Freitag, 17. März 2017

Rezension: Einfach frisch kochen von Nils Egtermeyer

Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass die Spezialsendungen "Das große Kochprofis-Battle" beim Publikum nicht so gut angekommen sind. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Im Gegenteil, mir haben gerade diese Sendungen besonders gut gefallen. Nicht wegen dem "Battle-Charakter", den sehe ich sowieso nicht, da Kochen für mich grundsätzlich etwas gemeinsames ist. Mich hat es sehr fasziniert, wie unterschiedlich die vier Profi-Köche an die Aufgabe herangegangen sind. Sie sollten aus der Karte des jeweiligen Restaurants ein Drei-Gang-Menü auswählen, das gekocht und von einer Jury bewertet wurde. Für den zweiten Durchlauf wurde dieses Menü von den Kochprofis "gepimpt" und dann in dieser Version erneut der Jury serviert. Wer sich am meisten verbessern konnte, war der Sieger. Das wirklich interessante an der Sendung war, zu begreifen, wie sich die Stilistik unterschied. Normalerweise treten die Kochprofis als Team auf und jeder Koch steuert zum Abschluss-Essen nur ein oder zwei Gänge bei, die sich natürlich dem künftigen Konzept des geretteten Restaurants unterwerfen mussten. Aber bei den Battles, da konnten sich die Jungs mal richtig austoben und sah man bei Andi Schweiger, wie Sterneküche ohne Chi-Chi funktioniert. Ole Plogstedt lebte seinen kreativen bunten Stil aus und Frank Oehler überzeugte mit einer feinen, aber doch bürgerlichen Küche. Bei Nils Egtermeyer sah man gleich, dass er lange auf Mallorca lebte und die mediterrane Küche liebt. Genau diese Art zu kochen möchte er uns mit seinem ersten Kochbuch "Einfach frisch kochen" vorstellen.



Nils Egtermeyer stammt aus dem Münsterland und hat in einem Hotel in Münster den Beruf des Kochs erlernt. Nach ein paar Stationen in der deutschen Sternegastronomie ging es nach Mallorca. Auch dort war er in der Sternegastronomie tätig und übernahm im Jahr 2009 seinen ersten Posten als Küchenchef im Restaurant "Simply Fosh" des britischen Sternekochs Marc Fosh. Drei Jahre später stand er in Hamburg, als Küchenchef des "Jellyfish" am Herd. Bereits im ersten Jahr wird er vom Gault Millau mit 14 Punkten ausgezeichnet. Letztes Jahr verließ er das Restaurant und eröffnete "Zu Tisch", in einem Penthaus über den Dächern Hamburgs. Dort kocht er gemeinsam mit begeisterten Hobbyköchen und ermöglicht so einen Blick in seine Töpfe. Seit 2014 ist er das jüngste Mitglied der RTL-2-Sendung "Die Kochprofis" und wurde so einem breiten Publikum bekannt.

Der Titel "Einfach frisch kochen" erklärt bereits das Konzept dieses Kochbuchs. Es geht darum frisch zu kochen. Und das sollte möglichst einfach sein, ohne sich zu verkünsteln oder sich zu starr an das Rezept zu halten. Zitat: "Kochen beginnt da, wo das Rezept aufhört." Mit diesem Credo ist es nur konsequent, dass keine reine Rezept-Sammlung entstanden ist. Zum Auftakt erklärt Nils seine Küchen-Philosophie, in der Frische und Qualität der Produkte die Hauptrolle spielen. Sehr hilfreich ist auch eine kleine Tabelle mit Gewichtsangaben der gängigen Obst- und Gemüsesorten.

Die 60 Rezepte gliedern sich in die Kapitel "Suppen und Salate", "Klein und vorab", "Vegetarisch & Co.", "Fleisch und Geflügel", "Fisch und Meeresfrüchte" und "Cremig und süß". Damit ist sozusagen für alle Vorlieben und Lebenslagen etwas dabei. Im Anhang gibt es noch Menüvorschläge, bei denen jeweils drei Rezepte kombiniert werden. Ein Glossar und ein Rezeptregister bilden den Abschluss.

Für jedes Rezept steht eine Doppelseite zur Verfügung. Zutatenliste mit Personenangabe und Zubereitungshinweise mit Angabe der Arbeitszeit sind auf der einen Seite zu finden. Ergänzt werden diese noch mit Tipps und Hinweisen zur Warenkunde. Auf der Seite gegenüber ist das Foto des fertigen Gerichts. Aufgelockert werden die Kapitel noch mit vielen stimmungsvollen Fotos, auf denen Nils beim Kochen oder beim Essen mit Freunden zu sehen ist. So kann ich mir seine Veranstaltungen in Hamburg vorstellen.

Nils Rezepte sind eine gute Mischung aus Klassikern, die er in seinem frischen und mediterranen Stil vorstellt und neuen Inspirationen. Es lassen sich einfache Gerichte wie Kürbissuppe oder Brotsalat finden, aber auch aufwändigere Rezepte wie ein Entenrillette mit Kumquatchutney sind enthalten. Bei der Auswahl der Rezepte zum Nachkochen, wollte ich gerne etwas machen, was ich noch nicht ausprobiert habe. Die erste Wahl fiel auf die Knoblauchsuppe, da ich sie bisher ein paar Mal auswärts gegessen. aber noch nie gekocht habe. Bei der Lachspraline war ich auf den Coleslaw und die handwerkliche Umsetzung neugierig. Wenn ich noch Quinoa im Vorrat habe, dann wähle ich gerne so ein Rezept, um ihn aufzubrauchen und mich mit ihm anzufreunden. In diesem Fall ist das sogar geglückt - es hat mir ausgezeichnet geschmeckt. Auch die beiden anderen Gerichte sind sehr gut angekommen und waren sehr fein. Die Umsetzung der Rezepte ging mir sehr gut von der Hand. Sie waren gut beschrieben und haben bestens funktioniert.


Lachspraline mit Coleslaw und Granatapfel
Knoblauchsuppe mit dicken Bohnen
und Räucherforelle
Maispoularde, Pilz-Quinoa und
Rote-Bete-Vinaigrette


















Fazit:
"Einfach frisch kochen" von Nils Egtermeyer ist ein anregendes Kochbuch für die frische und gepflegte Alltagsküche mit Rezepten, die sich auch von weniger geübten Hobbyköchen gut umsetzen lassen.


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