Sonntag, 19. April 2015

Rezension: Immer schon vegan
von Katharina Seiser

Vegan ist das neue vegetarisch und im Trend. Die Entwicklung treibt hier bunte Blüten. Die Kochbuch-Neuerscheinung sind unzählig und in den Buchhandlungen gibt es schon Thementische die ausschließlich mit veganen Koch- und Backbüchern bestückt sind. Auch bei den Nahrungsmitteln (von Lebensmitteln möchte ich hier nicht sprechen) ist ein richtiger Markt für vegane Ersatzstoffe entstanden. Exemplarisch möchte ich hier Cashew-Käse und die vegane Ente aus Saitan  nennen. Ich halte wenig davon. Unter veganer Ernährung verstehe ich Gerichte, die ohne tierische Produkte auskommen. Dafür gibt es ein breites Sortiment an Gemüse, Obst, Kräuter, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse. Wir müssen nicht jeden Tag Fleisch oder Fisch essen. Bei uns kommen regelmäßig vegetarische und sogar vegane Gerichte auf den Tisch. In vielen Küchen der Welt gibt es traditionelle Gerichte, die vegan sind, ohne die ausschließlich vegane Ernährung im Fokus zu haben. Diese Rezepte, aus 20 verschiedenen Ländern, hat Katharina Seiser nun in ihrem Kochbuch "Immer schon vegan" zusammen getragen.

Katharina Seiser ist gebürtige Oberösterreicherin. Nach ihrer Ausbildung als Köchin und der Berufserfahrung als Alleinköchin, studierte sie Kommunikationswissenschaften. Damit hatte sie das perfekte Rüstzeug, um zu kochen, zu essen und darüber zu schreiben. Ihre kritische Haltung und zuverlässige Gründlichkeit haben sie zu einer der renommiertesten deutschsprachigen Food-Journalisten werden lassen. Zu unserem Glück bloggt sie unter esskultur.at und arbeitet auch sehr erfolgreich als Kochbuch-Autorin. Als Herausgeberin der Länderreihe vegetarischer Kochbücher konnte sie bereits große Erfolge feiern. "Immer schon vegan" ist nun ihr erstes eigenes Kochbuch.




Die Idee dazu kam ihr, als sie einen Selbstversuch durchführte und längere Zeit vegan lebte. Sie berichtete darüber in einem Frauenmagazin. Als konsequente Verfechterin für qualitativ hochwertige Lebensmittel hat sie in dieser Zeit keinerlei Ersatzstoffe verwendet. Ergänzend dazu hat sie den Tierfreitag ins Leben gerufen. Auf der Seite www.tierfreitag.com sammelt sie passende Beiträge von deutschsprachigen Bloggern.

Das Buch hat das gleiche Format, wie die vegetarischen Bücher und ist somit ebenfalls etwas kleiner als DIN A4. Der Leineneinband sorgt für eine schöne Haptik und die beiden Lesebändchen sind immer nützlich zum Einmerken von Seiten. Die erste Überraschung gibt es schon beim Aufschlagen des Buchs und der Entdeckung eines Posters. Es zeigt eine Art veganen Wolpertinger :-) und die praktische Auflistung von Obst und Gemüse nach den vier Jahreszeiten bzw. was jederzeit zu bekommen ist.

Diese fünfte Jahreszeit "Jederzeit" begegnete uns schon bei der vegetarischen Reihe und es hat sich einfach im Alltag bewährt die Rezepte nach der Saison zu gliedern. So ist gewährleistet, dass man auch ein gutes und reifes Produkt bekommt. Konsequenterweise ist das Inhaltsverzeichnis ebenso aufgebaut.

Mit "Immer schon vegan" möchte die Autorin eine Lanze für die vegane Ernährung brechen, ohne dogmatisch zu werden, sondern einfach aus der Freude an gesundem und natürlichen Genuss. Besonders wichtig für Genuss ist der Geschmack. Und so stellt sie zu Beginn 11 Geschmacks-Portraits vor. Das sind wertvolle Grundlagen, die Profiköchen geläufig sind und von denen der Hobbykoch viel lernen und sie allgemein in seine Küche übernehmen kann.

Nach der kurzweiligen Theorie geht es gleich los, mit den Rezepten in den fünf Kapiteln:
- Frühling
- Sommer
- Herbst
- Winter
- Jederzeit

Die rund 70 Rezepte haben eine eigene Doppelseite. Auf der einen Seite ein ansprechendes und vor allem "normales" und wenig gestyltes Foto des Gerichts. Das wirkt auf mich sehr natürlich und diese Optik kann auch jeder Hobbykoch gut erreichen. Die zweite Seite ist dem Rezept gewidmet. Die Zutaten sind am Rand aufgelistet und die lästige Sucherei nach der Personenanzahl entfällt, da diese bei jedem Rezept aufgeführt ist. Mit zwei kleinen Symbolen lässt sich auf einen Blick erkennen, ob das Gericht in kurzer Zeit (30 Minuten) fertig ist bzw. ob es auch ungeübten Köchen gelingt. Die Zubereitungsschritte werden von einem Einführungstext und manchmal auch zusätzlichen Tipps ergänzt.

Der analytischen Gründlichkeit von Katharina Seiser ist es zu verdanken, dass es ein alphabetisches Zutaten-Glossar, ein alphabetisches Rezept-Register nach Zutaten und ein Rezept-Register nach Ländern. So können nach allen möglichen Kriterien Rezepte gefunden werden.

Für meinen Praxistest bin ich ganz pragmatisch an die Rezeptsuche heran gegangen. Ich hatte noch Mangold und Linsen, da war die Suppe natürlich ideal. Der knusprige Tofu hat mich einfach angelacht, da ich frittierten Tofu von einem meiner chinesischen Standard-Rezepte kenne und er mir so sehr gut schmeckt. (Witzigerweise ist das ein Rezept mit Tofu und Hackfleisch.) Das Orangenflammeri hat mich einfach neugierig gemacht. Ich wollte wissen, wie es schmeckt und solche Rezepte eignen sich sehr gut zur Überprüfung der Gelingsicherheit. Für die Bindung von Flüssigkeit spielt die Dosierung des Bindemittels eine große Rolle. Nimmt man zu wenig, stockt die Masse nicht und nimmt man zuviel ist die Konsistenz unangenehm im Mund.








Orangenflammeri
















Ganz besonders freut es mich, dass dieses empfehlenswerte Buch bereits 3 Monate nach Erscheinen in die zweite Auflage geht. Ich fühle mich geehrt, dass mein Fazit eine der "Stimmen zum Buch" sein wird und ab der zweiten Auflage im Buch enthalten ist.

Fazit:
Vegane Küche mit Spaß und Geschmack, das ist Katharina Seiser mit diesem Buch gelungen. Die Rezepte funktionieren, die Zutaten sind einfach zu bekommen und es schmeckt!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen