Montag, 8. Juni 2015

Das Kerrygold Ballymaloe Literatur Festival
of Food and Wine

Ballymaloe ist ein kulinarischer Hot-Spot in der irischen Region Cork. Seine Geschichte ist untrennbar mit der Familie Allen verbunden. Seit 1964 lenkt die Familie die Geschicke des Anwesens. Gestartet wurde mit einem Restaurant und später mit einem Hotel ergänzt, damit Gäste auch übernachten konnten. Der Küchenchefin Myrtle Allen gelang es in den Jahren 1975 bis 1980 für ihre moderne irische Küche mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet zu werden. Damals achtete sie bereits auf frische und regionale Lebensmittel, die überwiegend von der eigenen Farm kamen. Daraus kochte sie einfache, aber sehr feine und geschmackvolle Gerichte.

Ende der 60er stellte sie die junge Köchin Darina ein, die später ihre Schwiegertochter wurde und 1983 die Ballymaloe Cookery School gründete. Darina Allen ist mittlerweile eine prominente irische Köchin, Kochbuch-Autorin und Pionierin der Slowfood-Bewegung in Irland. Sie lebt die Idee "from farm to table" und Ballymaloe bietet mit der großen Bio-Farm, auf deren Gelände das Restaurant, das Hotel und die Kochschule liegen, die besten Voraussetzungen um hochwertige Lebensmittel in Bio-Qualität zu erzeugen und mit Koch-Kompetenz den Gästen wunderbares Essen zu servieren.

Die Kochschule von Darina Allen gilt als eine der besten weltweit. Man kann dort nicht nur Kochkurse zu den unterschiedlichsten Themen belegen, sondern auch eine dreimonatige Koch-Ausbildung machen. Claudia von Fol for Food hat vor fünf Jahren dort die Kochausbildung gemacht und in einer Serie sehr eindrücklich darüber berichtet. Diese Berichte findet Ihr hier.

Heuer fand bereits das dritte Mal das Kerrygold Ballymaloe Literatur Festival of Food and Wine statt. Wie der Name schon sagt stehen Literatur und Kulinarik im Mittelpunkt und es treffen sich viele Küchenchefs, Produzenten, Autoren und kulinarisch interessierte Menschen zu einem genussvollen und fröhlichen Event.

Auf Einladung von Kerrygold durfte ich heuer an diesem schönen Festival teilnehmen. Es war meine erste Reise nach Irland, auf die ich mich sehr gefreut habe. Mir wurde klar, dass ich über Irland nur sehr wenig weiß. Das Stichwort "Irland - die grüne Insel" spuckte in meinem Kopf herum und ich erinnerte mich dunkel an Erzählungen von Freunden, die dort in Urlaub waren. Egal, meine Vorfreude und Neugierde waren riesig und ich darf es schon einmal vorweg nehmen: es war noch viel schöner, als ich mir vorgestellt hatte. Jetzt bin ich sehr großer Irland-Fan, besonders der Weg zu nachhaltiger Landwirtschaft und Genuss, den Irland eingeschlagen hat, hat es mir sehr angetan.

Gleich nach der Landung in Dublin ging es schnell zum Bus, da unser Flieger aus München etwas Verspätung hatte. Die Fahrt nach Cork bestätigte schon einmal meine rudimentäre Information, dass Irland eine grüne Insel ist. Wir fuhren durch eine sattgrüne Hügellandschaft, die eher ländlich geprägt war und auch die ersten Kuh- und Schafherden konnten wir entdecken.

Im Hotel Castlematyr angekommen, blieb keine Zeit das schöne Haus zu entdecken. Ich mochte sofort die Stimmung, da gerade eine Hochzeit gefeiert wurde. Elegante Gäste standen in kleinen Gruppen in den historischen Räumen und tranken ihren Aperitif. Wir durften gleich weiter zur Eröffnung des Litfestivals auf dem Gelände der Farm. Wir mischten uns unter die Festgäste und zu unserer Freude konnten wir den bekannten amerikanischen Blogger David Lebovitz kennen lernen. Sehr angetan war ich auch von dem Sahnelikör (den ich über 10 Jahre nicht mehr getrunken hatte) und den kleinen Bärlauch-Tartelettes. Darina Allen hielt die Eröffnungsrede und begeisterte mit ihrer Liebe zu nachhaltigen regionalen Produkten. Da merkte man schon, dass sie das liebt, was sie tut.



Auf dem Weg in die große Scheune zum Abendessen entdeckten wir schon die ersten charmanten Motive. Diese liebevollen Dekorationen und der Vintage-Chic waren überall zu entdecken und gaben dem Festival gleich eine entspannte Stimmung. Ich habe mich von der ersten Sekunde an sehr wohl gefühlt und das hat die ganzen schönen Stunden in Irland angehalten.



In der großen Scheune spürte man den Geist des Festivals und viele Leute sind zusammen gekommen, um gemeinsam gut zu essen und zu trinken und eine schöne Zeit zusammen zu verbringen. Für unsere nette Reisegruppe war schon eine große Tafel vorbereitet und dann kamen unzählige Schüsselchen und Tellerchen auf den Tisch. Darauf waren tolle Gerichte, die aus den hochwertigen Lebensmitteln der Farm gekocht waren. Es gab Pizza aus dem Holzofen, Gemüsechips und geräucherten Lachs auf selbstgemachtem Brot gegen den ersten Hunger. Danach probierten wir uns durch eine bunte Auswahl: Vietnamesisches Pork Stew, Marokkanisches Gemüse mit Cous Cous, Fisch Stew mit Butterbohnen und Majoran, Pommes mit Knoblauch-Aioli, Safran-Huhn mit indischen Gewürzen und Basmatireis und eine riesige Schüssel mit einem Buchweizensalat mit Granatapfel. Dazu tranken wir verschiedene Bio-Weine und ein ausgezeichnetes irisches Craft Cider.




Beim Dessert konnte natürlich auch niemand widerstehen. Aus der Marshmellow-Auswahl mochte ich die mit Zitronen-Ingwer-Geschmack am liebsten. Sehr fein war auch das Eis in der Waffel und für Käseliebhaber gab es eine Käse-Auswahl von Kerrygold. Überrascht war ich vom Blauschimmelkäse, der angenehm mild im Geschmack war.




Schweren Herzens verließen wir das Festivalgelände, aber wir wollten vernünftig sein, da auch am nächsten Tag ein umfangreiches Programm auf dem Plan stand. Am nächsten Morgen begrüßte uns Irland mit Sonnenschein. Ich nutzte das gleich und machte auf dem Weg zum Frühstück, in dem weitläufigen Hotelpark und im Hauptgebäude, ein paar Fotos.




Für den Samstag standen einige Workshops und Veranstaltungen auf dem Plan. Das Litfestival bietet nicht nur die Möglichkeit sich zu informieren, zu essen und eine gute Zeit zu haben. Man kann auch viele Produkte aus kleinen Manufakturen oder Gemüse- und Kräuterpflanzen kaufen. Das Interesse der Besucher ist sehr groß. Es gibt die Gelegenheit aus einem riesigen Angebot von Veranstaltungen auszuwählen und sich über alle möglichen Ernährungsthemen zu informieren. Die Referenten sind so hochkarätig, dass ich mich am liebsten geklont hätte, um alle meine Vorlieben zu bedienen. Manchmal tut es auch gut, wenn man sich fokussiert und ich habe mir drei sehr unterschiedliche Themen ausgesucht. Im Nachhinein habe ich ein sehr gutes Gefühl, die richtige Wahl getroffen zu haben.




Gleich um 9.00 Uhr morgens ging es los, mit einem Besuch der Ballymaloe Cookery School. Sie liegt ca. 4 km von dem Festivalgelände rund um Ballymaloe House entfernt und ist Versuchung pur. Bereits am Eingang gibt es ein Regal, in dem frisches Gemüse und Kräuter von der Farm angeboten wurden. Insgeheim begann ich meinen sehr kleinen Koffer zu verfluchen. Die Qualen gingen in dem Shop gleich weiter. Es gab Geschirr, Küchenartikel und frische Lebensmittel wie z. B. Joghurt, Wurst und herrliche Hühner. Meine Shopping-Laune stieg ins unermessliche, aber ich blieb vernünftig. Und so durften nur Tonkügelchen zum Blindbacken mitkommen. Sie werden mich immer daran erinnern, wie glücklich ich auf dieser Reise war.




Wir wurden sehr liebevoll mit heißen und kalten Getränken und selbst gebackenem Kuchen empfangen. Dann ging es in die Cooking Demonstration von April Bloomfield oder Allegra McEvedy. Ich wäre natürlich am liebsten bei beiden Köchinnen Zaungast gewesen, aber das war nicht möglich, da die Veranstaltungen zeitgleich waren. So hatte ich im Vorfeld beide Köchinnen recherchiert und mich mit meiner Freundin Zorra vom Blog Kochtopf abgestimmt, da wir möglichst viel Zeit zusammen verbringen wollten. Wir entschieden uns für April und die anderen Teilnehmer unserer Reise besuchten Allegra.




Darina Allen begleitete persönlich die Koch-Demonstration und beide Damen haben mich nachhaltig beeindruckt. Darinas Präsenz und Ausstrahlung haben mich gleich in den Bann gezogen. April hat mich mit ihrer Ruhe, ihrem Überblick und besonders mit ihrem Kochstil sehr begeistert. In dieser Demonstration (ich vermeide sehr stark den Begriff Koch-Show, denn das war es glücklicherweise nicht; es ging nur um die Vermittlung von Koch-Know-How und nicht um pseudo-witziges Getue) zeigte sie Gemüsegerichte aus ihrem neuen Kochbuch. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut, da sie das Gemüse im Eigengeschmack belässt und mit passenden Aromen ergänzt. Es ist keine vegetarische Küche, es ist Gemüse-Küche und damit geht es um Genuss und nicht um Dogma. Sie hat bei ihren Gerichten z. B. auch Anchovis und Bottarga benutzt.




In drei Stunden bezauberte April nicht nur das Publikum, sie zauberte auch jede Menge wundervoller Gerichte. Im Verlauf der Veranstaltung wächst natürlich beim Publikum das Interesse diese Köstlichkeiten nicht nur theoretisch zu erleben. Zu meiner großen Freude, konnte man sich am Ende der Vorführung mit einem Teller anstellen. Darina und viele ihrer Köchinnen sorgten blitzschnell dafür, dass man von jedem Gericht eine kleine, aber umfassende, Kostprobe auf dem Teller hatte. Nicht nur der Weg zu diesen Gerichten war sehr überzeugend für mich, auch der Geschmack war ein sehr feines Erlebnis. Geschmeckt hat mir alles. Im Moment stehen auf meiner Nachkoch-Liste ganz weit oben der "Gebratene und rohe Fenchelsalat mit Blutorangen und Bottarga" und "Gebratene Karotten mit Karottengrün-Pesto und Burrata". Sehr gut gefallen haben mir auch die "Würz-Karotten mit Joghurt", die "im Topf gerösteten Artischocken", der "im ganzen gebratene Blumenkohl mit Tomaten und Anchovis" und die "Tagliatelle mit Spargel und Parmesan". Es gibt also noch viel für mich zu tun und ich bin froh, dass wir ein sehr umfangreiches Rezeptheft bekommen haben.




Nach dem Kochkurs erkundeten Zorra und ich die Umgebung rund um die Kochschule. Wir entdeckten verschiedene Gärten, die mich an französische Schloßgärten erinnert haben. Am höchsten schlägt mein Herz aber für Küchen-, Kräuter- oder Obstgärten. Und auch das hat ganz viel Platz auf Ballymaloe. Glückliche Hühner und Gänse haben wir auch noch entdeckt. Wobei wir uns nicht so sicher waren, ob die Gänse glücklich waren. Die machten den Eindruck, als ob sie Eheprobleme hätten..... 





Das Herumlaufen in den weitläufigen Gärten hat uns durstig gemacht und wir fuhren zurück auf das Festival-Gelände. So sieht eben perfekte Event-Planung aus, wenn als nächstes eine Irish Craft Cider-Verkostung auf dem Plan steht. Unter der Leitung des renommierten Wein-Journalisten Leslie Williams probierten wir verschiedene Cider und diskutierten mit den Produzenten. Ich trinke gerne mal einen Cider im Sommer, wenn es heiß ist. Eine neue Erkenntnis für mich war, dass Cider in Irland als der neue Wein angesehen wird. Eigentlich ist das nur konsequent, da der Weinbau dort nicht existent ist. Vor einigen Jahren habe ich einen großen Rhabarberwein-Produzenten aus Norwegen kennengelernt. Rhabarber wird dort im großen Stil zu Obstwein vergoren und im Sinne von Regionalität ist das auch der richtige Ansatz. Cider, der aus Äpfeln gemacht wird, gefällt mir allerdings viel besser. 




Ein klein wenig Zeit ist uns geblieben, um noch über das Festival-Gelände zu schlendern und die vielen tollen Stände zu entdecken. Ich hatte ja immer noch meinen kleinen Koffer im Gedächtnis und hielt mich sehr zurück. Mein Tipp für Euch wäre auf jeden Fall mit Koffer-Freiraum zu reisen, falls ihr einmal das Festival besucht. Es gibt wirklich sehr viele tolle Dinge zu kaufen. Mein Interesse an Kulinarik besteht schon seit vielen Jahren und ich habe viele kulinarische Festivals, Messen und Events besucht. Irgendwann kommt man an den Punkt, wo man das Gefühl hat, alles gesehen zu haben. Das war hier ganz anders. Da habe ich so viele schöne und neue Dinge entdeckt.




Der dritte Programmpunkt von Zorra und mir war der Besuch des Fermentations-Workshops bei der britischen Kochbuch-Autorin Charlotte Pike. Sie zeigte uns Muffins und Fladen mit Sauerteig-Starter. Zusätzlich demonstrierte sie die hohe Qualität des lokalen Joghurts und veredelte ihn mit Kräutern und Olivenöl zu einem libanesischem Labneh. Zu trinken gab es Kefir mit verschiedenen Aromen, wie Beeren oder Ingwer, verfeinert. Diesmal waren wir nicht im "Koch-Hörsaal", sondern in einer der Profi-Küchen. Auch hier war die Persönlichkeit von Darina Allen zu spüren und es waren wieder kleine liebevolle Details, wie ein frischer Blumenstrauß, zu finden.




Nach einer kleinen Verschnaufpause im Hotel ging es zurück zu Ballymaloe House. Ich war mittlerweile seit 1 1/2 Tagen in Irland und bewegte mich auf einer glückseligen Wolke von kulinarischen Highlights. Jetzt war der Zeitpunkt für das Gala-Dinner, in den Räumen des berühmten Restaurants, gekommen. Von der ersten Sekunde an mochte ich einfach alles. Das alte Haus mit der riesigen Glyzinie, das Licht, der Blick vom Balkon über die Gärten und Gewächshäuser, den festlich gedeckten Tisch, das Strahlen in den Augen der Gäste und die magische Stimmung von diesem besonderen Ort.




Überall und zu jedem Zeitpunkt verspürt man ihre Hand: Darina Allen. Es war mir eine ganz besondere Ehre, dass ich sie kennen lernen durfte. Ihre kleine marokkanische Handtasche lag ausgerechnet auf meinem Stuhl, als sie die Gäste begrüßte und das Menü vorstellte. Vielleicht ein ganz kleines Zeichen der Verbundenheit.

Danach erzählte der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney. wie er in der Schule gelernt hatte, dass Irland keine Bodenschätze besitzt. Heute sieht er das anders. Irland kann aus dem Vollen schöpfen, seine Ressourcen liegen im Boden, seinem milden Klima und seinen Menschen, die mit Begeisterung die neuen Potentiale nutzen. Das Land entwickelt sich immer stärker zu einem Produzenten hochwertiger Lebensmitteln und einer Genussregion.

Für das Menü durften wir innerhalb der einzelnen Gänge wählen. Mein Tischherr Uwe und ich ergänzten uns perfekt mit unterschiedlicher Menü-Wahl und gegenseitiger "Essens-Fotografiererei".




Zum Auftakt konnten wir zwischen einem Duft-Geranien-Sorbet und einer Frühlingzwiebel-Suppe wählen. Bei der Vorspeise standen Rinder-Carpaccio mit junger Rote Bete und Meerrettichsauce und Hummer mit Majoran und Zitrone zur Wahl. Der Hummer wird frisch vor Ort gefangen und nicht weit transportiert. Es ist ein seltenes Glück so frischen Hummer zu bekommen und so hat er auch geschmeckt.



Im Hauptgang entschieden sich fast alle für das Lamm mit jungen Karotten, Frühlingszwiebeln und Minz-Bearnaise. Danach wurden das Käsebrett mit einer Auswahl von Kerrygold Käse und selbst gebackenen Crackern und der große Dessertwagen serviert. Darauf befanden sich nur Traditionsdesserts des Hauses, die seit 50 Jahren den Gästen angeboten werden. Es war ein unglaublich schöner und inspirierender Tag, der mit diesem Gala-Menü seinen perfekten Abschluss fand.


Wer mich kennt, der kennt auch meine Liebe zu den Kochbüchern und meine ganz große Begeisterung für signierte Kochbücher. Dementsprechend schwer war auch mein Koffer und ich möchte Euch hier meine passenden Kochbuch-Empfehlungen geben:

April Bloomfield:
A Girl and Her Pig
A Girl and Her Greens

Allegra McEvedy:
In 120 Rezepten um die Welt

Darina Allen:
Ballymaloe Cookery Course

Charlotte Pike:
The Hungry Student Cookbook



Die Berichte der Kollegen bieten weitere Informationen und schöne Fotos:
Uwe von Highfoodality
Thomas von Omoxx
Tanja von Foodistas


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