Pfannen, etc. aus ihrer neuen Küche verbannt. Deshalb ist dieser Beitrag auch ihr gewidmet.

Ich kenne das Rezept meiner Mutter sehr, sehr gut. Trotzdem habe ich ein paar kleine Änderungen vorgenommen. Es bleibt immer noch einfach und für jeden gut nachkochbar, aber diese kleinen Kniffe machen es noch besser und eigentlich ist es ein sehr modernes vegetarisches Gericht, wenn man den Rinderfond mit Gemüsefond ersetzt. Den Schmand hat meine Mutter nie gemacht. Ich finde, er gibt dem Gulasch den letzten Pfiff und in setzt es auch optisch besser in Szene. Dafür sorgen auch die schönen Suppenteller Cuba grau von ASA-Selection. Für den Geschmack schwöre ich auf meinen alten gußeisernen Topf von Staub, den ich mir vor mindestens 15 Jahren im Elsass gekauft habe.





für 4 Personen

2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
2 kleine rote Paprikaschoten
500 gr. Kartoffeln
Meersalz
Zucker
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
2 EL Butterschmalz
1,5 EL Paprika edelsüß
1 gestr. TL Rosenpaprika
100 gr. Tomatenmark
200 ml trockenen Weißwein
200 ml Rinderbrühe
400 gr. gewürfelte Dosentomaten

150 gr. Schmand
Olivenöl
Meersalz
Koriander

Die Zwiebeln und Knoblauchzehen schälen, längs halbieren und in feine Scheiben schneiden. Die Paprikaschoten waschen, in Segmente schneiden, entkernen und in feine Streifen schneiden. Die Paprikastreifen mit Salz und Zucker marinieren und etwas stehen lassen. Die Kartoffeln schälen und in grobe Würfel schneiden.

Das Butterschmalz in einem schweren und weiten Topf (am besten ist Gusseisen) erhitzen und die Zwiebel- und Knoblauchscheiben darin anschwitzen. Sofort mit etwas Salz würzen. Dann die Paprikastreifen und die beiden Paprikagewürze unter Rühren ebenfalls anschwitzen. Nun das Tomatenmark in den Topf geben und ebenfalls rösten. Mit Weißwein ablöschen und diesen völlig verkochen lassen, dann mit der Brühe auffüllen und die Kartoffelwürfel dazugeben. Zum Schluss die Tomatenwürfel zur Masse geben, mit Salz und Pfeffer würzen und alles einmal aufkochen lassen.

Die Hitze reduzieren und den Deckel schließen. Das Kartoffelgulasch ungefähr 30 Minuten sanft köcheln lassen. Es ist fertig, wenn die Kartoffeln gar sind. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken.

In der Zwischenzeit den Schmand mit etwas Olivenöl glatt rühren und mit Salz und Koriander würzen.





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