Mittwoch, 30. Juli 2014

Menü im Schweiger2 von Andi Schweiger

Letztes Jahr hatte ich das große Vergnügen in kulinarik-begeistertes Ehepaar aus Düsseldorf bei der Eröffnung von Andi Schweigers neuer Kochschule kennenzulernen. Dank Internet (bekanntlich macht Internet ja einsam...) konnten wir in Kontakt bleiben.

Eines Tages kam die schöne Nachricht, dass die beiden wieder zu einem Besuch nach München kommen. Da lag es natürlich auf der Hand, dass wir uns im Schweiger2, dem kleinen Sterne-Restaurant von Andi Schweiger, treffen wollten.

Der hat nicht schlecht gestaunt, als wir zusammen kamen. Die kleine Überraschung ist uns gelungen.

Ich war schon sehr gespannt auf das Menü, da es doch einige Zeit her ist, seit Herr bushcook und ich das letzte Mal bei ihm waren. Glücklicherweise waren wir alle vier von der Idee begeistert, das Menü in seiner Maximal-Ausprägung zu nehmen. Bei Andi Schweiger gibt es nur Überraschungsmenüs. Man entscheidet sich am Anfang für die Anzahl der Gänge und kann noch Unverträglichkeiten und Abneigungen angeben und dann legt die Küche los.

Mir gefällt das gut, so ist gewährleistet, dass immer ein saisonales Menü auf den Tisch kommt.

Elsässer Flammkuchen mit Speck und Zwiebeln

Kartoffelbrot mit Kräutercreme und Physalis

Blumenkohlespuma mit Blumenkohlasche und Kresse

Spitzkohlroulade mit Pastinakencreme, Wirsingchips, Senfsaat, Malzbrösel

Tatar und gebeiztes Filet vom Adlerfisch mit Variation der Ochsenherztomate und Kalamata-Olive



Gazpacho vom Rosenheimer Kopfsalat mit Kalbstatar und Büsumer Krabben

in Nussbutter geschwenkter Heilbutt mit Sauce Bourride und Brokkoli

Langostino mit 3erlei Spargel und glasierter Karotte

Kaninchenrücken mit Artischocke und Gänseleber

Poltinger Lamm mit Gurke, Erbse, Radieserl und Räucheraal

Sorbet von der Rosenheimer Jostabeere

Rosa gegarte Schulter vom Rind mit Bauernfrühstück á la schweiger2







Taleggio mit Coppa Di Parma, Granny Smith, wildem Spargel und hausgebackenem Vinschgerl

Pre-Dessert von Rhabarber und weißer Schokolade


Süße Variation von Hibiskusblüte mit Hafer und Feldsalat

Gruß aus der Patisserie mit süßem Spiegelei, Trüffel hoch 2, Portwein-Zartbitterpraline

Das war wieder ein ganz besonders schöner Abend und mit Gleichgesinnten macht es noch mehr Spaß. Dazu trägt auch sehr die angenehme und entspannte Atmosphäre im Schweiger2 und der ausgesprochen nette Service bei.

Montag, 28. Juli 2014

Endstation der kleinen Genussreise mit 110 Jahre Hessischer Hof - Schulbrot trifft Jakobsmuschel

1904 erwarben Valentin und Anna Rücker ein Schulgebäude in Hainburg bei Frankfurt. Sie machten daraus einen Gasthof und übergaben diesen 42 Jahre später an den Sohn Heinrich und seine Ehefrau Elisabeth. Die beiden expandierten mit einer vollautomatischen Kegelbahn und bauten es 1969 um. Bis 1978 führten sie das Wirtshaus Hessischer Hof und gaben es dann in die Hände ihres Sohns Berthold, einem gelernten Koch, und seiner Ehefrau Angelika. Er eröffnete das Spezialitäten-Restaurant Hessischer Hof und 13 Jahre später erweiterte er den Betrieb um 14 Hotelzimmer. Damit nicht genug, im Jahr 2005 wird auch noch Stammessen auf Rädern angeboten.

Zum 01.01.2011 übergibt das Ehepaar Rücker den gesamten Betrieb an ihre jüngste Tochter Angela und ihren Partner Robert Geißler. Beide sind gelernte Köche und haben bereits umfangreiche Erfahrungen in der Spitzengastronomie sammeln können. Auch die beiden haben viele Ideen und möchten den Hessischen Hof voran bringen. Die Kegelbahn wird zu vier weiteren Hotelzimmer umgebaucht, der Saal im ersten Stock und der Eingangsbereich werden renoviert, neu angeboten werden Catering und Kochkurse. Den beiden ist sicher nicht langweilig.

Soviel Tradition, Engagement und Liebe zur Gastronomie muss natürlich gebührend gefeiert werden. Immerhin ist der Hessische Hof seit 110 Jahren in Familienbesitz. Unter dem Motto "Schulbrot trifft Jakobsmuschel" hat sich das ganze Team jede Menge liebevoller Details ausgedacht. Dem Aufruf zu einem großen kulinarischen Festival sind auch viele befreundete Köche gerne gefolgt.




Die strahlenden Gastgeber empfingen die Gäste sehr herzlich und konnten sich über ein sehr gelungenes Fest freuen.



Das Motto zog sich als wunderbarer roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. Statt einer Speisekarte gab es ein Schulheft mit vielen Details zu den Köchen, den Gerichten, den Unterstützern und der Chronik des Hause. Die Nichte von Angela und die Tochter von Koch Wolfgang Laschtowitz verteilten ein bisserl aufgeregt für jeden Gast eine kleine Schultüte mit Süßigkeiten. Auch an Besteck und Gläser wurde gedacht und jeder Gast bekam eine kleine Filztasche mit Gabel und Löffel und ein Weinglas. Dies wurde sogar noch mit dem Namen graviert.
 


Ludwig Maurer (Meating Point) und Sebastian Völkl (Jedermann, Straßkirchen) eröffneten ihre Kochstation am Smoker und servierten "Rosa Rinderflanke aus dem Smoker, in der Baumrinde mit Kräutern geräuchert, dazu Sauce Hollandaise vom Wagyu und rohmarinierten Spargel". Mit diesen beiden hat Angela schon so manches Koch-Abenteuer bestritten, als sie gemeinsam im europaweiten Catering tätig waren.




Bei Sebastian Ziese, der als Küchenchef im Goldmann Restaurant in Frankfurt arbeitete, gab es raffinierte Ravioli mit Pfifferlingen. Er eröffnet demnächst sein erstes eigenes Restaurant - Carte Blanche, ebenfalls in Frankfurt.



An einer Kochstation draußen hatte Wolfgang Laschtowitz feine "Bäckchen Sous-Vide vom Angus-Rind mit Vanille-Frühlingslauch, Pecorinopolenta und schwarzen Nüssen". Im Saal im ersten Stock, gab es bei Dirk Gmelin die "Jakobsmuschel New Style", die es sogar ins Motto geschafft hat. Beide arbeiten aktuell als freiberufliche Event-Köche. Wolfgang caterte früher mit Angie zusammen und Dirk übernahm die Leitung der Alfons-Schuhbeck-Kochschule von Robert.





Peter Danel verwandelte den hübschen Garten hinter dem Haus in einen Tapas-Garten und servierte gebratene Garnelen und Tintenfische mit Mojo Verde. Das ist sein Spezialgebiet, da er in Wesel, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ann-Sophie das Tapeo, ein Tapas-Restaurant betreibt. Er und Robert kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Alfons Schuhbeck.

Oben im Saal gab es bei Martin Faulwasser (Rocking Kitchen) "Lachs auf Erbsenpüree mit roter Bete und Zitronenschaum". Auch er ist ein ehemaliger Kollege aus Angies Cateringzeit. 




Für die ganz große Show sorgte Xiao Wang an der Teppanyaki-Platte. Wenn er mit Nudeln und Pfeffermühlen wirbelt gibt es immer einen großen Auflauf. Geboren in Shanghai und bereits seit frühster Jugend auch mit der japanischen Küche vertraut, ist er einer der besten asiatischen Küche, die wir in Deutschland erleben können. Hauptsächlich arbeitet er auf Messen und im exklusiven Event-Catering. Und so lernte er auch Angie kennen.





Der größte Star des Festivals für mich, war Christoph, der elfjährige Neffe von Angie. Mit einer Hingabe zauberte er süße und pikante Flammkuchen und verteilte sie mit leuchtenden Augen unter den Gästen. Wer kann da schon nein sagen? Da wurde immer noch zugegriffen, auch wenn man schon mehr als satt war.



Michael Fischer ist Schuld, dass Angie Koch wurde. Sie absolvierte ein Praktikum bei ihm, damit sie ihrem Vater hinterher sagen konnte, dass Koch wohl nicht der richtige Beruf für sie ist. Irgend etwas muss er in diesen zwei Wochen richtig gemacht haben. Ganz richtig gemacht hat er sein "Pimp my Leberwurstbrot". Heute arbeitet er bei den Gaststättenbetrieben Kurt Lilly.

Ein besonderes Schmankerl waren auch die Brühwürste der Metzgerei Gensler. Die Kochstation war sehr unauffällig, aber als die ersten mit den Tellern kamen, gab es kein Halten mehr.




Für jede Menge frisches Obst sorgte M & M-Gastro und die "Kreativ-Abteilung" in Person von Angie sorgte für jede Menge tolle Deko-Ideen.


Wenn es um Schule geht, darf natürlich eine Buchstaben-Suppe nicht fehlen. Die wurde mit einem hübschen roten Bauchladen an die Gäste verteilt. Von Peter Blachetta (Haus Sonnenschein) kam eine wunderbare ritterliche Bratwurst, während er selber so nett war, einen verhinderten Kollegen am Eiswagen zu vertreten. So kamen wir noch in den Genuss des feinen italienischen Eis.



Es waren so viele fleissige Hände beteiligt, dass sie alle fast nicht auf das Foto gepasst haben. Das Fest hat so viel Spaß gemacht und ich möchte mich sehr beim ganzen Team, aber vor allem bei Angie und Robert für das tolle Wochenende bedanken.



Wer an den Kochstationen nicht satt geworden ist, der konnte sich noch hemmungslos an der Fressmeile bedienen. Dort standen jede Menge Vorspeisen und Süßkram in Gläsern bereit. Für süße und salzige Backwaren sorgten die Bäckerei Schnabel und die Bäckerei Seib.



Wenn der Basti bei einem Event als Koch dabei ist, dann gibt es immer seinen berühmten Kaiserschmarrn. So war es auch diesmal. Die beiden Wagyu-Boys verwandelten sich blitzschnell in die Kaiserschmarrn-Götter und die Gäste hat es gefreut.


Der Wettergott hat verstanden, dass dies ein ganz besonderes Fest ist und hatte ein Einsehen. Erst spät in der Nacht schickte er Regen. Darauf waren die Gastgeber auch perfekt vorbereitet und wir konnten lange draußen sitzen und feiern.


Und am nächsten Tag ging es fast nahtlos weiter. Diesmal war das Motto: "Frühschoppen".


Heute freute sich Angie über einen ganz besonderen Gast. Ihr ehemaliger Chef Stefan Marquard gab sich die Ehre und verwöhnte die Gäste mit einem Tatar mit Wachtelei und Brot-Gröstel. Passend zum Motto waren die Gastgeber heute in einer feschen Tracht am Start.


Wer außerhalb Bayerns von der Augustiner-Brauerei beliefert wird (das ist eine ganz, ganz große Ausnahme), der schafft es auch anständige Brez'n und Weißwürste zu besorgen.


Heute haben wir uns auch die kleine Ausstellung zur Geschichte des Hessischen Hofs angesehen, die im zweiten Stock aufgebaut war. Fast die ganzen 110 Jahre konnte man da nochmals Revue passieren lassen mit vielen Fotos, Zeitungsausschnitten und alten Speisekarten.


Ein bisschen Fressmeile stand auch am zweiten Tag noch zur Verfügung und fand erfreute Liebhaber. So ganz, ganz langsam kam das Fest zum Ende und wir sind noch lange mit dem harten Kern geblieben. So richtig gehen wollte keiner und außerdem war Fussball-WM, da konnten wir noch gemeinsam die Spiele im Fernsehzimmer anschauen.

Ich bin mir sicher, dass Hainburg noch lange von diesem Wochenende sprechen wird und 111 ist doch auch eine schöne Zahl, oder?

Samstag, 26. Juli 2014

Haus Waldfrieden an der Mosel
die nächste Station der kleinen Genussreise

Wenn man von der Fränkischen Schweiz nach Frankfurt fährt und dazwischen eine Woche Zeit hat, dann kann man doch auch einen kleinen Bogen an die Mosel fahren und etwas Zeit bei Uli Stein im Haus Waldfrieden verbringen. Diese Idee hat mir so gut gefallen, dass ich sie gleich in die Tat umgesetzt habe.



Einer schönen Tradition folgend wollte ich auch diesmal wieder ein Menü kochen. Dabei berücksichtige ich am liebsten die gegebenen Umstände. Diesmal waren wir ein kleiner Kreis, nur unser Freund Uli, seine Frau und wir beide. Außerdem war Fußball-WM und wir wollten am Abend das Spiel sehen. Ich plante also gar nichts und wollte mich beim Einkaufen inspirieren lassen. Die Vorspeise sollte möglichst kalt sein, damit ich sie vor dem Spiel servieren konnte. Der Hauptgang sollte sich gut vorbereiten lassen, damit ich ihn in der Pause fertig machen kann und das Dessert sollte komplett fertig sein, um es nach dem Spiel zu servieren.

Ich wollte möglichst hochwertige Zutaten, die bereits so überzeugen, da ich wenig Zeit hatte und keinen großen Aufwand treiben konnte. Mein ursprünglicher Plan, im örtlichen Bio-Markt einzukaufen, hat sich schnell in Luft aufgelöst. Die haben am Mittwoch geschlossen, einfach so und den ganzen Tag. Also musste ich doch in diesen riesigen Supermarkt, den ich nicht leiden kann. Dort habe ich zumindest versucht Dinge zu kaufen, die als "bio" gekennzeichnet und saisonal waren.

Viele verstehen das nicht, weshalb ich es mir immer antue im Urlaub auch noch zu kochen. Leider ist an der Mosel die Gastronomie (mit wenigen Ausnahmen) erschreckend. Ich möchte das einfach nicht essen, was da angeboten wird. Auch wenn es manchmal nicht teuer ist, bereue ich jeden Cent. Für mein kleines 3-Gang-Menü für 4 Personen habe ich 35.-- EUR ausgegeben. Und die Reste reichten auch noch für das Mittagessen für Herrn bushcook und mich. Für diese Summe Geld wäre es kaum möglich gewesen, etwas vernünftiges in der Gastronomie zu bekommen.


Matjes mit Gurkennudeln, geschmolzenen Tomaten und Gurken-Limetten-Schmand

Hühnerbrust mit Staudensellerie-Risotto und jungen Koriander-Karotten

Erdbeer-Cappucchino

Diesmal gibt es kein genaues Rezept, sondern eher eine Arbeitsanleitung, wie man so etwas angeht. Bei der Beschreibung war mir diesmal wichtiger die Reihenfolge der unterschiedlichen Arbeitsschritte zu beschreiben. Alle Gerichte sind eher Standard und können von geübten Köchen ganz leicht nachempfunden werden. Aber auch Anfänger können sich behelfen und z. B. in meinem Blog ein Risotto-Rezept suchen und finden dann die Details, die sie brauchen.

Menü für 4 Personen

1 Huhn
1 Staudensellerie
1 Bund Karotten
200 gr. Cocktail-Tomaten
1 Staudensellerie
2 Doppel-Matjes-Filet
1 Gurke
1 Bund Frühlingszwiebeln
1 Limette
250 gr. Schmand
2 Schalotten
300 gr. Aborio

und einmal die Zutaten für den Erdbeer-Cappucchino lt. Rezept


Die Erdbeeren vierteln und wie im Rezept beschrieben auskochen. Den Cappucchino auskühlen lassen und dann abgedeckt in den Kühlschrank geben.

Die Karotten schälen, beim Staudensellerie die Fäden ziehen, Blätter und harte Stellen abschneiden. Das Huhn zerteilen. Dabei die Brüste auslösen, die Schenkel abtrennen und die Sot-l'y-laisse ausschneiden. Einen großen Topf mit kaltem Wasser aufsetzen und die Karkasse des Huhns, die Flügel, die Karottenschalen, die Reste vom Staudensellerie, eine aufgeschnittene Zwiebel, Lorbeer, Salz und Pfeffer zugeben und zum Kochen bringen. Sobald das Wasser kocht, die Hitze reduzieren, damit es nur noch köchelt und die Keulen zugeben. Die Keulen nach 20 Minuten wieder herausnehmen und die restlichen Zutaten in der Brühe weiterköcheln lassen. Später die Brühe abseihen und abkühlen lassen. An der Karkasse und an den Flügeln sind immer noch Fleischreste, die z. B. für einen kleinen Geflügelsalat verwendet werden können.

Die Karotten im Ganzen (etwas vom Grün stehen lassen) in Salzwasser bissfest blanchieren. Herausnehmen und mit kaltem Wasser abschrecken.

Den Staudensellerie in sehr kleine Würfel schneiden und mit Salz und Zucker marinieren und stehen lassen.

Die Gurke schälen, dann weiterschälen bis auf das Kernhaus. So bekommt man lange Gurkennudeln. Diese mit Salz und Zucker marinieren und ziehen lassen. Das Kernhaus und die Schale grob zerkleinern und ebenfalls mit Salz und Zucker marinieren und ziehen lassen. Etwas später pürieren und durch ein Sieb abpassieren.

Die Schale der Limette fein abreiben und den Saft aufpressen. Limettenschale und den Saft aus Kernhaus und Schale mit dem Schmand verrühren. Den Schmand mit wenig Salz, Zucker und Pfeffer abschmecken. Wer Gewürztagetes im Garten hat, kann die Blätter kleinschneiden und zum Schmand geben. Das gibt ein feines, würziges Aroma.

Die Matjes auf Gräten kontrollieren und bei Bedarf ziehen. Die Doppelfilets trennen und die Schwanzflosse entfernen. Zum Anrichten kann man den Matjes evtl. auch in breite Streifen schneiden und dann in den Schmand einlegen.

Die Cocktailtomaten mit Knoblauch, Salz, Zucker, Pfeffer und Olivenöl mischen und für 30 Minuten bei 200 Grad im vorgeheizten Ofen garen. Herausnehmen und auskühlen lassen.

Die Schalotten fein würfeln und in Olivenöl anschwitzen. Den Risottoreis zugeben und ebenfalls anrösten. Alles mit einem guten Schuss trockenen Weißwein ablöschen und mit der Geflügelbrühe auffüllen. Die Brühe reduzieren lassen und den Vorgang öfters wiederholen. Wenn der Reis ungefähr halb gar ist, sofort auf ein Blech geben und sehr dünn ausstreichen, damit er schnell auskühlt. Sobald er erkaltet ist, kann man den Reis zurück in den Topf geben und abgedeckt kühl stellen.

Wer es bis dahin geschafft hat, ist für das Menü perfekt vorbereitet. Das Mis en place steht!



Die Gurkennudeln mit dem Limettensaft, Olivenöl, Pfeffer, Zucker und sehr wenig Salz anmachen. Den gezogenen Saft nicht wegschütten.

Die Vorspeise anrichten, dazu die Gurkennudeln auf den Teller geben und mit Streifen vom Frühlingszwiebelgrün bestreuen. Den Schmand auf den Teller streichen und den Matjes darauflegen. Mit den Cocktailtomaten garnieren.

Den Backofen auf 120 Grad vorheizen. Die Hühnerbrüste auf der Hautseite mit Salz würzen und in Olivenöl goldgelb braten. Auf der Fleischseite mit Salz und Zucker würzen und kurz anbraten. Die Hühnerbrüste auf ein Gitter legen und für 25 Minuten in den Ofen geben.

Parallel die restliche Hühnerbrühe erhitzen und einen großen Schöpfer zum Risotto geben. Das Risotto in der Brühe sanft erwärmen und dann ganz normal - wie man Risotto kocht - weitermachen. Gegen Ende der Garzeit die marinierten Staudenselleriewürfel unterrühren. Abschließend geriebenen Parmesan und Butter unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Sot-l'y-laisse leicht salzen und in etwas Rapsöl braten, dann noch mit Pfeffer würzen.

Die Karotten in Olivenöl schwenken und mit Salz, Zucker und gemörserten Korianderkörnern würzen.

Die Hauptspeise anrichten. Risotto auf den Teller geben, die Hühnerbrust in Scheiben schneiden und darauf geben. Die Karotten dazulegen und dann entscheiden, wer die kleinen Sot-l'y-laisse bekommt. :-)

Die Sahne für den Cappucchino leicht anschlagen. Den Cappucchino in Gläser füllen und mit der Sahne auffüllen.






So ein Menü kocht sich wirklich so nebenbei und am liebsten mache ich das draußen und kann auch noch die Aussicht genießen.





Ein kleiner Spaziergang tut gut und ermöglicht einen herrlichen Blick durch die Weinberge auf die Marienburg und den Ort Pünderich.



Diesen Blick mag ich auch sehr und habe ihn Euch bis jetzt vorenthalten. Von Haus Waldfrieden aus kann man auch die Moseldörfer Alf, Aldegund und Bullay sehen.


Alf gibt es wirklich und das ist der Beweis - wer dem Schild folgt kommt direkt dort an.


Direkt vor Haus Waldfrieden liegt die Hölle, die Alfer Hölle, die entgegen ihrem Namen einen himmlischen Wein ermöglicht.



Immer mein erstes Foto, das mache ich gleich sofort bei der Ankunft. Blick durch die Hölle auf Bullay und die denkmalgeschützte Moselbrücke. Unten fahren die Autos und oben fährt der Zug.






Letztes Jahr konnte ich Euch noch Ivenhoe vorstellen. Leider gibt es ihn und Ginger nicht mehr. Dafür ist jetzt Jupp eingezogen und ich glaube wir werden ganz dicke Freunde. Zumindest liebt er schon meine Füße und setzt sich gerne darauf :-)



Damit mir nicht langweilig wird, habe ich die herrlichen Sommertage auf Waldfrieden gleich genutzt und auch noch grüne Walnüsse und Wildkirschen geerntet und verarbeitet. Diese Rezepte werde ich Euch noch vorstellen.

Der Abschied ist mir wieder schwer gefallen und ich freue mich schon auf die nächste schöne Zeit dort. Glücklicherweise war unser nächstes Ziel auch wieder ein Highlight mit tollen Menschen und kulinarischen Genüssen.

Wir fahren gerne an der Mosel entlang und wechseln erst im letzten Moment auf Schnellstraßen oder Autobahnen. Diesmal haben wir sogar einen kleinen Umweg in Kauf genommen, um im Jugendstil-Hotel Bellevue in Traben-Trarbach zu Mittag zu essen.


Mir gefällt dieses perfekt erhaltene Jugendstil sehr gut. Traurig macht es mich, dass in der Hochsaison an einem Freitag mittags kaum Gäste zum Essen kommen. Aber es ist leider meine Erfahrung an der Mosel, dass es dort wenig gute Gastronomie und auch wenig Interesse daran gibt. Ich kann nicht beurteilen, was zuerst passieren soll. Braucht es anspruchsvolle Gäste, die von der Gastronomie mehr fordern? Oder braucht es zuerst ein gutes gastronomisches Angebot das anspruchsvolle Gäste anzieht? Die Mosel ist eine der ältesten deutschen Kultur-Landschaften und für mich etwas ganz besonderes. Dort, wo die Landschaft so attraktiv ist und der beste Riesling überhaupt wächst, kann es doch nicht sein, dass die Küchenleistung so zurücksteht.

Deshalb habe ich mich am meisten über das Amuse gefreut und sofort erkannt, dass da jemand sein Handwerk versteht. Wer Fischfilets auf der Karte stehen hat, der hat auch Fischabschnitte und die lassen sich perfekt zu diesen kleinen frittierten Fischpflanzerl verarbeiten. Das gleiche gilt für die Gazpacho, die sich wunderbar aus den krummen Enden von Paprikaschoten, Tomatenkernen usw. machen läßt.


Knuspriges Fischpflanzerl und Gazpacho
Spaghetti, Pfifferlingsrahmsauce, Kräuterbouquet
Lachs, Zitronenrisotto, mediterraner Spinat
Zitronenkuchen an Kokos-Limetten-Espuma, Kalamansisorbet
Creme brulee, Erdbeerragout, Joghurteis

So genussvoll startete die Fahrt zu unserer nächsten Etappe der kleinen Genussreise.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Stopover bei der kleinen Genussreise in
Mainz und Frankfurt

Nach dem schönen Sommerfest in der Fränkischen Schweiz hatten wir eine sehr kurze Nacht. Am nächsten Morgen mussten wir früh raus um den nächsten kulinarischen Termin nicht zu verpassen. Im Restaurant Buchholz in Mainz-Gonsenheim wollten wir bei der Big-Bottle-Party dabei sein. Die begann um 11.00 Uhr - wer denkt sich denn sowas aus? Ich glaube das ist der Nachbarschaft geschuldet - zumindest dem Herrn auf dem Traktor, der immer mit böser Mine auf und ab gefahren ist. Egal, wir hatten soviel Glück. Das Wetter war perfekt, sonnig und nicht zu heiß und die Autobahn war am Sonntag Vormittag praktisch leer.

Sehr schön war auch, dass die Damen von dem Hotel Zur Ludwigsbahn so flexibel und freundlich waren und wir vorher schon das Zimmer beziehen konnten. So stand einem entspannten kulinarischen Sonntag nichts im Wege.

Was ist eine Big-Bottle-Party? Das ist eine Veranstaltung, bei der Getränke aus großen Flaschen, von der Magnum aufwärts, ausgeschenkt werden. Auf einem Bein kann man nicht stehen, also gibt es auch etwas zu essen dazu. Und das wird meist im Stil einer Küchenparty an verschiedenen Stationen angeboten. So kann man von Stand zu Stand schlendern und sich nehmen, worauf man Lust hat.

Mein Schwerpunkt liegt ja immer auf den Essen und ich sehe den Wein als schöne Ergänzung dazu. Deshalb konzentriere ich mich bei meinem Bericht auf die Teller, obwohl wir auch so einige tolle Tropfen im Glas hatten und sehr viele ausgezeichnete Winzer die Veranstaltung unterstützt haben.




Zwei meiner Lieblingsgerichte von zwei meiner Lieblingsköche waren das Wagyu von Lucki Maurer und die Garnele von Björn Freitag. Sehr überzeugend waren auch das Steak von Tarik Rose, das Lachstatar und dieses wundervolle Zitrus-Dessert von Salvatore Gala und dem Buchholz-Team und der frische Salat von Steins Kräutergarten.

Eine kleine Anekdote will ich Euch nicht vorenthalten. Tarik Rose ist zusammen mit Frank Buchholz und Chakall als auch aus der ZDFneo-Sendung "Beef Buddies" bekannt. Der Moment war fast unbezahlbar, als er mich sah und sagte: "Ich kenne Dich aus dem Fernsehen!" Tatsächlich hat er mich damals bei Topfgeldjäger gesehen und es nicht vergessen, als ich dem verdutzten Steffen Henssler erklärte, dass ich mir von der Siegprämie einen Paco-Jet kaufen werde.




Eine Big Bottle kann ich dann doch noch zeigen. Die Stählemühle schenkte einen sensationellen Bergamotte und Bourbon-Vanille in der 5-Liter-Flasche aus.

Nach der Party haben wir den Abend ganz gemütlich in dem schönen Hinterhof-Restaurant bei unserem Hotel ausklingen lassen. Am nächsten Tag mussten wir nicht weit fahren. Es sollte wieder einmal ins Haus Waldfrieden an der Mosel gehen. Davon könnt Ihr im nächsten Blog-Bericht lesen.

Weil es einfach von der Region passt, mache ich einen kleinen Sprung. Auf der Rückfahrt von der Mosel zum Kulinarik-Festival im Hessischen Hof, machten wir Station in Frankfurt. Ein paar Mal habe ich schon über das kulinarische Frankfurt berichtet und von meinem Versuch mich mit Frankfurt anzufreunden. Ich muss sagen, es wird besser :-). Zumindest habe ich meine Leidenschaft für ein paar Möbelgeschäfte dort entdeckt.

Die aktuelle Neu-Entdeckung verdanke ich Herrn bushcook, der unbedingt in die Klassikstadt wollte. Die Klassikstadt verfolgt ein interessantes Konzept in einem sehr attraktiven Industriedenkmal. Ich habe ja sowieso eine Schwäche für diese industriellen Backstein-Bauten und besuche sie gerne im Ruhrgebiet. Die großzügige Anlage wird als eine Art Garage genutzt. Man kann sich dort Abteile mieten, um sein Fahrzeug einzustellen. Dementsprechend ergibt sich eine große, ständig wechselnde und interessante Sammlung alter Autos. Ergänzt wird dieses Konzept mit Anbietern rund um Oldtimer. Da gibt es einen Sattler, eine Spezial-Werkstatt, einen Oldtimer-Autohaus, einen Auto-Verleiher, etc. Mir hat es großen Spaß gemacht durch das weitläufige Gebäude zu schlendern und die unterschiedlichsten Autos anzuschauen. Besonders gut gefallen hat mir, dass sie noch für den Verkehr zugelassen sind und auch gefahren werden.



Passend zu dem ganzen Umfeld gibt es "Die Werkskantine" - ein Restaurant mit einem tollen Ambiente und einer kleinen Karte, die absolut ausreichend ist. Wir hatten Glück und konnten bei Sonnenschein auf der großen Terrasse sitzen. So lassen sich besonders gut die Autos beobachten, die ankommen und wieder abfahren. Sie müssen alle direkt am Restaurant vorbei und in den Aufzug fahren, der sie in das richtige Stockwerk der gemieteten Garage bringt.


Gut, dass wir uns nur für ein kleines Gericht in der Werkskantine entschieden haben. Den Abend wollten wir im Restaurant Weinsinn verbringen. Dort wird das sog. "Casual Dining" bestens umgesetzt. Darunter versteht man Küche und Weine wie in der Sternegastronomie, aber in einem entspannten, lässigen Umfeld. Das zeigt sich in der Ausstattung des Restaurants und im Dresscode von Gästen und Mitarbeitern. Das darf jetzt nicht falsch verstanden werden, es ist alles top gepflegt, aber einfach weniger formell. Glücklicherweise denkt der Guide Michelin hier auch um und hat das Weinsinn mit einem Stern ausgezeichnet.

Weil ich mich da so entspannt habe, wollte ich gleich das "Casual Blogging" umsetzen und habe vergessen das Amuse zu fotografieren. Eine Karte gibt es auch nicht, man kann die Anzahl der Gänge wählen und wird vom Service gut informiert und beraten. So casual wollte ich dann nicht die Gänge mitschreiben. Also, habt einfach mal einen Eindruck und probiert es selbst aus.


So haben wir uns schon sehr gut eingestimmt auf ein tolles Kulinarik-Festival, von dem Ihr im nächsten Beitrag lesen könnt.