Sonntag, 29. Oktober 2017

Rezension: Jamies 5-Zutaten-Küche von Jamie Oliver

Bei Rezensionen ist mir ja nichts heilig. Ich rezensiere da alles weg, egal ob Spitzenkoch mit drei Sternen oder Grundkochbuch für Einsteiger. Aber, ich gebe mir Mühe das Buch aus dem richtigen Blickwinkel der Zielgruppe zu sehen. Mit dieser Grundhaltung habe ich mich dem aktuellen Kochbuch von Jamie Oliver, "Jamies 5-Zutaten-Küche" beschäftigt. Gleich bei Erscheinen, konnte ich schon die ersten Statements in der Gruppe der Kochbuch-Süchtigen bei facebook lesen. Da war ich mir unsicher, ob die Kommentatoren verstanden haben, was die Botschaft des Buchs ist. Danach habe ich es vergessen, bis das Buch eines Tages an meine Tür klopfte. Meine Neugierde war geweckt und ich rezensiere ja auch gerne gegen den Mainstream.



Jamie Oliver vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Die ganze Welt kennt Jamie Oliver, der als "Young Chef" im Fernsehen Karriere machte und viel Menschen inspirierte frisch zu kochen. Manche seiner Kollegen halten ihn nicht für einen guten Koch, aber alle achten und respektieren seinen Einsatz für gutes Essen und das ganz speziell für Kinder. Dieses Thema liegt dem fünffachen Vater ganz selbstverständlich am Herzen. Und damit eröffnet er dieses Buch, mit seinen fünf Kindern, denen es gewidmet ist.

Die Zahl fünf und kurze Zubereitungszeiten sind der Schlüssel zu diesem Buch. Für jedes Rezept werden nur fünf Zutaten und Grundzutaten aus dem Vorrat benötigt. Konsequenterweise umfasst der Vorrat auch nur fünf Dinge, die man normalerweise daheim hat, wenn man frisch kocht. Das wären Salz, Pfeffer, ein Olivenöl zum Braten, ein natives Olivenöl und Rotweinessig. Aus meiner Sicht darf es statt dem Olivenöl zum Braten auch Raps- oder Sonnenblumenöl sein. Auf diese Basis-Zutaten wird gleich zum Einstieg verwiesen. Dann geht es schon los, mit den Rezepten.

Wie es sich für die Alltagsküche gehört sind Gerichte mit den unterschiedlichsten Hauptzutaten aus den Kategorien Salate, Pasta, Eier, Hähnchen, Fisch, Gemüse, Rind, Schwein, Lamm, Reis & Nudeln und Süsses im Kochbuch enthalten. Im Anhang sind noch ein paar Worte von Jamies Ernährungsteam zur ausgewogenen Ernährung und ein ausführliches alphabetisches Register nach Rezepttiteln und Zutaten zu finden.

Die Rezepte sind sehr gut auf je einer Doppelseite aufbereitet. Das Rezeptbild auf der einen Seite ist klar und auf das Wesentliche konzentriert. Das Rezept gegenüber ist grafisch sehr gut gestaltet, sogar alle fünf Zutaten haben ein eigenes kleines Foto. Zu den Angaben gehören, Personenanzahl, Zubereitungsdauer - je nachdem auch Ruhe- oder Garzeiten, Zutatenliste (immer fünf Stück) und Rezepttext.

Beim Durchblättern dachte ich anfangs, braucht man das? Sind für die Gerichte Pseudo-Zutaten notwendig? Ich wurde sehr schnell eines besseren belehrt. Verwendet werden Produkte, für die man sich nicht mit dem erhobenen Zeigefinger aufregen muss. Bei manchen Zutaten bin ich mir unsicher, ob man die bei uns so kaufen kann, wie in London bzw. Großbritannien. Nicht alle Linsensorten gibt es bei uns vorgegart und Brunnenkresse ist auch bei meiner excellenten Einkaufssituation eine kleine Herausforderung. Die Gerichte sind interessant und nicht in unzähligen anderen Kochbüchern als kleine Abwandlung zu finden.

Beim Nachkochen für diese Rezension habe ich mich sehr für die Wirkung unterschiedlicher Würzpasten interessiert und drei Rezepte mit Thai-Curry-Paste, Hoisin-Sauce und Harissa entdeckt. Einmal stand der Wolfsbarsch im Fokus und zweimal Huhn. Das hat mir gut gepasst, weil ich so die Vielfalt und den Unterschied der Gerichte besser beurteilen konnte. Bei zwei Gerichten war ich nur in Nuancen unzufrieden, beim dritten müsste nach meinem Geschmack viel verändert werden. Trotzdem möchte ich sagen, dass die Rezepte ganz gut umsetzbar und schmackhaft sind. Ich bin in diesen Punkten eher streng, da ich für das Buch als Zielgruppe eher Hobbyköche mit Basis-Kenntnissen sehe. Und gerade für diese Zielgruppe, die das Kochen für sich entdeckt, finde ich es wichtig, sie gut anzuleiten und nicht zu verprellen. Das Konzept dieses Kochbuchs steht für einfach und schnell und dies ist in der konsequenten Umsetzung sehr gut gelungen. Ich würde lieber Brüche im Konzept zu Gunsten der Qualität zulassen. Die Erhöhung der Anzahl der Zutaten ist nicht notwendig, aber es braucht an manchen Stellen mehr Erläuterungen. Das führt zu längeren und auch komplexeren Rezepttexten. Trotzdem denke ich, dass man den Lesern dies zumuten und ihren Kochhorizont erweitern sollte.

Grundsätzlich empfinde ich die Rezepte sorgfältiger bei der Zubereitung der Hauptzutat. Bei den Beilagen fehlte mir meistens die sorgfältige Behandlung und auch die Würzung. Die Zubereitungszeiten der Rezepte habe ich jedes Mal knapp verfehlt. Ich halte mich schon für eine erfahrene Hobbyköchin und für mich beginnt die Zubereitungszeit, wenn ich den Kühlschrank aufmache, um Zutaten herauszunehmen und zu waschen. Es ist meine Vermutung, dass die Stoppuhr erst gedrückt wurde, als die gewaschenen Zutaten auf dem Schneidebrett lagen. Der Unterschied ist nicht so schlimm, wenn man die Zeitangaben als Richtwert versteht, ob das Kochen schnell, mittel oder lange dauert. In meinem Alltag ist die Richtschnur 30 Minuten. Das ist der Idealzustand, wenn ich heimkomme, koche und nach einer halben Stunde steht das Essen auf dem Tisch. Das schaffe ich ganz gut, wenn ich "frei Schnauze" koche. Deshalb freue ich mich sehr, neue Inspirationen innerhalb dieses Zeitrahmens zu finden und da sind bei Jamie viele neue Ideen zu finden.


Knuspriger Wolfsbarsch auf Thai-Art



Harissa-Hähnchen aus dem Ofen



















Glasiertes Hoisin-Hähnchen

















Fazit:
Bei "Jamies 5-Zutaten-Küche" gibt es viele Anregungen für moderne und schmackhafte "Jeden-Tag-Gerichte". Wer den Mut hat, bei den Rezepten aufgrund eigener Erfahrungen abzuweichen, wird mit frischem und sehr gut schmeckendem Essen belohnt.

Kommentare:

  1. Ganz tolle Rezension wieder. Das Konzept dieses Buches scheint aufzugehen, obwohl man angesichts der etwas künstlich wirkenden Beschränkung auf nur 5 Zutaten seine Zweifel haben könnte. Aber anscheinend wird dieser Minimalismus beim Werkeln am Küchenherd durch maximale Qualität der Zutaten locker vergessen gemacht. Ich werde auch mal hier reinschauen - das nächste Mal im Bücherlädchen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Andreas, vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Bin schon gespannt, wie Dir das Buch gefällt, wenn Du es in Händen hältst.

      Löschen