Freitag, 26. Juni 2015

Weinrallye #87 Winzerinnen - Gastbeitrag von Cantate

Es ist eine gute Tradition, dass der Gastgeber der Weinrallye auch die Gastbeiträge veröffentlicht. Ich mache das sehr gerne, weil es mir wichtig ist, die Grenzen zwischen Bloggern und Nicht-Bloggern zu überwinden. Das Internet ist grenzenlos und das ist meine Motivation meinen Blog als Plattform für Andere zur Verfügung zu stellen.

Mein Dank für diesen Gastbeitrag geht an Cantate, die eine wunderbare Winzerin vorstellt:



Winzerinnen also ….. hmja….
Es war mir schnell klar, dass ich dazu was schreiben will, weil ich einige Winzerinnen kenne und sie alle sehr schätze; das Problem war eher, auszuwählen „welche stell ich denn diesmal vor?“

Trotzdem mal kurz bei Tante Gugel reingeschaut und erstmal das kalte Grausen gekriegt, die ersten anderthalb Seiten nur diverse „junge sexy Winzerinnen“ - Kalender!

NEIN ich stell hier keinen link ein ….
Die Dürren Gerippe, die dort abgebildet sind, werden doch vom ersten Herbststurm aus den Zeilen gefegt. Und mit dem, was die eher nicht anhaben, kommen sie beim Brombeerenroden auch nicht weit mit ihren zarten Beinchen.

Aber auch bei seriösen Presseerzeugnissen sehen die vorgestellten Winzerinnen (und da geh ich davon aus, dass es sich wirklich um solche handelt) auf den Bildern aus wie Titelseite von „Landlust“ u.ä. …. klar möchte sich jeder Mensch (ja, auch Männer! ;-) ) auf Bildern gern so vorteilhaft präsentieren wie möglich – ich mag auch keine Fotos von mir, wo ich ausseh wie Dorftrampel von Hintertupfenhausen – aber wirkt auf mich irgendwie „unecht“, man fragt sich unwillkürlich, ob die Damen nach ihrem Aussehen oder wirklich nach ihren Weinen beurteilt werden? Würde eine Frau, die aussieht wie Gerard Depardieu, eine Titelstory kriegen? Ich bezweifle es, egal wie gut ihre Weine sein mögen ….

Die echten Winzerinnen, die ich kenne, posieren nicht in Postkarten-Idyllen, sondern sind kernige, handfeste Frauen, die fest im Leben stehen.
Im Januar Reben schneiden bei Minusgraden, da sind halt keine Designerklamotten angesagt, sondern Zwiebellook – und da sieht frau nunmal immer bisschen tonnenförmig aus. Mit der Rückenspritze oder der Motorsense im Steilhang sind high Heels unangebracht - obwohl: beim berghochlaufen wäre das vielleicht sogar von Vorteil …..wäre mal eine Überlegung wert; allerdings müsste man die dann beim bergrunter laufen wieder abschrauben, vielleicht doch zu umständlich?

Ein Weinbergschlepper ist kein Sportwagen – obwohl: ich hab damals auf nem Lamborghini-Traktor fahren gelernt – aber egal…. Echte gestandene Winzerinnen haben nun mal real-life-Figuren, die nicht vom ersten Windhauch umgeweht werden; schön sind sie trotzdem! Oder gerade deswegen? Weil sie echt sind!

Wein ist doch Lebenslust und Genuss und Freude – wie soll ich da jemandem vertrauen, der aussieht als nähme er oder sie nur trockenen Salat in homöopathischer Dosis zu sich und ein Gesicht zieht als ginge er oder sie zum Lachen in den Keller?

Das genaue Gegenteil von diesen Sauertöpfen ist Nora Schirpf von der Donnermühle.

Die sympathische Familie Schirpf
Bildnachweis: Weingut Donnermühle


Wir sind ihr bei einer Öko-Weinmesse über die Füße gestolpert.

Ist für die Winzer ja auch harte Arbeit, morgens früh schon packen, Stand aufbauen, den ganzen Tag rumstehen, immer und immer wieder dasselbe erzählen, ein freundliches Gesicht machen, egal wie blöd die Besucher rüberkommen ….

Und als Besucher schaut man logisch erstmal bei den Winzern vorbei, die man kennt und plaudert dort ein bisschen, probiert dort ein bisschen oder auch ein bisschen mehr, und so hatten wir schon einige Weine hinter uns und waren naja, nicht grade müde, aber doch .. gesättigt?

Und dann am Ende des langen Tages, kurz vor dem Ausgang, am letzten Stand diese Frau, die eine solche Lebensfreude ausstrahlte, eine so positive Energie verströmte, so herzlich und begeistert und begeisternd rüberkam, dass sie uns nur beim Hallo-sagen schon ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Der nimmt man ab, dass sie mit Herz und Seele bei der Sache ist, dass Wein für sie mehr als nur LandWIRTSCHAFT ist. Selbst jetzt, wo ich hier trocken über der Tastatur sitze, zieht es mir die Mundwinkel nach oben, alleine bei dem Gedanken!

Die Donnermühle war das erste Demeter-zertifizierte Weingut in Hessen

Ich habs ja nicht so mit linksrum drehende Kuhhörner bei Vollmond eingraben und so, aber ich nehm den Demeter-Winzern ab, dass sie ein besonderes Verhältnis zu ihren Reben haben, sie einzeln mit Namen kennen, umsorgen und behüten, dass sie mit viel Engagement bei der Sache sind, dass sie mit ihren Reben LEBEN – sowas kann man nicht halbherzig betreiben, sondern nur mit vollem Einsatz. Vielleicht wirkt sich das dann auch besonders auf die Weine aus?

Das Weingut Donnermühle liegt in der „Mainspitz“, da wo der Main in den Rhein mündet und hat deshalb naturgemäß schwere Schwemmlandböden, die machen die Weißweine manchmal „fett“ und „schwer“ - nicht so mein Ding, das geb ich ehrlich zu.

Aber die Roten!

Spätburgunder, tiefdunkelrot, samtig, weich, wirklich „vollmundig“, intensiv nach dunklen Kirschen duftend und schmeckend, sogar ein bisschen Schokolade kann ich erkennen, zum „reinlegen“, zum mit Genuss schlürfen und nachriechen und -schmecken, nichts fürs schnelle Partytrinken!

Der Wein wird getrennt nach Fässern ausgebaut und auch abgefüllt, deshalb steht auf der Karte beispielsweise dann Fass Nr 29 oder 28 oder …(ich glaub, wir haben damals bei Fass 13 angefangen ;-) ) und auch da lohnt es, mal nachzuschmecken, wie unterschiedlich sich ein und derselbe Wein bei unterschiedlicher Behandlung präsentiert. Ich geb zu: auch als Nicht-Rotweintrinker kann ich mich da nie entscheiden, von welchem Fass ich denn nun nehmen soll. Grandios sind sie alle!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen