Mittwoch, 24. Februar 2016

Rezension: Kolja kocht von Kolja Kleeberg

Auf das neue Kochbuch "Kolja kocht" von Kolja Kleeberg war ich sehr gespannt und musste lange darauf warten. Ich habe die Neuerscheinungen der Verlage immer im Augenwinkel und überlege mir gleich, ob das interessant wäre für mich. Manchmal muss ich mich in Geduld üben, weil die unterschiedlichsten Dinge rund um die Produktion eines Kochbuchs passieren können.

Mein Interesse an Kochbüchern von Sterneköchen "für den Hausgebrauch" ist immer groß. Im Alltag versuche ich besonders die kleinen Handgriffe, die wenig Arbeit machen und viel Wirkung haben,  anzuwenden. Im Laufe meines Lebens habe ich mir da viele Dinge bei Kochkursen, in persönlichen Gesprächen oder aus Kochbüchern abgeschaut. Oft werde ich belächelt, weil ich "Sterne kochen" will. Das ist schlecht beobachtet. Ich will, auch im Alltag, mit wenig Aufwand gutes Essen auf den Tisch bringen. Dazu gehören nicht nur hochwertige Produkte, dazu gehört auch, dass man sie richtig behandelt. Und genau in diesem Segment sehe ich dieses neue Kochbuch.




Kolja Kleeberg gilt als der Künstler und Feingeist unter den Köchen. Vor seiner Kochlehre nahm er Schauspiel- und Gesangsunterricht und war beim Stadttheater Koblenz tätig. Ein Schulfreund animierte ihn zu einer Ausbildung als Koch im Restaurant "Le Marron" in Bonn. Die Zeit als Commis de Cuisine verbrachte er bei Eduard Hitzberger in Berlin. 1996 übertrug ihm Josef Viehhauser, der damals im "Le Canard" kochte, die Küchenleitung des "VAU" in Berlin. Die finanziellen Schwierigkeiten von Viehhauser ermöglichten ihm, das Restaurant zu übernehmen. Aus dem "Le Canard" wurde das "Le Canard Nouveau" unter dem Leitung von Ali Güngörmüs, der ebenfalls im Fernsehen Karriere machte.

Von diversen Kochsendungen ist Kolja Kleeberg einem breiten Publikum bekannt. Er startete bei "Kerner kocht" bzw. "Lanz kocht" und ist heute noch bei der "Küchenschlacht" im ZDF zu sehen. Bei Kerner und Lanz habe ich ihn gerne gesehen und mich besonders an seinen kultur-historischen Erzählungen zu einem Gericht erfreut. Das scheint mir auch sein Markenzeichen zu sein. In seinem Restaurant habe ich vor mehr als fünf Jahren einmal gegessen. Das war ein sehr schöner Abend im Kreis von internationalen Freunden. Ich erinnere mich gerne daran, dass er an den Tisch kam und, als er bemerkte, dass wir englisch sprachen, sofort darauf eingegangen ist. Es war ein ganz besonderes Erlebnis, von dem zwei Schwedinnen, die in Tanzania leben, heute noch gerne erzählen.

Zurück zum Kochbuch, das sich mit einem stabilen Hardcover-Einband und einem roten Lesebändchen präsentiert. Das Format ist etwas kürzer als DIN A 4. Die Rezept-Kapitel sind grob unterteilt in "Quick & Easy" und "Slow & Fine". In diesen beiden Kategorien gibt es Rezepte für "Vorspeisen", "Zwischengerichte", "Hauptgerichte" und "Desserts". Damit hat man schon einmal eine grobe Richtung, falls man ein 4-Gang-Menü kochen möchte. Aufgelockert wird der Rezeptteil mit allgemeinen Hinweisen wie z. B. zu Bratkartoffeln, Eiern, Nudeln oder Hackfleisch.

Jedes Rezept wird auf einer Doppelseite vorgestellt. Auf der einen Seite findet sich das Rezept mit Zutatenliste und Beschreibung. Positiv fällt auf, dass die meisten Rezepte für 2 Personen sind und dies ebenso deutlich gekennzeichnet ist, wie die Zubereitungszeit. Die zweite Seite ist für das Rezeptfoto reserviert. Wer von den Hochglanz-Fotos der Foodblogger begeistert ist, wird von den Bildern enttäuscht sein.

Ergänzt werden die beiden großen Rezept-Kategorien mit Grundrezepten für Fonds, Teige, etc. Das Rezeptregister listet brav alle Rezepttitel innerhalb der Kapitel alphabetisch auf. Das ist leider schade, da es kaum einen Mehrwert zum Inhaltsverzeichnis bringt. Wünschenswert wäre ein alphabetisches Register aller Rezepttitel gewesen,  mit Angabe zur jeweiligen Rezeptkategorie. Als Fleißaufgabe würde sich noch ein Zutaten-Register anbieten, mit Auflistung der passenden Rezepte. Beides ist leider nicht zu finden.

Beim Praxistest habe ich mich davon leiten lassen, was mir spontan in das Auge gesprungen ist und so habe ich Rezepte aus den beiden Kategorien "Quick & Easy" und "Slow & Fine" ausprobiert. Die Idee hinter den Rezepten hat mich jeweils begeistert. Hier war die Kreativität von Kolja Kleeberg deutlich zu erkennen. Leider, und das hat mich sehr traurig gemacht, waren die Rezepte nicht zuverlässig. Da stimmten Garzeiten nicht oder waren Mengen nicht richtig kalkuliert. Mit meiner Erfahrung konnte ich alle Rezepte so kochen, dass das Gericht ein Genuss war. Die Grundidee und der Geschmack waren sehr gut, aber die Rezepte wurden leider nicht konsequent bearbeitet. So wichtig, wie mir diese Art von Kochbüchern ist, für genauso wichtig halte ich die Übersetzung von "Koch-Sprech" in "Hausfrauen-Sprech". Wenn das gelingt, dann ist die Qualität des Kochbuchs gesichert.

Wir haben dreimal sehr gut gegessen und das Gericht mit der Leber bekommt ein großes Extra-Sternchen von mir.

Grobe Bratwurst mit Mandeln und Salbei und Marzipan-Kürbis-Püree 

Hackfleischspieße auf persische Art mit Zitronenbutter und Gurken-Minz-Joghurt

Kreuzberger Leber mit Sumach

Fazit:
"Kolja kocht" von Kolja Kleeberg bietet schöne Anregungen für alltags-taugliche Gerichte mit Pfiff. Man sollte etwas Kochkompetenz mitbringen, um einen Blick für die kleinen Stolpersteine in den Rezepten zu haben. Trotzdem lässt sich so manche neue Methode mitnehmen und man kann dadurch seine Kompetenz erweitern.

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