Montag, 25. August 2014

Rezension: Die China-Küche des Herrn Wu

Es gibt eine Fernsehdokumentation die versucht Sterneköche im Alltag zu begleiten. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie sie heißt, aber sie wird manchmal wiederholt und läuft auf einem der privaten Kanäle. Dort sieht man den Berliner Sternekoch Christian Lohse, wie er in einem russischen Supermarkt privat einkauft und beim privaten Besuch von Restaurants. Verständlich, dass er in seiner Freizeit keine Sternerestaurants aufsucht. Ich meine mich ganz schwach daran zu erinnern, dass er italienisch essen war und erinnere mich sehr gut an den Besuch eines chinesischen Restaurants.

Auf die Frage, weshalb er dort hingeht, antwortete er sinngemäß, dass das Essen phantastisch ist und es eine excellente Weinkarte mit vielen deutschen Weinen, hauptsächlich Riesling, gibt. Das hat mich sehr fasziniert, da ich nur sehr selten in einem chinesischen Restaurant richtig gut gegessen habe und die Weinauswahl mich eher abgeschreckt hat. Meistens habe ich mir Tee bestellt.

Beim Blättern durch die Neuerscheinungen des Tre Torri Verlag fiel mir sofort das Kochbuch Die China-Küche des Herrn Wu auf. Ich war mir sicher, das konnte nur ein Kochbuch aus diesem Restaurant sein und ich war sehr neugierig darauf.



Jianhua Wu und seine Frau Huiquin Wang, kamen zum Ingenieurs-Studium nach Berlin und leben seit rund 30 Jahren hier. Irgendwann entdeckten sie ihre Liebe zur Gastronomie und eröffneten 2007 das Hot Spot. Angangs lief es mühsam an, bis Christian Lohse zum Essen kam und später noch mit einem Fernsehteam, um die erwähnte Dokumentation zu drehen. Danach konnte sich Herr Wu vor Gästen kaum mehr retten.

Mit dieser Geschichte und wie Herr Wu Wein entdeckte und sein großes Wissen darüber erwarb sind wir schon mittendrin in der chinesischen Kulinarik. Das ist informativ und unterhaltsam erzählt. Auch an die Beschreibung der Grundausstattung für das chinesische Essen wurde gedacht.

Die Rezepte starten mit den Grundrezepten. Das finde ich gut, da diese normalerweise am Schluß eines Buchs sind und somit weniger Aufmerksamkeit erfahren. Eigentlich startet das Kochen mit den Grundrezepten. Dann ist man gut gerüstet für die Gerichte.

Die Rezeptkapitel haben schöne sprechende Namen und ich wusste sofort in welchem Kapitel ich nachschaue. So kann man die Gerichte situativ oder stimmungsbezogen auswählen.
- Ein ganz normaler "Hot Spot"-Abend - Herr Wu serviert unkompliziertes
- Es ist Sommer und draußen ist es richtig heiß - Herr Wu serviert vor allem Gerichte, die in China traditionell als kühlend gelten
- Es ist Winter, uns ist kalt - Herr Wu serviert wärmendes
- Wir möchten heute kein Fleisch
- Wir feiern am großen runden Tisch, Herr Wu hat einiges vorbereitet
- Die Weinrunde trifft sich, Herr Wu serviert vor allem mildere Gerichte
- Das kocht Herr Wu zu Hause für sich und seine Familie
Damit ist schon gesagt, dass die Rezepte für unterschiedliche Jahreszeiten und Anlässe geeignet sind, ohne dies langatmig erklären zu müssen. Zu jedem Kapitel gibt es noch ein passendes stimmungsvolles Foto mit chinesischen Straßenszenen. Jedes Rezept ist auf einer Doppelseite dargestellt, mit dem Text auf der einen und dem Rezeptbild auf der anderen Seite.

Besonders erfreulich ist, dass die Rezepte ohne ellenlange Zutatenlisten auskommen. Die wenigen exotischen Zutaten werden in einem Glossar vorgestellt. Wobei diese Zutaten heute gar nicht mehr so exotisch sind und bereits in gut sortierten Supermärkten zu finden sind. Abschließend gibt es noch ein alphabetisches Rezeptregister.

Die Auswahl der Rezepte fiel mir sehr leicht und ich habe sie aus den beiden ersten Kapiteln ausgesucht. Zu der Zeit war es sehr heiß und ich habe die drei Gerichte nach der Arbeit, zum Abendessen gekocht. Also musste es schnell gehen.

Vor ungefähr 20 Jahren habe ich viele Kochkurse bei einer Chinesin aus Singapur gemacht und dort einen Geschmack kennengelernt, der mich sehr angesprochen hat und der in den chinesischen Restaurants leider nicht anzutreffen war. An jedem Abend kochten wir eine Auswahl von Gerichten aus allen vier kulinarischen Regionen Chinas. Sehr bewusst habe ich mich für ähnliche Gerichte aus dem Buch entschieden, um vergleichen zu können. Die drei Rezepte haben perfekt so funktioniert, wie beschrieben. Es war unkompliziert, ging schnell und geschmacklich hat es mich begeistert.



Gurke breitgeschlagen mit Reisessig und Knoblauch


Gedämpfter Wolfsbarsch mit Ingwer, Frühlingszwiebeln und Sojasauce










Lammfleisch mit Zwiebeln















Diese drei Gerichte würde ich auch jederzeit als kleines Menü für Gäste servieren und ich würde mich trauen, mit dem Kochen erst zu beginnen, wenn ich von der Arbeit heimkomme.

Herr Wu und Frau Wang stammen aus unterschiedlichen Regionen Chinas und so ist ihre Küche auch ein spannender Mix aus den milden Gerichten Shanghais und der scharfen Sichuan-Küche. Es ist ihnen gelungen, die Gerichte für europäische Gaumen anzupassen, ohne sie geschmacklich zu verfremden. Besonders gut finde ich, dass die Rezepte mit wenigen und gut erhältlichen Zutaten auskommen.

Die China-Küche des Herrn Wu ist sehr empfehlenswert für Liebhaber der chinesischen Küche, die den authentischen Geschmack schätzen und dies auch im Alltag einfach umsetzen wollen. Auch für Einsteiger ist das Buch sehr gut geeignet, da es kurzweilig die wichtigsten Grundbegriffe erläutert und die Rezepte sich leicht umsetzen lassen. Das Buch ist so, wie ich mir ein chinesisches Kochbuch immer gewünscht habe.

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