Dienstag, 12. Juli 2016

Rezension: Streetfood - Imbiss für Feinschmecker
von Hans Jörg Bachmeier

Drei Jahre sind schon vergangen, seitdem ich mich intensiv mit dem ersten Kochbuch "Einfach. Gut. Bachmeier" von Hans Jörg Bachmeier beschäftigt habe. Seitdem schätze ich seinen klaren Stil und das Bekenntnis zur bayerischen Küche mit mediterranen Einflüssen. Auch die Qualität der Rezepte hat mich damals überzeugt. (Hier ist meine damalige Rezension nachzulesen.)

Er kocht immer noch im "Blauen Bock" in München und ist immer noch ein gefragter Fernsehkoch mit eigener Sendung im Bayerischen Fernsehen. Es wurde Zeit für ein neues Kochbuch und ich habe mich auch darüber gefreut, weil ich neugierig war auf seine neuen Rezepte. Die wurden nun im ZS-Verlag mit dem Titel "Streetfood - Imbiss für Feinschmecker" veröffentlicht. Bei dem Konzept Streetfood bin ich zuerst einmal kritisch. Streetfood ist für mich Essen, dass ich im Vorbeigehen auf der Straße kaufen und essen kann, wenn ich es eilig habe. Und, ja, ich hätte das gerne in anständiger Qualität und mit gutem Geschmack. Da bin ich mit einer guten Leberkäs-Semmel schon wunschlos glücklich. Einen Super-Duper-Pulled-Zupf-Sonstwas-Burger brauche ich nicht. Food-Truck-Festivals brauche ich auch nicht. Mit etwas Angst habe ich mich dem Kochbuch genähert...........



Glücklicherweise war diese Angst unbegründet. Bei der Vorstellung seines neuen Buchs schwärmte Hans Jörg Bachmeier von den Tapas-Bars in Spanien und den Garküchen in Bangkok und Shanghai. Seine Idee ist es, die Welt nach Hause zu holen und mit Freunden gemeinsam zu essen. Das Essen wird mitgebracht oder gemeinsam gekocht und kommt dann auf Platten auf den Tisch. Wer "Streetfood" sagt, nennt das dann "family style" :-). Ich würde sagen, Zeit mit Freunden verbringen und gemeinsam essen. In diesem Sinne sollte man das Kochbuch auch verstehen.

Als große Liebhaberin von Kochbuch-Serien möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass das neue Buch exakt das gleiche Format hat, wie das erste Buch. Damit sich jeder etwas darunter vorstellen kann, es ist etwas kleiner als DIN A 4.

Die Rezepte sind in Kapitel nach der Zubereitungsart eingeteilt. Es gibt "Mariniertes und Rohes", "Aus dem Topf", "Aus Pfanne und Wok", "Ofengerichte", "Auf die Hand" und "Sweets". An den Titeln sieht man bereits, dass es Gerichte jenseits von Burger, Döner und Wraps sind. Eines der ersten Fotos zeigt einen langen Holztisch, der sich vor unterschiedlichen Gerichten biegt. Viele Arme recken sich um mit einem Bier anzustossen oder sich aus einer Weinflasche einschenken zu lassen. Das symbolisiert für mich sehr stark die Idee dieses Buchs. Es stehen Teller mit unterschiedlichen Gerichten auf dem Tisch, keine Burger oder ähnliches. Es wird nicht zwischendurch im Stehen gegessen, sondern an einer langen Tafel mit Gleichgesinnten genossen.

Nicht jedes Rezept hat ein Rezeptbild. Ich erwähne das immer, weil viele Leser darauf Wert legen. Für mich ist es nicht wichtig und es schmälert nicht die Qualität des Buchs. Jedes Rezept verfügt über eine Zutatenliste und die genaue Beschreibung der Arbeitsschritte. Die Personenanzahl ist auch angegeben. Dabei muss beachtet werden, dass die Idee ist, mehrere Gerichte auf den Tisch zu stellen. Dann funktioniert das sehr gut. Wenn man nur ein Gericht kocht, dann sollte man eher für zwei Personen kalkulieren.

Die Rezepte spannen eine sehr weiten Bogen in alle Regionen der Erde. Vieles davon ist bayerisch, aber auch asiatisch, spanisch oder italienisch. Worauf man sich immer verlassen kann, ist der feine Geschmack. Hier zeigt sich die Stärke von Hans Jörg Bachmeier, der beim Besten gelernt hat - Eckart Witzigmann.

Am Ende des Buchs hilft ein alphabetisches Rezeptregister die Gerichte zu finden und besonders charmant sind die "Empfehlungen für besondere Anlässe mit Streetfood-Gerichten". Dort wurde eine Auswahl getroffen, für die zu bewirtende Zielgruppe. Da ist der Fußball-Abend genauso aufgeführt, wie der Mädels-Abend oder das Picknick.

Drei Rezepte habe ich ausprobiert und bei der Auswahl war ich sehr egoistisch. Ich habe einfach einen Merker eingelegt, wenn mich ein Rezept angesprochen hat. Meine Auswahl zeigt schon, dass es feine Gerichte sind und keine typische Auswahl, wie sie in den Foodtrucks angeboten wird. Mir ist das lieber so. Alles hat sehr gut funktioniert und auch sehr gut geschmeckt. Das war auch meine Erwartung an einen Koch wie Hans Jörg Bachmeier.

Dorade auf Kartoffel-Kräuter-Ragout

















Lauwarmes Kalbsfilet mit Kräutervinaigrette


















Fazit:

Wer unter Streetfood Burger, Burritos, Pulled Pork und Konsorten erwartet, wird mit diesem Buch nicht glücklich. Wer Freude an internationalen Gerichten hat und ein Rezept erwartet, das funktioniert und für ein wohlschmeckendes Ergebnis steht, für den ist "Streetfood - Imbiss für Feinschmecker" eine gute Wahl. Es bietet gute Anregungen für genussvolle Abende mit Freunden, aber auch für anspruchsvolle Alltagsküche, wenn man nur ein Rezept für Zwei kocht.



Hier habe ich noch ein paar Impressionen von der Kochbuch-Präsentation im Blauen Bock für Euch:



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