Samstag, 29. August 2015

Mein Vater ist ein Flüchtling
#refugeeswelcome #BloggerFuerFluechtlinge

#BloggerFuerFluechtlinge ist eine ist eine Initiative von Nico Lumma, Stevan Paul, Karla Paul und Paul Huizing. Weil es wichtig ist, möchte ich das mit diesem Beitrag unterstützen.


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Schon lange beobachte ich diesen Wahnsinn, der sich aktuell in Europa abspielt und es fällt mir schwer die Normalität aufrecht zu erhalten. Gestern hat es mich endgültig aus der Bahn geworfen, als auf einer österreichischen Autobahn ein Lastwagen mit 71 erstickten Flüchtlingen gefunden wurde.

Mein Vater ist ein Flüchtling. Wenn er nicht hier in Bayern gut aufgenommen worden wäre, dann gäbe es meinen Bruder nicht und mich auch nicht. Er stammt aus dem Sudetenland und sollte 1945 gegen Kriegsende als Kanonenfutter für Hitlers Schergen dienen. Um nicht als Kindersoldat eingezogen zu werden, entschloss er sich mit 14 Jahren alleine zu fliehen. Seine Mutter und seine beiden Schwestern musste er zurück lassen. Sein Vater lebte damals schon lange nicht mehr.

Er schlug sich alleine durch und hat es irgendwie geschafft hier anzukommen. Ich weiß nicht viel darüber - er erzählt nie etwas davon. Ein Handy gab es damals nicht und so ist der Kontakt zu seiner Familie abgerissen. Jahre später konnte er ein paar Fahrten nach Mähren unternehmen und seine Mutter durfte uns einmal in München besuchen. 1972 hat er mich mitgenommen und so konnte ich meine Oma wenigstens zweimal im Leben sehen. Ich konnte damals auch meine Tanten und meine Cousine kennen lernen und habe sehr starke Erinnerungen an diese Reise. Heute weiß ich nicht wo sie sind und mir fehlt ein Teil meiner Familie.

Mein Vater isst kaum Gemüse und er isst nichts in grüner Farbe. Keinen Salat, keine Gurke, keinen Brokkoli, keine Erbsen - einfach nichts davon. Ich habe das lange nicht verstanden, bis er es erklärt hat. Auf der Flucht zu Fuß hat er unreifes Gemüse aus der Erde gezogen und sofort gegessen - sonst wäre er verhungert.

Meine Eltern sind hochbetagt in den 80ern und leben in der Nachbarschaft eines Flüchtlingsheims. Sie haben Angst, nicht vor den Flüchtlingen, sondern vor dieser dummen, braunen Brut, die feige aus ihren Löchern kriecht und die Schwächsten schikaniert.

#refugeeswelcome

#BloggerFuerFluechtlinge





Kommentare:

  1. Danke für dein bewegendes Statement!! Danke dafür, dass du uns an der Geschichte deines Vaters teilhaben läßt. Noch viel mehr müssen ihre Stimmen erheben, denn viele Stimmen ergeben einen Chor – und bald wird sie niemand mehr überhören können, die Stimme der bislang schweigenden Mehrheit.

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  2. Hier wollte ich schon länger kommentieren - erst jetzt finde ich die Zeit dazu. Die Geschichte von deinem Vater hat mich sehr berührt - Danke, dass wir daran teilhaben durften ... Liebe Grüße!

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    1. Sehr gerne, danke Dir, für Deinen lieben Kommentar

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