Donnerstag, 2. Juni 2016

Rezension - Alexander Huber:
Der Huberwirt - Meine neue bayerische Wirtshausküche

Meine erste Begegnung mit Alexander Huber war eine mündliche Empfehlung. "Geh' da hin", sagte meine Blogger-Freundin Astrid, die noch völlig begeistert von einem Besuch dort war. Obwohl meine Anreise in das tiefe Niederbayern kürzer ist, als ihre, geschafft habe ich es nicht. Meine zweite Begegnung mit Alexander Huber war immerhin schon persönlich. Ich traf ihn beim Genusslabor der Jeunes Restaurateurs, wo er das neue Genussnetz präsentierte. Die dritte Begegnung mit ihm war endlich in Pleiskirchen, wo der Huberwirt seit 1612 steht und mit Alexander Huber steht die 11. Generation am Herd. Dort wurde sein erstes Kochbuch "Der Huberwirt - Meine neue bayerische Wirtshausküche" vorgestellt.


Der Huberwirt steht da, wo eine bayerische Wirtschaft stehen muss, neben der Kirche. Im Hof wurden Kleinigkeiten (alles Rezepte aus dem neuen Kochbuch) serviert. Stolz präsentierte Alexander Huber sein Buch.

Auch beim Menü konnten wir Rezepte aus dem Kochbuch kennenlernen. Die Weinbegleitung an diesem Abend kam vom Winzerhof Stahl aus Franken. Der Verleger Dr. Thomas Hauffe (Edition Fackelträger) begrüßte die Gäste und stellte das Buch näher vor.

Aufgewachsen ist Alexander Huber im elterlichen Betrieb Huberwirt, wo seine Mutter (auch heute noch) kocht und sein Vater den Service leitet. Danach absolvierte er seine Lehr- und Wanderjahre in der Sternegastronomie. Stationen waren das Bareiss im Schwarzwald, das Tantris in München und der Döllerer in der Nähe von Salzburg. Seit 2006 ist er zurück und hat die Leitung der Küche im Huberwirt übernommen. Den ersten Michelinstern hat er sich 2013 erkocht und hält ihn bis heute.

Ein Traditionshaus, wie der Huberwirt, mit einer 400-jährigen Geschichte hat es verdient genauer vorgestellt werden. So ist der Auftakt eine kleine Widmung des Hauses und der Familiengeschichte. Die Rezeptkapitel enthalten Originalrezepte aus dem Restaurant und sind nach der klassischen Menüfolge in Kombination mit saisonalen Ereignissen kombiniert. Überschrieben sind sie mit: Starter, Ewige Klassiker, Fisch & Co., Meine Wirtshauskuchl, Tanz in den Mai, Sommergenuss, Süsses für sonnige Tage, Wild nach Aroma, Wintasonn-Desserts, Kirta in Pleiskirchen und Grundrezepte.

Der Huberwirt legt großen Wert darauf, dass traditionelle bayerische Wirtshausküche auf Sterne-Niveau präsentiert wird. So haben ganz klassische Gerichte, wie das Böfflamott oder die Roulade Einzug in das Buch gehalten. Wer sich fragt, wie man diese Schmorgerichte optisch attraktiv auf den Teller bekommt, der findet in diesem Buch gute Anregungen.

Jedes Rezept wird auf einer Doppelseite vorgestellt. Die ganzseitigen Rezeptbilder gefallen mir besonders gut, da sie nur das Gericht auf einem Teller zeigen, so wie er im Restaurant serviert wird. Auf jede sonstige, und in meinen Augen überflüssige, Dekoration wurde verzichtet. Das Rezept selbst hat meist lange Zutatenlisten, die aber ihren Schrecken verlieren, wenn man sich damit beschäftigt. Viele dieser Zutaten sind Gewürze bzw. Aromaten. Besonders positiv ist, dass die Zutaten gut erhältlich sind. Manche "Exoten" werden eher für die Dekoration eingesetzt und darauf kann man beim Nachkochen auch verzichten. Die Rezepttexte sind gut beschrieben. Die Rezepte sind anspruchsvoll, aber für Hobbyköche gut umsetzbar. Es ist hilfreich, wenn man schon etwas Kocherfahrung hat. Ich habe mich beim Nachkochen für "Sashimi von der Forelle mit Rettich und Gurken" entschieden, da ich das bei der Präsentation bereits probieren konnte und es mir sehr gut geschmeckt hat.


Mit dem Rezept bin ich sehr gut zurecht gekommen. Ein paar Zutaten für die Dekoration habe ich weggelassen und beim Fisch musste ich auf eine andere Sorte zurückgreifen. Trotzdem tat das dem Genuss keinen Abbruch. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Mengen so gut gepasst haben. Dieses Rezept besteht aus den Komponenten Sashimi, Rettich, Gurke und Misocreme. Alle vier Mengen haben gestimmt und nach dem Essen gab es keine Reste.

Abgerundet werden die Rezepte von einem Zutaten-Glossar und einem alphabetischen Rezept-Register am Schluss.

Fazit:
"Der Huberwirt - Meine neue bayerische Wirtshausküche" ist ein ganz besonders schönes Kochbuch. Es überzeugt mit der Gestaltung und mit dem Inhalt. Wer mit "normalen" Zutaten fein kochen und attraktiv anrichten möchte, der wird von diesem Buch begeistert sein. Es ist für Profiköche und Hobbyköche sehr gut geeignet.

Kommentare:

  1. Ich kann mich auch noch erinnern, dass ich damals gesagt habe, da liegt der Stern schon auf dem Tisch. Und kurz drauf war er da :)

    Einen schönen Artikel hast Du geschrieben!

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  2. Griass Gott - es is no Oberbayern, nix Niederbayern :), Do leng mia grossn Wert drauf! Scheene Griass aus Oberbayern vo da Regina ausn Nachbarlandkreis Muihdorf

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  3. "Wer mit "normalen" Zutaten fein kochen - ... - möchte"

    - ich weiß nicht mal, was Sashimi überhaupt ist. In einem bayerischen Kochbuch als "normale" Zutat?

    Aber was soll's - danke für diese Rezension, sie ist gut geschrieben und ausreichend detailliert. Und ich weiß damit jetzt auch, daß das besprochene Kochbuch definitiv nix ist für mich :)

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    1. Schade, dass Du Dir das verlinkte Rezept nicht angesehen hast. Dann hättest Du gesehen, dass die Zutaten gut zu besorgen sind und Sashimi heißt das Gericht und ist keine Zutat.

      Ich bekomme alle die dafür notwendigen Zutaten in meinem Supermarkt in der Nähe, sogar in Bio-Qualität. Weshalb versuchst Du nicht einmal etwas Neues?

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