Donnerstag, 9. Oktober 2014

Rezension:
Berlin: Die Stadt kocht - Das Sommerkochbuch

Wer meinen Blog regelmäßig verfolgt, der kennt meine Begeisterung für kulinarische Städtereisen. Das kombiniere ich gerne mit meiner Kochbuch-Leidenschaft und freue mich immer besonders über Bücher, die eine Stadt kulinarisch porträtieren. Leider gibt es viel zu wenige davon und so entdeckte ich letztes Jahr das Buch "Berlin: Die Stadt kocht" von Florian Bolk, dem Verleger des Le-Schicken-Verlags.

Nach dem großen Erfolg des ersten Buchs erschien jetzt der neue Band "Berlin: Die Stadt kocht - Das Sommerkochbuch". Als Autorin ist diesmal Cathrin Brandes an Bord und sie ist die perfekte Besetzung dafür. Cathrins kulinarisches Leben ist so bunt und quirlig, wie das ihrer Heimatstadt Berlin. Sie gründete die Agentur Tidbits und berät die Gastronomie. Weil ihr das zu wenig ist, bekocht sie Gäste in ihrem Speisenklub Neukölln, als Krautbraut fermentiert sie begeistert Gemüse und beim foodXchange Berlin kümmert sie sich darum, dass selbstgemachten Köstlichkeiten neue Liebhaber finden. So ganz nebenbei organisiert sie die Next Organic mit und war dort auch als Brotbotschafterin unterwegs. Da durfte ich sie schon einmal persönlich kennenlernen.
(Hier gibt es einen kleinen Einblick in die vielfältigen Aktivitäten von Cathrin.)




Was erwartet uns jetzt bei diesem Buch? Es ist bunt und es ist anders. Bereits die bunte Collage auf dem Cover gibt einen Vorgeschmack darauf. Die kulinarische Vielfalt von Berlin in eine Struktur zu bringen ist vermutlich nicht einfach, aber es ist mit der Zusammenfassung in Themen wunderbar gelungen. So dürfen wir uns, je nach Lust und Laune, in den folgenden Kapiteln auf Entdeckungsreise gehen:
- Stadtgarten - Erde/Garten/Grün/Querbeet
- Am Wasser gebaut - Wasser/Strand/Weite/Fisch
- Feuer & Flamme - Feuer/Rot/BBQ/Fleisch
- Berliner Luft - Himmel/Blau/Luft/Stadt
- Kulinarische Statements

Jetzt mache ich es auch mal so :-). Zwischen 10 und 13 Menschen/Konzepte/Visionen/Rezepte lernen wir in jedem Kapitel kennen. Der Einstieg in das Thema erfolgt visuell mit einem aussagekräftigen Foto und einem kurzen, stimmungsvollen Text. Da kann man schon einmal in sich hineinhören, ob man sich auf dieses Abenteuer einlassen möchte. Im gleichen Stil lernen wir interessante Menschen kennen. Ein unerwartetes Foto und ein begleitender Text. Da steht ein Koch schon einmal hinter einem Lavendelbeet auf einer Dachterrasse mit Baukränen im Hintergrund. Die Rezepte folgen, in passender Aufmachung, gleich hinterher. Mir gefällt es besonders gut, dass es um die Leidenschaft für Genuss geht und deshalb ist für den prominenten Sternekoch genauso Platz, wie für den (noch) unbekannten Würstelgriller auf dem River-Snack-Boot. Auch die Wein- und Barszene findet ihren Platz.

Die Rezeptauswahl für meine Rezension war gar nicht so ohne. Dieses Buch erweckt in mir die Lust dort hin zu gehen, die Menschen und die Location kennen zu lernen und einfach dort etwas zu essen. Am liebsten hätte ich ja den Rinderrücken im Erdloch von Wolfgang Müller gemacht. Aber in Rücksicht auf den liebevoll von Herrn bushcook gepflegten Garten, habe ich darauf verzichtet. Einige Rezepte sind auch sehr anspruchsvoll, da sie aus den besternten Restaurants Berlins stammen. Andere aus der Streetfood-Szene sind bei uns schwierig zu realisieren, da sie selten glutenfrei sind (Burger etc.). Ich denke, es ist mir dann doch gut gelungen einen Mix zu finden.

Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass die Rezepte aus den Restaurants an die kleineren Mengen im Haushalt gut angepasst worden sind. Ich habe mich nicht immer stoisch an das Rezept gehalten und es an der einen oder anderen Stelle etwas verändert. Dieses Buch verstehe ich auch als Freiraum, sich neu inspirieren zu lassen. Alle drei Gerichte haben sich gut umsetzen lassen und haben sehr, sehr gut geschmeckt.


Jakobsmuscheln mit Tintenfisch, Kartoffelpüree und Wasabi, Orangenreduktion












Gegrillter Schweinebauch mit einem Salat aus Birne, Bohnen und Speck















Himbeer-Basilikum-Sorbet












Fazit:
Wer das Glück hatte, einmal in die neue und spannende kulinarische Szene von Berlin einzutauchen, der wird mit diesem Buch wieder auftauchen. "Berlin: Die Stadt kocht - Das Sommerkochbuch" ist kein Kochbuch im eigentlichen Sinne. Es ist ein sehr gelungenes kulinarisches Portrait einer Stadt, die immer noch innovativ ist. Für kulinarisch interessierte Menschen, die in Berlin leben oder einen Besuch planen, ist es ein Muss. Es macht richtig viel Spaß darin zu blättern und immer wieder eine neue Facette zu entdecken. Aber es ist auch gefährlich, so viel mögliches Programm bekommt man eben kaum in eine kurze Städtereisen und mehr als drei Mahlzeiten am Tag geht leider auch nicht. Egal, mit diesem Buch in der Tasche lohnt sich jeder Berlin-Aufenthalt gleich noch viel mehr.

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