Donnerstag, 29. Mai 2014

Rezension: Hensslers Küche von Steffen Henssler

Hensslers Küche von Steffen Henssler ist 2006 im Zabert Sandmann Verlag erschienen und ich wollte es sehr gerne rezensieren, weil es stellvertretend für eine Entwicklung ist, die ich beobachte und ich einen hohen persönlichen Bezug dazu habe.

Steffen lernte ich 2011 persönlich kennen, als Heike und ich in der Sendung Topfgeldjäger angetreten sind, um uns ein paar Wünsche mit unseren Kochkenntnissen zu erfüllen. Das hat prima geklappt und wir lernten Steffen als sehr fairen und kompetenten Moderator kennen. Rund um die Sendung gab es ein paar kleine Begebenheiten, die ich nie vergessen werde. Ganz ehrlich, ich mag' Steffen Henssler und halte ihn auch für einen sehr guten Koch und vor allem für einen sensiblen Menschen mit Witz und einem blitzschnellen Verstand.

Auf dem Bildschirm tauchte er bei VOX als Ablösung von Tim Mälzer auf. Für mich war das eine deutliche Verbesserung und ich habe damals alle Folgen von "Ganz & Gar Henssler" gesehen. Bereits damals habe ich es besonders gerne gesehen, wenn er mit dem Messer gearbeitet hat. Ich glaube ich würde ihn immer unter vielen Köchen erkennen, wenn ich nur die Hände und das schneidende Messer sehen würde. Noch heute bin ich sehr fasziniert von seiner Schneidetechnik und seiner Geschwindigkeit. Seine Rezepte hatten die Exotic, Frische und Leichtigkeit, wie ich sie auf meiner ersten großen Reise mit Herrn bushcook nach Kalifornien kennengelernt habe.

Mit der Sendung Topfgeldjäger hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten. Für die Vorbereitung der Teilnahme habe ich natürlich begonnen mich sehr intensiv damit auseinander zu setzen. Und auch danach war ich sehr begeistert davon und habe mir jede Folge aufgezeichnet und abends angesehen. Mit dem Weggang von Steffen war es beendet. Die neuen Folgen mit Alexander Herrmann gefallen mir nicht und die neuen Sendungen, die Steffen macht auch nicht.

Eine ähnliche Entwicklung beobachte ich bei seinen Kochbüchern. Sein erstes Buch ist für mich interessant und bietet Inspiration. Die Bücher, die danach erschienen sind, zeigen nicht mehr sein Know-How. Die Rezepte wurden immer banaler und vermutlich massen-tauglicher gestaltet. Zu diesem Trend könnte ich viele Kochbücher, besonders von Fernsehköchen, nebeneinander legen. Die meisten zeigen dieses Bild. Und so möchte ich einfach mal so ein "altes Schätzchen" wieder einmal hervor kramen.

Hensslers Küche

Steffen Henssler stammt aus einer Gastronomen-Familie und hat eine solide Koch-Ausbildung in Andresens Gasthof, der mit einem Michelin-Stern bewertet war, genossen. Weit blickend setzte er einen größeren Lotto-Gewinn für die Ausbildung als "Professional Sushi Chef" in Los Angeles ein. Diesen Abschluss machte er als erster Deutscher mit Bestnote. Wieder daheim in Deutschland eröffnete er mit seinem Vater das Henssler & Henssler in Hamburg und hatte hauptsächlich Sushi auf der Karte. Mittlerweile gibt es das zweite Restaurant Ono in Hamburg, unzählige Fernsehauftritte, mehrere Kochbücher, Tourneen als Entertainer und wir werden sicher noch einiges von ihm hören.

Das Kochbuch stellt uns zuerst die Person Steffen Henssler vor - mittlerweile ist das schon ein bisschen überholt, weil sich in den letzten Jahren viel um ihn getan hat. Im Kapitel Handwerk finden sich genaue Beschreibungen mit vielen Bildern zu den einzelnen Arbeitsschritten rund um Sushi. Dazu gehören die Zubereitung des Sushi-Reis genauso, wie die unterschiedlichen Techniken Maki Inside-Out, Nigiri, Maki, Gunkan oder Temaki.

Die Rezepte im Kapitel Sashimi erinnern mich am stärksten an die kalifornische Küche und machen Lust auf leichte Sommer-Gerichte. Suppen und Saucen bieten einen kleinen Überblick über Basis-Saucen und Suppen mit exotischem Pfiff. Bei Sushi lernen wir Klassiker, aber auch neue Interpretationen von Steffen kennen. Die Kapitel Fisch, Garnelen & Co. und Fleisch zeigen das breite Spektrum von Steffen. Er kombiniert die klassische Küche mit japanischen Einflüssen. In der Sendung Topfgeldjäger hat er dies auch immer bei der schnellen Nummer anklingen lassen. Die Rezepte im Buch sind sorgfältiger ausgearbeitet, da natürlich nicht die Beschränkung auf den TGJ-Warenkorb gegeben war. Auch ein süßes Finale gibt es und das Kapitel Dessert bietet wenige, eher klassische Desserts.

Jedes Rezept ist bebildert und der Personenkult um Steffen hält sich sehr angenehm zurück. :-)

Ich habe schon einige Rezepte aus diesem Buch im Laufe der Jahre gekocht. Für die Rezension habe ich extra nochmals drei Rezepte zu einem kleinen Menü kombiniert. Grundsätzlich sind sie gut nachzukochen und fallen für mich in die Kategorie Alltagsrezepte mit Pfiff. Auch für eine schöne Einladung zu einem Menü-Abend mit Gästen lassen sie sich einsetzen. Gut funktionieren die Mengenangaben und grundsätzlich auch die Beschreibung der Vorgehensweise. Ein wenig Kocherfahrung sollte man schon besitzen und nicht jedem Rezept blind vertrauen. In meinem Fall war die Garzeit beim Zander viel zu kurz angegeben, das hatte ich schon vorher geahnt und konnte es ausgleichen. Auch nach fast 10 Jahren sind die Rezepte noch interessant und können frischen Wind in die Koch-Routine bringen. Ich empfehle dieses Buch für Hobbyköche mit soliden Grundkenntnissen, die Interesse an neuen Aromen haben oder den Einstieg in die Aromen der asiatischen Küche suchen.



Gebratene Sashimi von Jakobsmuschel
mit Ponzu-Sauce












Zander in der Folie mit Zitronengras



Joghurt-Limetten-Creme











Mein kleines Menü, das ohne Probleme sogar noch nach einem Arbeitstag für Gäste in kurzer Zeit gekocht werden kann, aus Hensslers Küche von Steffen Henssler.


Bildnachweis: Ariane Bille

Mein Beitrag zur großen Rezensions-Woche der Foodblogger - Jeden Tag ein Buch.

Kommentare:

  1. Das Kochbuch hab ich auch und ich mag es sehr, da es so inspirierend und ansprechend und ein bisschen ausgefallen ist :-) Und ich stimme Dir zu, die nachfolgenden werden banaler und schade, dass seine erste Kochsendungen nur eine Woche ging, ich fand auf um Klassen besser als die mit Tim M. Ein Rezept gibt es seit Jahren immer wieder - Lachstatar mit süßen Croûtons und Avocado Mus, das war & ist der Hammer ;-) Herzlichst Nadja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, liebe Nadja, so sehe ich es auch. Ich habe von seiner Nachfolge-Sendung zu Tim jede Folge gesehen und so viel profitiert. In diesem Stil ist auch das Buch und ich schätze es bis heute. Freut mich sehr, dass es Dir auch so geht.

      Löschen
  2. Das Buch habe ich schon oft in den Händen gehalten und doch nie gekauft. Womöglich sollte ich das mal nachholen.....
    Was ich jedenfalls nicht haben muss, sind die neuen Bücher. Der Teenager-Tochter einer Verwandten gefallen sie aber gut, sie kocht viel daraus.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Susanne,
      wenn Du ein Buch von Steffen haben möchtest, dann NUR dieses.
      Auch wenn mir seine nachfolgenden Bücher zu banal sind, begrüsse ich es sehr, dass er es schafft die Jugend an den Herd zu holen. Seien wir doch mal ehrlich, lieber kochen sie ein Steffen-Rezept mit frischen Zutaten, als zu McDoof und Co zu gehen oder eine Tüte aufzureißen. Gerade für diese Zielgruppe ist Steffen ein wichtiger Botschafter.

      Löschen
    2. Ja, da unterschreibe ich voll :-)
      Meine Tochter arbeitet sich grade durch das Kochbuch von der Sendung mit der Maus.....und das hätte ich für mich ja auch nicht angeschafft ;-)

      Löschen