Dienstag, 27. Mai 2014

Rezension: Das persische Kochbuch von Gabi Kopp

Von ihren Reisen in den Iran hat Gabi Kopp traditionelle Rezepte mitgebracht und in dem persischen Kochbuch, erschienen bei Jacoby & Stuart, veröffentlicht. Für die persische Küche interessiere ich mich schon länger, weil ich eine große Liebhaberin der orientalischen Küchen bin. Dabei ist es für mich wichtig die original Aromen zu schmecken. Leider habe ich es nicht geschafft den Iran zu bereisen, glücklicherweise konnte ich aber eine fundierte Kennerin der persischen Küche kennen lernen und einen Kochkurs bei ihr machen. Ich besitze nur zwei persische Kochbücher und ich tue mich immer schwer damit, die Authentizität zu beurteilen. Deshalb bin ich Heidi sehr dankbar, dass sie diesen Part für mich übernommen hat:


Durch eine Freundin bin ich auf "Das persische Kochbuch" aufmerksam geworden. Natürlich dachte ich, nach 44 Jahren gemeinsames Leben mit einem Perser und viel Interesse an der persischen Küche brauche ich so ein Buch eigentlich gar nicht mehr. Dann hab ich ein wenig geblättert und dachte mir, da stehen ja so unterschiedliche und regionale Speisen, von denen ich teilweise vorher noch nie etwas gehört hatte. Also musste ich mit diesem Buch meine persische Kochbuch-Kollektion erweitern…

Wunderbar fand ich die Einleitung. Für Nicht-Iraner-Kenner zeigt es doch geradezu bildlich wie im Persien (das heutige Iran, oder besser noch Islamische Republik Iran, aber Persien gefällt mir persönlich besser) Gäste bewirtet werden. Es wird gleich erklärt, zu welchem Anlass man welche Speisen zubereiten soll - wunderbar, wie ich fand!

Der Reis ist ja neben den Khoresch, Kebabs oder auch Khoraks die Hauptsache! Und der Tahdig ist das Beste daran. In diesem Buch wird wunderschön erklärt wie und mit was man Tadhig und Reis zubereiten kann.

Toll fand ich die Wanderung durch die unterschiedlichsten Regionen von Persien und das die offensichtlich jeweiligen Gastgeber von der Autorin vorgestellt und einbezogen worden sind.

Da der Iran knapp 5x so groß ist wie die heutige Bundesrepublik, kann man sich vorstellen wie unterschiedlich wohl die einzelnen Regionen sein werden. Das Buch beginnt in Shiraz, einer blumigen Stadt im Süden des Irans, nicht weit von Persepolis , der 2500 Jahre alten Palastruine von Darius des Großen.

Am bekanntesten aus dieser Region ist der Salad Schirasi. Das Rezept ist genauso wiedergegeben, wie ich es kennen gelernt habe. Eventuell hab ich es noch nicht mit Bitterorangensaft versucht, aber ein Versuch ist es wert. Dieser Salat wird ja entweder bei den Vorspeisen gereicht, oder zum Hauptgericht.

Das Kalam Polo Schirasi kenne ich als Kalam Polo und das wird mit Weißkohl zubereitet, ohne Kräuter wie Basilikum, Dill, Estragon und Tareh. Das war mal wieder was Neues in meinem Rezeptbuch und ich kann endlich auch mal mit Kohlrabi zubereiten!

Da mein Mann aus Teheran stammt, bin ich natürlich mit dieser Küche am besten vertraut, konnte aber auch hier feststellen, dass das Adas Polo ein wenig abgewandelt wurde. Und zwar mit Champignons, das kenne ich nicht, aber ich kenne einen Reis mit Pilzen. Ansonsten kann man, in Teheran das Adas Polo ja auch wunderbar mit kleinen Hackbällchen zubereiten, statt mit Datteln. Dort sind diese zwei Varianten üblich.

Natürlich gehören Schirin Polo und Dschaveher Polo zu meinen Favoriten. Sieht toll aus und wird immer wieder gerne gegessen. Ein wahrlich tolles Essen, nicht nur zur Hochzeitsfeier.

Ein wirklich tolles Kochbuch, auch für Einsteiger! Man bekommt alles von der persischen Küche erzählt und angeboten zum Nachkochen.

Nusche Jan, das bedeutet Guten Appetit.
Heidi Khan Shaghaghi




Die Schweizerin Gabi Kopp arbeitet als Illustratorin und Cartoonistin. Ihr großes Hobby Kochen hatte sie in den 80-ern sogar im Restaurant Widder in Luzern zum Beruf gemacht. Für dieses Kochbuch ging sie auf Reisen nach Schiras, Isfahan und Teheran und besuchte Köche aus diesen Regionen, um typische Gerichte kennenzulernen. Mit dem persischen Kochbuch konnte sie ihre beiden Leidenschaften, das Zeichnen und das Kochen kombinieren.

Das persische Kochbuch

Gabi Kopp nimmt uns mit auf ihre Reisen und erzählt von unterschiedlichen Festen und Koch-Traditionen jeder Region. Sie stellt uns die Köchinnen und Köche, sowie regional typische Zutaten und Rezepte vor. Jede Geschichte und jedes Gericht ist mit ihren schönen Zeichnungen illustriert. Es gibt keine Fotos von den Rezepten, was den charmanten Charakter des Buchs auch zerstören würde.

Nach einer kurzen Einführung in die persische Küche allgemein, wird das wichtigste Gericht, der persische Reis mit Kruste genau beschrieben. In den anschließenden Kapiteln Schiras, Isfahan und Teheran finden sich die Rezepte und die Geschichten. Damit ist das Buch nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein schönes Buch zum Lesen und Schmökern. Die typischen Zutaten mit Illustrationen und Beschreibungen finden sich am Ende des Buchs. Gut gefallen haben mir auch die vielen Register, falls man etwas bestimmtes sucht. Es gibt ein Register mit Fachbegriffen, ein Register mit einer Kategorisierung der Rezepte und ein alphabetisches Register.

Beim Ausprobieren der Rezepte war es ein Muss, den Reis mit der Kruste auszuprobieren. Mit der genauen Anleitung konnte gar nichts schief gehen und mir gelang eine Kruste, wie sie sein sollte. Dazu kochte ich einen Lammtopf mit Quitten und Pflaumen, weil ich noch eingemachte Quitten vom Herbst hatte. Besonders angesprochen haben mich natürlich die vielen glutenfreien Gebäcke und ich habe den Fokus darauf gelegt. Das war manchmal etwas schwierig, weil sie wegen dem fehlenden Kleber gerne zerbröseln. Geschmeckt haben sie gut und letztendlich haben sie gut funktioniert.


Lammtopf mit Quitten und Pflaumen
und Polo Tschelo
Persische Reismehlplätzchen
sogar glutenfrei
Persische Kichererbsenplätzchen
sogar glutenfrei
Persische Kichererbsenbällchen
sogar glutenfrei
















Das persische Kochbuch ist ein schönes und sehr liebevoll gestaltetes Buch. Es ist ideal, wenn man sich intensiv mit der persischen Kochkultur und den typischen Gerichten vertraut machen möchte. Und meine Freundin Heidi kann es auch sehr empfehlen. Vielen Dank, liebe Heidi, für Deine kompetente Beurteilung des Buchs.


Bildnachweis: Ariane Bille

Mein Beitrag zur großen Rezensions-Woche der Foodblogger - Jeden Tag ein Buch.


Kommentare:

  1. Dank an Frau Heidi für ihre mehr als kompetente Rezension. Vor allem aber, ich bin da eher misstrauisch, sparsam etc., war die Besprechung mehr als eine echte und unvoreingenommene Kaufhilfe. Ganz herzliche Grüße an die "Halb-Perserin" ;-)

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    1. Liebe Thea,
      vielen Dank für Deinen schönen Kommentar. Ich bin auch so glücklich, dass Heidi sich die Zeit genommen hat, das Buch zu beurteilen. Ich hätte es mir nicht angemaßt, die Authentizität zu beurteilen.

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  2. Vielen Dank für diese Buchvorstellung! Ich bin gerade von einer Iran-Reise zurück, die auch voller kulinarischer Schwelgereien war. Und nun suche ich nach Büchern, die mich diese Genüsse immer und immer wieder zu Hause wiederholen lassen. Soeben habe ich das erste gefunden! :-)

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    1. Dann freut es mich umso mehr, dass wir Deinen Geschmack getroffen haben, liebe Anett.

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    2. Gekauft! Und gleich noch ein weiteres: "Pistazien & Rosenduft" aus dem Mandelbaum-Verlag. Jedes Buch auf seine Art ein Volltreffer für mich.

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    3. Liebe Anett,
      danke, dass Du Dich nochmals meldest und Dir das Buch so gut gefällt. Ich verstehe Dich so gut, wenn man ein Land bereist hat, dann ist so ein Buch eine schöne Erinnerung. Mit den Rezepten kann man das dann immer wieder neu erleben. Deshalb war ich auch so froh um Heidis Meinung.

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